Statistik 2019: Bücherei St. Lamberti hat pro Stunde 55 Besucher
„Das Wohnzimmer der Stadt“

Ochtrup -

Die Bücherei St. Lamberti verzeichnet sinkende Ausleihezahlen. Trotzdem ist Leiter Olaf Lewejohann mit der Bilanz für 2019 sehr zufrieden. Denn die Einrichtung hat sich zu einem echten Treffpunkt entwickelt. „Das Wohnzimmer der Stadt“ nennt Lewejohann sie.

Freitag, 07.02.2020, 06:00 Uhr
Die Bilanz für 2019 fällt für die Bücherei St. Lamberti positiv aus. Zwar sind Ausleihezahlen leicht gesunken, doch die Bücherei erfreut sich trotzdem großer Beliebtheit.
Die Bilanz für 2019 fällt für die Bücherei St. Lamberti positiv aus. Zwar sind Ausleihezahlen leicht gesunken, doch die Bücherei erfreut sich trotzdem großer Beliebtheit. Foto: Anne Steven

Die Freude, aber auch der Stolz steht Olaf Lewejohann ins Gesicht geschrieben. Der Leiter der Bücherei St. Lamberti hat die Ausleihe-Statistik des vergangenen Jahres ausgewertet. Bei einer Gesamtzahl von 139 999 Ausleihen wurde 2019 rein rechnerisch jedes der 40 867 Medien in den Regalen der Bücherei mehr als drei Mal ausgeliehen. Lewejohann ist mit diesem Ergebnis super zufrieden – trotz sinkender Ausleihezahlen.

„Das ist ganz klar ein Trend“, sagt er. Vor allem bei den DVDs und Musik-CDs sind die Zahlen stark rückläufig. Der Grund: Filme und Musik lassen sich viel einfacher online herunterladen. „Bei all den Streamingdiensten können wir nicht mithalten“, betont Lewejohann. Auch Sachbücher würden immer weniger ausgeliehen. „Für viele Themen gibt es einfach bessere You-Tube-Videos“, kennt der Bibliothekar die Gründe für den Rückgang. Auch er, gibt Lewejohann offen zu, finde ein kurzes Video oft anschaulicher ist als jede Beschreibung oder Grafik in einem Buch.

Beruhigend sei jedoch zu sehen, dass die Entwicklungen im Kinderbuchbereich eine andere sei. Die Kinder- und Jugendliteratur war in der Statistik wie in den Vorjahren der Spitzenreiter. Lewejohann verzeichnete insgesamt 44  864 Ausleihen. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Hörbücher mit 25 603 und Unterhaltungsliteratur mit 21 325 Ausleihen. Als Ausleih-Renner entpuppten sich im vergangenen Jahr die Toni-Figuren, mit denen Geschichten für Kinder abgespielt werden können. Sie kamen pro Figur auf 17 Ausleihen im Jahresverlauf.

Büchereileiter Olaf Lewejohann ist mit den Zahlen aus 2019 zufrieden.

Büchereileiter Olaf Lewejohann ist mit den Zahlen aus 2019 zufrieden. Foto: Anne Steven

Ein bisschen Sorgen bereiten Lewejohann die Ausleihezahlen im Jugendbuchbereich. „Da nimmt uns das Smartphone diese Altersgruppe weg“, ist der Büchereileiter überzeugt. An dieser Stelle kommen die jugendlichen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bücherei ins Spiel. Von den 46 Frauen und Männern sind 13 unter 18 Jahren. Und die werden natürlich nach aktuellen Trends befragt.

