Ochtrup einst und heute
Kirchenmalerei ist längst nicht mehr gefragt

Ochtrup -

1995 ist die Firma Stefan Althoff in das neue Firmengebäude am Metelener Damm 16, das 2008 erweitert und aufwändig restauriert wurde. Es liegt einen Steinwurf weit von dem Haus entfernt, in dem der Kirchenmaler Johann Heinrich Althoff 1883 seinen Betrieb gründete – eine Firmengeschichte.

Dienstag, 04.02.2020, 18:31 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 18:50 Uhr
Firmengründer Johann Heinrich Althoff. Stefan Althoff hat noch einige Skizzen seines Urgroßvaters, die dieser auf der Wanderschaft in Rom, Neapel, Pisa und Florenz anfertigte (Bild r.).
Firmengründer Johann Heinrich Althoff. Stefan Althoff hat noch einige Skizzen seines Urgroßvaters, die dieser auf der Wanderschaft in Rom, Neapel, Pisa und Florenz anfertigte. Foto: Foto/Repro: Irmgard Tappe

Das „Ahnenportrait in Öl“ über Stefan Althoffs Schreibtisch sticht ins Auge. Es macht neugierig und lässt Assoziationen aufkommen. Wer mag dieser Mann mit dem imposanten Vollbart sein? Ein Künstler vielleicht? Oder ein Weltenbummler? Im Gespräch mit Stefan Althoff stellt sich heraus, dass beides wohl teilweise zutrifft. „Das ist mein Urgroßvater Johann Heinrich Althoff . Der hat diese Firma gegründet. 1883 hat er sich am Brookkamp 2 als Kirchenmaler selbstständig gemacht“, berichtet der Malermeister, der das Langenhorster Unternehmen in vierter Generation führt.

Bevor Johann Heinrich Althoff das Unternehmen in seinem Heimatdorf Langenhorst gründete, hatte er in Lingen eine Ausbildung zum Maler und Anstreicher gemacht. Stefan Althoff erzählt von seinem Urgroßvater, der nach seiner Lehrzeit auf Wanderschaft ging, um bei Malermeistern in Münster, Düsseldorf, Frankfurt und München Erfahrungen zu sammeln. Vor allen Dingen aber interessierte ihn die Kirchenmalerei. Besonders die Kunstwerke der italienischen Meister faszinierten den jungen Maler. Weil ihn obendrein das Fernweh gepackt hatte, machte er sich 1881 auf den Weg nach Italien. Natürlich auf Schusters Rappen. Unter anderem arbeitete er in Rom, Neapel, Pisa und Florenz. Er beendete seine Wanderschaft mit Arbeiten in Luzern und St. Gallen in der Schweiz. Geprägt von all den Eindrücken kehrte der damals 30-Jährige heim nach Langenhorst.

Stefan Althoff hat noch einige Skizzen, die seit Urgroßvater auf der Wanderschaft gefertigt hat.

Stefan Althoff hat noch einige Skizzen, die seit Urgroßvater auf der Wanderschaft gefertigt hat.

„Wir haben noch verschiedene Dokumente aus dieser Zeit aufbewahrt“, sagt Stefan Althoff und zeigt etliche Skizzen, die Johann Heinrich Althoff während seiner Wanderjahre angefertigt hat. Auch das vergilbte Wanderbuch existiert noch. Und sogar die Reisenotizen und die Briefe des damaligen jungen Malers an seine Eltern hat die Familie aufbewahrt. „Mein Uropa muss wohl ein schreibfreudiger Mensch gewesen sein. So lange Briefe, wie der geschrieben hat“, schmunzelt Stefan Althoff.

Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es in Langenhorst einen Kirchenmaler gab, ließen die Aufträge nicht lange auf sich warten. Auch darüber gibt es Dokumente im Hause Althoff. „Sein erster Auftrag war die Ausmalung der Alten Kirche in Welbergen“, weiß der Urenkel. Es folgten die Stiftskirche in Langenhorst, die Kapelle in Bilk und Gotteshäuser in Zwillbrock, Ameloe und Albachten. Obendrein war Johann Heinrich Althoff 18 Jahre Gemeindevorsteher von Langenhorst.

1926 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Eugen, der inzwischen die Meisterprüfung abgelegt hatte und ebenfalls künstlerisch begabt war. Eugen Althoff baute das Geschäft zu einem soliden und anerkannten Unternehmen aus, das sich hauptsächlich auf Malerarbeiten im Privatkundenbereich spezialisierte. Auch kommunalpolitisch trat er in die Fußstapfen seines Vaters. Eugen Althoff war neun Jahre Bürgermeister von Lan­genhorst.

1958 übernahm sein Sohn Heinrich Althoff den Malerbetrieb, den er fortan mit seiner Frau Anneliese führte. Er hatte sich neben den üblichen Malerarbeiten auf Restaurationen von Baudenkmälern und Möbelstücken spezialisiert. „Mein Onkel war übrigens einer der ersten Malermeister, der auch Frauen in diesem Handwerk förderte“, erzählt Stefan Althoff.

Nach dem Realschulabschluss entschied auch er sich, das Maler- und Lackiererhandwerk zu erlernen. 1983 trat er die Ausbildung im Betrieb seines Onkels an. Ganz im Sinne von Heinrich Althoff, der in Familienkreisen „Öhm Hinnik“ genannt wurde.

Der aktuelle Firmensitz am Metelener Damm.

Der aktuelle Firmensitz am Metelener Damm. Foto: Irmgard Tappe

Im Laufe der Zeit stellte Stefan Althoff fest, dass ihm der Malerberuf zunehmend Freude bereitete. Nach Ausbildung und Gesellenjahren in Ochtrup und Münster absolvierte er 1991 in Paderborn seine Meisterprüfung. Noch im selben Jahr übergab Heinrich Althoff das Unternehmen an seinen Neffen. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea baute Stefan Althoff es weiter zu einem vielseitigen und qualitätsorientierten Malerbetrieb aus, der aktuell 20 Mitarbeiter beschäftigt.

Die kunstvollen Kirchenmalereien des Urahnen sind allerdings bei der Kundschaft von heute nicht mehr gefragt. Die Palette des Malerhandwerks der Gegenwart umfasst neben den üblichen Maler-, Tapezier- und Lackierarbeiten insbesondere Wärmedämm-Verbundarbeiten und Fußbodenbeläge.

1995 zog die Firma Althoff in das neue Firmengebäude am Metelener Damm 16, das 2008 durch Büro- und Ausstellungsräume erweitert und aufwändig restauriert wurde. Es liegt einen Steinwurf weit von dem Haus entfernt, in dem der Kirchenmaler Johann Heinrich Althoff 1883 seinen Betrieb gründete.

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