Gruppe für Alleinerziehende
Wie eine kleine Auszeit

Ochtrup -

Mutter, Vater, Kind – die klassische Familiensituation ist heute nicht mehr selbstverständlich. Für Alleinerziehende ist das Managen des Alltages oft ein Balanceakt. Austausch, Hilfestellung und Tipps bietet da eine Gruppe, die sich monatlich in den Räumen des Familienzentrums St. Stephan trifft.

Freitag, 17.01.2020, 07:00 Uhr
Mutter, Vater, Kind – die klassische Familienkonstellation ist heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Alleinerziehende müssen den Alltag mit Kind(ern) eigenverantwortlich schultern.
Mutter, Vater, Kind – die klassische Familienkonstellation ist heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Alleinerziehende müssen den Alltag mit Kind(ern) eigenverantwortlich schultern. Foto: colourbox

Einen Tag bei Mama, einen bei Papa. Den dritten bei Oma und Opa mütterlicherseits, die vierten bei Oma und Opa väterlicherseits – die Weihnachtsfeiertage sind noch nicht lange vorbei und die Erinnerung daran, welcher organisatorischen Aufwand hier bewältigt werden musste, um alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist deshalb sehr frisch.

„Alleinerziehende müssen nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse und die ihres Kindes – oder ihrer Kinder – im Auge haben, sondern auch noch jene ihres Ex-Partners“, schildern Monika Seeger von der Ehe-, Familien und Lebensberatung des Bistums Münster sowie Elke Gaußelmann von der Erziehungsberatungsstelle Steinfurt die Herausforderungen, denen sich die Mütter oft stellen müssen. Nicht zuletzt ist das Organisationsmanagement sicherlich auch ein Bereich, der in der Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende häufig Niederschlag findet.

Seit drei Jahren begleitet das Team Seeger/Gaußelmann einmal monatlich Frauen, die genau in diesem Punkt Gesprächspartner, Unterstützung und Austausch suchen. „Die Idee zu diesem Angebot kam von einer Mutter aus unserer Kita“, sagt Gudrun Bienbeck . Leiterin des Familienzentrums St. Stephan, in dessen Räumen sich die Teilnehmerinnen regelmäßig einfinden.

„Es sind im Schnitt vier bis fünf Mütter, die sich treffen“, so Elke Gaußelmann und Monika Seeger. „Es können aber jederzeit neue Interessentinnen dazustoßen.“ Neben dem Vorteil, dass die Kinder während der Zeit des Austausches kostenlos in der Kita betreut werden, sehen die beiden Beraterinnen in den Zusammenkünften noch weitere positive Elemente. „Die Frauen sind oft der Mehrfachbelastung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgesetzt. Sie tragen im Alltag die alleinige Verantwortung für ihre Kinder – nicht selten spielen auch Konflikte mit dem Ex-Partner mit rein. Da fehlt oft das Gespräch mit Gleichgesinnten in ähnlichen Lebenslagen. Das bieten wir bei diesen Treffen mit fachlicher Unterstützung.“

Dabei stünde nicht immer nur Problembewältigung im Vordergrund, betonen Seeger und Gaußelmann. „Unser Anliegen ist es, auch positive Ansätze in die monatlichen Zusammenkünfte zu bringen. Wir versuchen die Frauen zu ermutigen, eigene Ressourcen zu entdecken, anzuwenden und auszuschöpfen. Viele verlieren sich selbst, wenn sie ihren Fokus nur noch auf die Kinder und die Alltagsprobleme richten müssen. Die Frauen achten nicht mehr auf sich selbst. Aber wesentlich ist gerade in solchen Situationen auch der Aspekt: ‚Was tut mir gut? – und darüber nachzudenken.“

Wichtig ist den beiden Gruppenbegleiterinnen „die Schweigepflicht und die Vertraulichkeit bei den Gesprächen. Nichts, was in der Gruppe auf den Tisch kommt, wird nach draußen getragen. Alles bleibt in diesem geschützten Raum.“

Der Vorteil der professionellen Begleitung liege zudem auch darin, „dass wir als Vertreterinnen von Bistum und Diakonie gut vernetzt sind und so auch bei der Erschließung von weiteren Hilfestellungen Tipps geben können“, betonen die Frauen. „Es geht im Grunde um viele Bereiche, die innerhalb der Gruppe angesprochen werden. Die Themen richten sich nach Bedarf und Wünschen der Teilnehmerinnen und gehen nicht selten vom Großen ins Kleine.“

So ist auch mit einem neuen Partner nicht gleichzeitig das Ende aller vorherigen Konflikte erreicht. Manchmal ergeben sich dadurch sogar neue Baustellen, denn er ist ja nun mal nicht der leibliche Vater des Kindes – oder bringt selbst noch Nachwuchs mit in die Beziehung, in der dann patchworkmäßig jeder erst einmal seine neue Rolle finden muss.

„Alle haben ihr Päckchen zu tragen. Es soll aber niemand aus den Gruppenstunden mit dem Gefühl herausgehen, durch die Probleme der anderen nun noch mehr schultern zu müssen. Im Gegenteil: Die Frauen melden immer wieder zurück, dass sie die Treffen wie eine kleine Auszeit empfinden, in der sie sowohl reden als auch relaxen können“, freuen sich Elke Gaußelmann und Monika Seeger.

Zum Thema

Die Gruppe für Alleinerziehende ist ein kostenloses und konfessionsoffenes Angebot für Frauen an jedem ersten Dienstag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr in den Räumen des Familienzentrums St. Stephan. Kinderbetreuung wird angeboten. Eine Anmeldung ist in allen Kitas möglich.

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