Autoführerschein reicht als Basis
B 196 – die neue Lizenz zum Motorradfahren

Ochtrup -

Motorradfahren – mit einem Autoführerschein? Eine Gesetzesänderung macht das jetzt unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Der Code heißt B 196. Es gibt durchaus Interesse.

Donnerstag, 13.02.2020, 05:34 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 05:40 Uhr
Auch Grundfahrübungen gehören zum Programm für Interessenten, die mit einem allgemeinen Führerschein Motorräder bis 125 ccm fahren wollen - die neue Klasse B196 macht es möglich
Auch Grundfahrübungen gehören zum Programm für Interessenten, die mit einem allgemeinen Führerschein Motorräder bis 125 ccm fahren wollen - die neue Klasse B196 macht es möglich Foto: privat

Mit einem Autoführerschein auch Motorrad fahren – das geht. Seit dem 31. Dezember 2019 ist das erlaubt – wenn die Bedingungen erfüllt sind. „Es gab viele Nachfragen, eine richtige Euphorie“, sagt Fahrlehrer Berthold Brillert . „Als die Leute sich dann umfassend über die Kosten informiert hatten, sind die meisten abgesprungen.“

Fahrlehrer Andreas Krassowski hat das anders erlebt. „Wir gehörten zu den ersten im Kreis Steinfurt, die Interessenten erfolgreich ausgebildet haben.“ Allerdings sei auch er zunächst skeptisch gewesen, ob dieses Angebot „überhaupt eine Zielgruppe finden kann.“ Inzwischen müsse er feststellen, dass „die Nachfrage ganz gut“ sei.

„B 196“ ist gleichsam der Code für die Veränderung. Seit dem 1. Januar 1999 sind die Führerscheinklassen in der Europäischen Union einheitlich mit Buchstaben gekennzeichnet.

Daneben gibt es immer wieder nationale Besonderheiten, die nur in dem jeweiligen Land gelten. B 196 ist so ein Sonderfall.

„Wer mindestens 25 Jahre alt ist und mindestens fünf Jahre einen Führerschein der Klasse B hat, darf jetzt Motorräder bis 125 ccm Hubraum fahren – ohne besondere weitere Prüfung“, erläutert Berthold Brillert die Regelung. Interessenten müssen sich aber weiterbilden. „Fünf Doppelstunden Praxis und vier Doppelstunden Theorie sieht der Gesetzgeber vor“, beschreibt er die Mindestvoraussetzungen. Dazu gehörten dann etwa Überlandfahrten oder eine Autobahnstunde gibt es auch für die Praxis Vorgaben. Sei dieses binnen eines Jahres absolviert, stelle die Fahrschule eine Bescheinigung aus, die bei der Führerscheinstelle vorgelegt werden müsse. „Dann gibt es einen neuen Führerschein, der in der Klasse B die Ergänzung 196 trägt.“ Die Kosten beziffert Brillert auf „schnell 1000 Euro – einschließlich der notwendigen Schutzkleidung“. Ein „normaler Motorrad-Führerschein der Klasse A 1“ koste rund 1500 Euro. „Wenn sich Interessenten entscheiden, aufgrund der Weiterbildung jetzt einen ,richtigen‘ Schein machen zu wollen, müssen sie trotzdem bei Null anfangen“, betont Brillert.

In den aktuellen Kartenführerschein wird die neue Klasse eingetragen, und zwar auf der Rückseite.

In den aktuellen Kartenführerschein wird die neue Klasse eingetragen, und zwar auf der Rückseite. Foto: Matthias Ahlke

Das Angebot werde von Interessenten um die 50 plus besonders nachgefragt, berichtet Krassowski von seinen Erfahrungen. „Viele davon wollen 50 ccm-Roller fahren, und waren im Vorfeld nicht bereit, den Aufwand für ein Motorrad mit 125 ccm Hubraum auf sich zu nehmen.“ In der Altersgruppe gebe es viel Erfahrung und auch ein großes Eigenverantwortungsbewusstsein. Deshalb sei die Verantwortung für die Fahrlehrer, die notwendige Bescheinigung auszustellen, durchaus tragbar. Zudem trage der „B 196“ zum besseren Verständnis beim Mit­ein­ander von Autos und Motorrädern bei, ist Krassowski überzeugt, der selbst passionierter Motorradfahrer ist. Wenn es möglich sei, begleite er Fahrschüler schon mal mit dem Motorrad.

Etwa zur Mitte des Jahres rechnet der Fahrlehrer mit einer weiteren Änderung für Autofahrer. „Das E-Auto hält Einzug in die Fahrschulen“. Das sei eine Folge der Förderung der E-Mobilität, die auch politisch gewollt sei. Damit verbunden sieht Krassowski „eine interessante Frage für die Fahrschulen“. Denn: Etwa 200 bis 350 Kilometer pro Tag lege ein Fahrschulwagen zurück. Ob die E-Autos das leisten könnten, werde sich zeigen. Ein weiterer Aspekt: E-Autos haben ein Automatik-Getriebe. „Wer nur auf Automatik-Wagen Fahren lernt, erhält in seinem Führerschein einen entsprechenden Eintrag – und darf keinen Schaltwagen fahren.“ Deshalb sollten auch Fahrstunden in Pkw mit Schaltgetriebe Bestandteil der Ausbildung sein. In vielen Fahrschulen gebe es dafür zum Beispiel Simulatoren, damit das „richtige Gefühl“ für das Schalten vor dem ersten Praxistest schon entwickelt sei. Er halte indes nichts davon, sagt Krassowki. Er sehe seine Aufgabe als Fahrlehrer auch darin, „die Entwicklung eines Fahrschülers von Anfang an zu begleiten“.

Nach seinem Eindruck sei die Zahl der Automatikwagen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Auch deshalb habe er ein E-Auto als Fahrschulwagen bestellt. Berthold Brillert wartet dagegen noch ab. „Wir schauen erst mal, was sich in dem Bereich in den nächsten Monaten noch tut.“

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