Amtsgericht verurteilt Ochtruper wegen Sachbeschädigung
Absprache der Zeugen hilft dem Angeklagten nicht

Ochtrup -

Ein 37 Jahre alter Mann aus Ochtrup ist jetzt wegen Sachbeschädigung verurteilt worden. Das Gericht glaubte den Entlastungszeugen nicht - sie hatten sich offenbar abgesprochen, um dem Angeklagten ein Alibi zu geben.

Mittwoch, 19.02.2020, 15:33 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 16:31 Uhr

Waren die Zeugenaussagen abgesprochen? Beim Amtsgericht Steinfurt waren sich am Dienstag Staatsanwalt und Richter einig, dass einige Zeugen ihre Schilderungen abgesprochen hätten, um den Angeklagten zu entlasten.

Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft soll der 37 Jahre Ochtruper am 4. August 2019 gemeinsam mit einigen Kumpels an der Mühlenstraße eine Tür eingetreten haben; dabei sei ein Schaden von etwa 500 Euro entstanden. Hintergrund war eine Auseinandersetzung am Vorabend beim „Nightlight“, der Musiknacht in der Ochtruper Fußgängerzone. Dabei soll der Angeklagte bei einem Streit mit seiner Freundin ihr gegenüber handgreiflich geworden sein. Der spätere Geschädigte habe daraufhin die beiden getrennt und die Polizei verständigt. Als unmittelbare Folge wurde dem Angeklagten für zehn Tage verboten, die Wohnung zu betreten, in der er zusammen mit seiner Freundin lebte.

In seiner Einlassung bestätigte der Angeklagte den Vorfall in der Samstagnacht. Deshalb habe er bei einem Freund in der Bahnhofstraße übernachtet. Am nächsten Tag habe man mit anderen Freunden bei schönem Wetter den ganzen Tag auf dem Balkon gesessen, gegessen und getrunken und sich etwas erzählt. Er könne die ihm vorgeworfene Sachbeschädigung also gar nicht begangen haben.

Die Zeugen, die der Geschädigte benannt hatte, bestätigten, dass der Angeklagte bei dem Vorfall am Sonntag dabei gewesen sei. Zwar habe ihn niemand gesehen, weil die Tür von innen gesichert war, jedoch sagten die Zeugen aus, dass sie die Stimme des Angeklagten sicher erkannt hätten. Daher sei davon auszugehen, dass auch der Angeklagte an der Zerstörung der Tür beteiligt war.

Die Entlastungszeugen berichteten übereinstimmend von dem Zusammensein am Sonntag an der Bahnhof­straße. Bis in den späten Abend sei gefeiert worden. Niemand, und ganz sicher auch nicht der Angeklagte, habe während der Party die Wohnung verlassen. An weitere Einzelheiten konnten sich die Zeugen nicht erinnern.

Nach Auffassung des Gerichts waren diese Aussagen abgesprochen, um dem Angeklagten ein wasserdichtes Alibi zu verschaffen. Deshalb befand ihn der Richter, wie schon der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, der Sachbeschädigung für schuldig. Er verurteilte den Angeklagten zu 70 Tagessätzen zu je zehn Euro. Bei dieser geringen Strafe berücksichtigte er zu seinen Gunsten den relativ geringen Schaden. Allerdings schlugen immerhin 19 Eintragungen im Bundeszentralregister negativ zu Buche; einschlägige Vorstrafen lagen jedoch schon acht Jahre zurück.

„Ich hoffe, dass wir uns nicht noch einmal vor Gericht wieder sehen müssen“, gab der Richter dem Ochtruper mit auf den Weg.

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