Landwirt und Viehhändler vor dem Amtsrichter
Freispruch erster Klasse

Ochtrup -

Mit einem Freispruch ohne Wenn und Aber endete am Freitag für einen Landwirt und einen Viehhändler aus Ochtrup sowie einen Transportunternehmer aus Dülmen beim Amtsgericht Steinfurt ein Strafverfahren wegen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz. Nach Abschluss der Beweisaufnahme stand für Staatsanwaltschaft, Verteidigung und den Richter fest, dass die in der Anklage erhobenen Vorwürfe nicht zutreffen.

Dienstag, 28.01.2020, 18:00 Uhr
Vergehen nach dem Tierschutzgesetz warf die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift dem Landwirt und einem Viehhändler aus Ochtrup vor. Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht in Steinfurt.
Vergehen nach dem Tierschutzgesetz warf die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift dem Landwirt und einem Viehhändler aus Ochtrup vor. Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht in Steinfurt. Foto: Mike Oelerich

Die Staatsanwalt warf den drei Angeklagten vor, im Januar 2019 ein schwer verletztes Rind in einem nicht transportfähigen Zustand und unter erheblichen Schmerzen vom Betrieb des Landwirtes zum Viehhändler und von dort weiter zu einem Schlachthof transportiert zu haben. In seiner Einlassung sagte der 40-jährige Landwirt, der seit 2007 eine Bullenmast betreibt, aus, dass das Tier zwar im Stall abseits gestanden habe, aber keinerlei offensichtliche Verletzungen aufwies.

Da der Bulle jedoch leicht humpelte und zudem das gewünschte Schlachtgewicht erreicht hatte, entschloss er sich, das Tier von einem Ochtruper Viehhändler abholen zu lassen. Dieser habe das Tier noch am selben Nachmittag vom Mastbetrieb mit einem Anhänger abgeholt. Den Weg aus dem Stall und auf den Anhänger habe das Rind völlig selbstständig bewältigt. Weder ihm, noch dem Händler, seien Krankheiten oder Verletzungen aufgefallen. Auch der 53-jährige Dülmener Tiertransporter habe vor, während und nach der Fahrt zum Schlachthof keine Auffälligkeiten festgestellt.

Ausführlich berichtete der Landwirt vom regulären Ablauf des Verkaufs von Tieren an den Schlachthof. Alles werde lückenlos dokumentiert, mögliche Schädigungen oder Verletzungen würden notiert und hätten bei der Vergütung Abzüge zur Folge. Bei diesem Tier waren alle Abläufe einwandfrei festgehalten, ein Abzug am Kaufpreis wurde nicht vorgenommen.

Außerdem, so beteuerte der angeklagte Landwirt, sei es überhaupt nicht in seinem Interesse gewesen, irgend etwas zu vertuschen, zumal eine tierärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit einer Notschlachtung lediglich mit 25 Euro zu Buche schlage. Bei einem Schlachtgewicht von 700 Kilogramm fielen diese Kosten nicht ins Gewicht und würden sich auf gar keinen Fall rechnen.

Die beiden anderen Angeklagten konnten sich auch keinen Reim darauf machen, wie im Schlachthof die Verletzung am Vorderbein festgestellt werden konnte. Ein Tierarzt, der als Gutachter zum Verfahren hinzugezogen war, bestätigte, dass sich das Tier den schmerzhaften Knochenbruch auch noch nach dem Abtransport zugezogen haben könnte. Zu dieser Zeit sei der Bulle aber bereits aus dem Verantwortungsbereich der drei Angeklagten heraus gewesen. In Betracht käme auch eine mögliche Verwechslung der Aufzeichnungen, was nach dem derzeitigen Stand jedoch nicht einwandfrei aufzuklären sei.

In seinem Schlusswort beteuerte der Landwirt, sichtlich bewegt und den Tränen nahe, dass er niemals ein Tier aus seinem Stall absichtlich Schmerzen zufügen würde. Sowohl er selbst wie auch die beiden Geschäftspartner hätten über viele Jahre Erfahrungen mit der Zucht, dem Verkauf und dem Transport von Rindern. Nie habe es Auffälligkeiten oder gar ein Strafverfahren gegeben. Sein Betrieb sei QM-zertifiziert, was für einen hohen Qualitätsstandard spreche.

In seinem Antrag plädierte der Staatsanwalt auf Grund der glaubwürdigen und um-fassenden Einlassung aller drei Angeklagten und des tierärztlichen Gutachtens für einen Freispruch, dem sich das Gericht uneingeschränkt anschloss.

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