Eine absolute Ausnahme ist laut Lewejohann übrigens der relativ hohe Anteil männlicher Ehrenamtlicher im Team. Das sind immerhin sechs, zwei von ihnen sind unter 18 Jahre. Insgesamt kamen in 2019 4 854 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden zusammen. Ein Einsatz, für den der Büchereileiter nicht nur dankbar ist, weil er eine unschätzbare Entlastung für seinen Arbeitsalltag und den seiner beiden Kolleginnen bedeute: „Dass sich so viele Menschen, einige länger als zehn, einige sogar über 20 Jahre so engagiert für die Bücherei einsetzen, macht deutlich, welchen Stellenwert die Bücherei in Och­trup hat.“

Aber nicht nur, um sich Bücher, Zeitschriften und Spiele auszuleihen, kamen die Besucher in die Bücherei, sondern auch um im Lesecafé zu schmökern.

Auch die PC-Arbeitsplätze waren gut frequentiert, die Spielekonsolen wurden reichlich genutzt und auch Schülergruppen, die Gemeinschaftsarbeiten vorbereiteten oder gemeinsam Hausaufgaben machten, waren häufiger Besucher. Insgesamt lag die Zahl der Besucher im vergangenen Jahr bei 71 313. Da sind 1642 als noch im Jahr 2018. Umgerechnet auf die Öffnungszeiten hielten sich damit stündlich 55 Nutzer in der Bücherei auf. Und es ist dieser Wert, der Lewejohann so stolz macht. „Das zeigt, dass die Bücherei eine hohe Aufenthaltsqualität hat“, betont er. Die Bibliothek gelte oftmals als „dritter Ort“ – neben Arbeit und Zuhause. „Sie ist sozusagen das Wohnzimmer der Stadt“, freut sich Lewejohann. Und genau an dieser Stelle gibt es wieder eine Verbindung zu Ochtrups Jugendlichen. Die halten sich nämlich gerne in den Räumen am Marktplatz auf, hat Lewejohann beobachtet. Klar spiele dabei auch das WLAN in der Bücherei eine Rolle, aber sie fühlten sich offenbar wohl und darauf komme es an, sagt Lewejohann.

Insgesamt gibt es 2697 aktive Leser-Ausweise, die oft von mehreren Personen aus einer Familie oder einer Institution, wie Schulen oder Kindergärten genutzt werden. Erfreulich die Zahl der Neuanmeldungen, die Lewejohann mit 442 beziffert. Unverändert ist, dass die Zahl der Leserinnen gut zweieinhalb mal höher ist, als die der Leser.

Zum Kerngeschäft der Bücherei kommen natürlich noch zahlreiche Veranstaltungen hinzu. Angefangen beim Bilderbuchkino für Kinder im Vorschulalter über Angebote im Rahmen des Ochtruper Ferienspaßes bis hin zu Lesungen und Diskussionsabenden. Mit mehr als zehn Einzelterminen im Monat kamen in 2019 insgesamt 130 Veranstaltungen zusammen. Organisatorisch liefen viele Veranstaltungen mittlerweile auch über Kooperationspartner wie zum Beispiel den Hospizverein, das Spielzeugmuseum oder eben unter Federführung ehrenamtlicher Mitglieder des Bücherei-Teams. Die Nähe und die gegenseitige Befruchtung mit dem Café Knitterfrei der Caritaswerkstätten nebenan laufe optimal und für beide Seiten positiv, ist Lewejohann überzeugt. Er blickt optimistisch in die Zukunft.

Stabile finanzielle Situation

Finanziell sei die Bücherei St. Lamberti gut aufgestellt, bilanziert Leiter Olaf Lewejohann mit Blick auf das vergangene Jahr. Etwa 90 Prozent der ungedeckten Kosten für die Bibliothek sowie die Miete für das Gebäude am Marktplatz trägt übrigens die Kommune. Den Rest übernimmt das Bistum. Ab dem 1. August wird in der Bücherei ein Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek – ausgebildet (wir berichteten). Lewejohann verzeichnete zahlreiche Bewerbungen für diesen Ausbildungsplatz. Toll findet er, dass die dafür notwendigen Personalkosten ohne Murren von der Politik durchgewinkt wurden. „Über diese Unterstützung können wir uns glücklich schätzen“, weiß der Ochtruper.

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