Tagespflege „Bi de Pliet“
Erinnerung an vergangene Zeiten

Ochtrup -

Einst wurden in dem großen Saal bei Pliete die Bierchen gekippt, Karten gespielt, Geselligkeit gelebt - das kühle Blonde gibt‘s inzwischen dort nicht mehr, Spiel und Unterhaltung seit einigen Monaten aber wieder. Die Tagespflege „Bi de Pliet“ hat im ehemaligen Gasthaus ihre Türen geöffnet.

Dienstag, 28.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 09:58 Uhr
Das Ambiente der einstigen Gaststätte Pliete haben Sonia Landfester (l.) und Pflegedienstleiterin Sandra Rose bei der Tagespflege-Einrichtung „Bi de Pliet“ belassen. Für viele Gäste ein Anziehungspunkt: Die Küche und Köchin Birgit Ostkotte (kl. Bild).
Das Ambiente der einstigen Gaststätte Pliete haben Sonia Landfester (l.) und Pflegedienstleiterin Sandra Rose bei der Tagespflege-Einrichtung „Bi de Pliet“ belassen. Für viele Gäste ein Anziehungspunkt: Die Küche und Köchin Birgit Ostkotte (kl. Bild). Foto: Susanne Menzel

Einträchtig sitzen Alt und Jung an dem massiven, klobigen Tisch im Rund des großen Saales zusammen und sortieren Fotos einer vergangenen, gemeinsamen Feier auf einem roten Bogen aus Pappe. Im Hintergrund fällt die altdeutsche Thekenanlage in den Blick. Fast erscheint es so, als würden die Wirtsleute gleich um die Ecke biegen, um die Gäste nach ihren Wünschen zu fragen. Der urige Charme der einstigen Gaststätte Pliete hängt hier immer noch nach. Selbst mehr als zwei Jahre nach ihrer Schließung. Am 29. Dezember 2017 hatte das Ehepaar Annette und Bernhard Pliete die Zapfhähne für immer zugedreht. Seit August vergangenen Jahres sind die Räume einer neuen Nutzung gewidmet: Sonia Landfester hat dort eine Tagespflege mit 20 Plätzen eingerichtet.

„Es ist genau das Flair des einstigen Wirtshauses, das unsere Gäste und ihre Angehörigen so schätzen“, schmunzelt die 52-Jährige, die neben dem Ochtruper Angebot eine weitere Tagespflege in Legden sowie vier Wohngemeinschaften (zwei in Legden, eine in Weseke und eine in Heek) unterhält.

„Deshalb haben wir uns beim Umbau auch auf die behördlich vorgeschriebenen Maßnahmen beschränkt. Ein behindertengerechter Zugang und behindertengerecht gestaltete Toiletten“, erklärt die Inhaberin. „Etliche der älteren Menschen, die jetzt zu uns kommen, waren schon früher das ein oder andere Mal bei Pliete und verbinden damit viele Erinnerungen.“

Landfester selbst stammt gebürtig aus Ahaus, wohnt aber seit zwei Jahren in der Töpferstadt. „Ich habe durch mein sportliches Engagement im Tennis schon länger eine Verbindung hierher“, erzählt sie. Als hauptamtliche Pflegedienstleiterin steht ihr Sandra Rose zur Seite, die bereits in den anderen Einrichtungen mit der Chefin zusammengearbeitet hat.

Mit der Tagespflege sollen vor allem pflegende Angehörige entlastet werden, die sich ansonsten rund um die Uhr um Vater, Mutter oder Schwiegereltern kümmern.

„Im Genehmigungsverfahren hat man mit dem Kopf geschüttelt, dass wir eine Tagespflege im Außenbereich errichten wollen“, erinnert sich Sonia Landfester an die diversen Hürden, die in dem zwei Jahre andauernden Prozedere zu bewältigen waren. Aber es ist ihrer Meinung nach genau diese Lage, die den Reiz des Angebotes ausmacht. „Die Menschen sind hier mitten im Grünen. Im Sommer kann man das Auge vom Garten über die Felder schweifen lassen und kleinere Spaziergänge in die Umgebung unternehmen.“ Für weiter entfernt liegende Aktivitäten steht ein Bulli zur Verfügung.

Aber auch ansonsten bietet das Programm, das sich Landfester mit ihrem sechsköpfigen Team überlegt hat, jede Menge an Abwechslung. Neben Ausflügen sind es Spiele, gemeinsame Sing- oder Tanzvormittage, Mobilitäts- und Sinnesförderung. Skat- und Doppelkopfrunden wurden auf Wunsch der Gäste eingeführt. Ein weiteres Plus, mit dem „Bi de Pliet“ punktet: „Wir sind auch samstags da“, sagt Sonia Landfester.

Es gibt noch einen sehr menschelnden Vorteil, den die Senioren über alles lieben: Er – beziehungsweise sie – trägt auch einen Namen, Birgit Ostkotte. Die Ochtruperin hatte schon bei Annette und Bernhard Plite in der Küche gestanden und das Essen zubereitet: gut-bürgerliche, westfälische Küche. „Manche kommen eigens wegen Birgit und ihrer Kochkunst hierher“, weiß Sonia Landfester durchaus, mit welchem Pfund sie es hier zu tun hat. Die Tagesgäste belassen es überdies nicht dabei, Birgit Ostkotte mittags für die Mahlzeiten zu loben. Sie stehen auch gerne mit ihr in der Küche. „Bei einigen führt morgens direkt der Weg dorthin und sie wollen beim Kartoffelschälen oder Backen helfen“, so die Erfahrung von Sandra Rose. Liebe, die auch an dieser Stelle durch den Magen geht.

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