Janne Thebelt wurde in Steinfurt angefahren
Kind verletzt – Radfahrer fuhr einfach weiter

Ochtrup -

Vor einer Woche hatte Janne Thebelt in Steinfurt einen Unfall. Er stieß mit einem Radfahrer zusammen. Doch als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, ignorierte der Mann den Unfall und das verletzte Kind. Er fuhr einfach weiter.

Dienstag, 11.02.2020, 17:50 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 10:12 Uhr
Vor einer Woche wurde Janne Thebelt in Steinfurt von einem Radfahrer regelrecht über den Haufen gefahren. Der Siebenjährige brach sich dabei das linke Bein. Der Mann fuhr einfach weiter..
Vor einer Woche wurde Janne Thebelt in Steinfurt von einem Radfahrer regelrecht über den Haufen gefahren. Der Siebenjährige brach sich dabei das linke Bein. Der Mann fuhr einfach weiter.. Foto: Anne Steven

Janne Thebelt versteht die Welt nicht mehr. Von seinen Eltern hat er gelernt, dass, wenn man Blödsinn macht und dabei etwas kaputt geht, man dazu stehen und den Schaden ersetzen muss. Zumindest aber sollte man sich dafür entschuldigen. Doch das hat der Radfahrer, der den Siebenjährigen vor einer Woche in Steinfurt wortwörtlich über den Haufen gefahren hat, nicht gemacht. Und das findet Janne nicht in Ordnung.

Gemeinsam mit seiner Mutter Gertrud Thebelt und seinen beiden älteren Brüdern war der Junge am 4. Februar, also vor etwas mehr als einer Woche, auf dem Weg zu einem Zahnarzttermin in Steinfurt. „Wir waren richtig gut in der Zeit“, erinnert sich Gertrud Thebelt noch genau. Fußläufig fand sie zudem einen Parkplatz. Nur ein kurzes Stück über den Rad/Fußweg an der Bahnhofstraße musste sie mit den Jungs noch zurücklegen. Dort sah sie einen Radfahrer auf sich zukommen. Reflexartig habe sie versucht, die Jungs zur Seite zu scheuchen. Natürlich, wie das bei Kindern so ist, sie tun nicht immer sofort und auf der Stelle, was ihnen gesagt wird. Doch die Jungs waren folgsam. Nie im Leben hätte Gertrud Thebelt aber damit gerechnet, dass der Radfahrer mit einem solch hohen Tempo auf sie und die Kinder zuschießen würde. „Er hat seine Geschwindigkeit überhaupt nicht verringert“, ist die Ochtruperin immer noch fassungslos. Zudem sei seine Fahrweise sehr aggressiv gewesen. Frontal fuhr er in die Gruppe hinein. Zwischen ihr und ihrem Sohn sowie Janne und seinem anderen Bruder sei eine winzige Lücke gewesen, vielleicht 25 Zentimeter, erinnert sich Gertrud Thebelt. Dort versuchte der Radfahrer durchzukommen. Und dabei erwischte er Janne mit voller Wucht. „Das ging alles so unfassbar schnell“, erinnert sich Gertrud Thebelt.

Janne fiel – zum Glück direkt in die Arme seiner Mutter. „Ich habe ihn aufgefangen“, berichtet die Ochtruperin. Direkt habe sie sich nach dem Radfahrer umgeschaut und ihm hinterhergerufen, dass er ihren Sohn angefahren habe. „Aber das hat ihn überhaupt nicht interessiert.“ Der junge Mann fuhr unbeeindruckt weiter.

Ihr Sohn habe direkt gewusst, dass sein Bein gebrochen ist. Er schrie vor Schmerzen. So blieb Gertrud Thebelt auch keine Zeit, sich weiter mit dem flüchtenden Radfahrer zu beschäftigen. „Ich habe mich um Janne gekümmert und versucht, ihn etwas zu beruhigen. Außerdem waren da ja noch seine Brüder, die natürlich auch ganz aufgelöst waren.“

Gertrud Thebelt setzte den Notruf ab. Zum Glück sei der Rettungswagen schnell vor Ort gewesen. Ganz rührend kümmerten sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte die Mitarbeiter der Zahnarztpraxis um die Familie. „Sie haben für Janne ein Kissen gebracht und ein Kuscheltier“, erzählt Gertrud Thebelt.

Und Janne lag mit seiner Einschätzung, das Bein könnte gebrochen sein, richtig. Es war sogar ein offener Bruch. „Ich bin froh, dass Winter ist und er eine lange Hose anhatte. So haben meine anderen Jungs wenigstens nicht die Knochen und das Blut gesehen“, sagt Gertrud Thebelt, die es immer noch schüttelt, wenn sie an die Wunde zurückdenkt.

Im Krankenhaus wurde Janne versorgt und operiert. Seit ein paar Tagen ist er wieder zu Hause. Das Bein darf er jetzt erst einmal vier Wochen nicht belasten. Eine Schiene sowie einige Drähte und Nägel fixieren den gerichteten Bruch. Mit den Gehhilfen tut sich der Siebenjährige schwer. Er ist sehr unsicher. Deshalb hat ihm seine Mutter erst mal einen Rollstuhl organisiert.

Das ist jetzt natürlich erst einmal alles vollkommen unpraktisch und nervig. Aber Janne sei zum Glück ein fröhliches Kind, dass sich nicht so schnell unterkriegen lasse. Doch Gertrud Thebelt hat immer noch eine ordentliche Portion Wut im Bauch, wenn sie an die Geschehnisse denkt. Vor allem die Gleichgültigkeit des Radfahrers macht sie fassungslos. Im Krankenhaus habe Janne ihr erzählt, dass der Mann ihm beim Wegfahren noch die Zunge herausgestreckt habe. Sie hofft, dass irgendjemand den Radfahrer wiedererkennt oder er sich vielleicht selbst bei der Polizei meldet. Mit einer Entschuldigung werde Janne zwar auch nicht schneller wieder gesund, doch zumindest würde für den Siebenjährigen die Welt wieder ein klein bisschen gerade gerückt.

 

Der Radfahrer ist schlank, etwa 20 bis 25 Jahre alt und hat schwarzes Haar. Die Farbe des Fahrrads war silber-schwarz. Zeugen, die Hinweise zum Unfall oder dem Fahrradfahrer geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei in Steinfurt (Telefon 0 25 51 / 15 41 15) zu melden.

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