Ausfallbürgschaft der Stadt für Arminias Turnabteilung
Höherklassiger Wettkampf wird teurer als gedacht

Ochtrup -

Zum Glück hat die Politik zugestimmt, der Turnabteilung des SC Arminia Ochtrup bei einer Veranstaltung im Mai mit einer Ausfallbürgschaft den Rücken freizuhalten. Ansonsten würde es für den Verein schwierig werden, den höherklassigen Turnwettkampf auszurichten. Denn es fehlen professionelle Sportgeräte, die vom Turnverband vorgeschrieben werden. Nur hat die Turnabteilung davon erst in diesem Monat erfahren.

Mittwoch, 19.02.2020, 17:10 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 16:31 Uhr
Für einen höherklassigen Turnwettkampf sind
Für einen höherklassigen Turnwettkampf sind Foto: Ulrich Schaper

Die Turnabteilung von Arminia Ochtrup steckt in der Klemme – zumindest ein bisschen. Sie hat sich mit Blick auf das 125-jährige Jubiläum des Turngaus Münsterland im Mai dazu entschlossen, als Ausrichter einen höherklassigen Turnwettkampf in Ochtrup auszurichten. Das war im Spätsommer. Ende 2019 änderten sich jedoch die Vorgaben des Verbandes. Um diesen Wettkampf auszurichten, ist die Ausstattung mit professionellen Sportgeräten verpflichtend. Eine genaue Liste bekam die Trainerin des SC Arminia und Mitorganisatorin, Angelika Müller , erst in diesem Monat. Nun steht fest: Das Equipment ist nur zum Teil in den Ochtruper Sporthallen vorhanden. Jetzt gilt es, diese Kosten aufzufangen.

Mit einem entsprechenden Antrag auf Kostenübernahme wandte sich die Turnabteilung deshalb an die Stadt. Eigentlich braucht diese eine Vorlaufzeit von sechs Monaten (Sportförderrichtlinien). In diesem Fall bat die Erste Beigeordnete Birgit Stening den Ausschuss für Bildung und Sport, der sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Antrag befasste, aber darum, eine Ausnahme zu machen. Schließlich habe die Stadt bereits im Sommer zugesagt, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Dem Verein sei zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen, dass solch hohe Kosten anfallen würden. „Die Turnliga hat sich neu strukturiert. Nun gelten dort andere Standards“, ergänzte Lena Schneuing (FWO), die im Verein aktiv ist.

Diesen Hinweis benötigte der Ausschuss. Schließlich müsse man bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung doch eigentlich vorab den finanziellen Rahmen klären, sagte Hermann Holtmann. Der Fraktionsvorsitzende der FDP fand aber auch, dass man den Verein „nicht vor die Wand laufen lassen sollte“. Unterstützung bekam die Turnabteilung ebenfalls von Doris Nollen Kuhlbusch. Die Leiterin der Realschule erinnerte die Politiker daran, dass sie sich die Förderung von Kindern und Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben hätten. Zudem sei die geplante Veranstaltung „schon etwas Besonderes.“

In diesem Zusammenhang betonte Sarah Lahrkamp (SPD), dass niemand die Veranstaltung ausfallen lassen wolle. Der Antrag sei allerdings „etwas schwierig“, weil er nicht den Sportförderrichtlinien entspreche, hatte bereits zu Beginn der Diskussion ihr Fraktionskollege Josef Hartmann erklärt. Seine Frage, ob es nicht eine andere Finanzierungsmöglichkeit gebe, griff Barbara Kuhls-Malitz auf. „Wenn der Verein zusagt, sich auf die Suche nach Sponsoren zu machen, könnte die Stadt als Sicherheit im Hintergrund agieren“, war die Idee der CDU-Politikerin. „Wir haben schon überlegt, dass man Eintritt nehmen könnte“, berichtete Lena Schneuing von vereinseigenen Ideen, die Finanzierung anzugehen. Schnell waren sich die Politiker einig, der Turnabteilung bei dieser Veranstaltung mit einer Ausfallbürgschaft in Höhe von 5000 Euro den Rücken freizuhalten. Das Votum erfolgte einstimmig.

„Damit können wir leben“, freute sich Angelika Müller. Für den Verein sei die Ausrichtung eines solchen Wettkampfes Neuland. Doch sie sei wichtig, nicht nur, weil viele Zuschauer den Turnerinnen der Regionalliga und der dritten Bundesliga zuschauen können, sondern auch für die eigenen Sportlerinnen. Die erste Mannschaft turnt derzeit in der Verbandsliga. Von dort über die Oberliga bis zur Regional- beziehungsweise dritten Bundesliga sei der Weg nicht weit. „Diese Ligen sind auch für uns greifbar. Das können wir auch erreichen“, hofft sie, dass die Veranstaltung auch Motivation für die Arminia-Turnerinnen liefert.

Grundsätzlich sei die Turnabteilung, was das Ausrichten von Festen und Veranstaltungen angeht, durchaus erprobt. In diesem Fall hapert es aber nicht am ehrenamtlichen Engagement, sondern an der Ausstattung der Sporthallen.

Vorhanden sei eine Bodenturnfläche, die den Vorgaben der Turnliga entspreche. „Leider trifft das nicht auf die Mattenlagen der drei weiteren Geräte zu“, erklärt Angelika Müller das Problem. Theoretisch könnten die Turnerinnen die Matten für Schwebebalken, Stufenbarren und Sprungtisch ausleihen. Es gebe dazu eine Kooperation der Deutschen Turnliga mit einem Sportgerätehersteller. Dieser verleihe jedoch nur ganze Gerätesätze. Und selbstverständlich seien diese teurer.

Ein bisschen ärgert sich Angelika Müller über den Turnverband, der bei diesen Wettkämpfen als Veranstalter auftritt und die Vorgaben macht, sich jedoch finanziell vollkommen zurückzieht und die Ausrichter allein lässt. „Das funktioniert doch nicht“, weiß Müller.

Sie findet, dass sich die Verbände mehr einbringen müssten. Für sie und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter sei die Veranstaltung sehr anstrengend. Doch sie stehen der Sache positiv gegenüber und haben Spaß an ihrem Ehrenamt. Nur müsse man schließlich auch sehen, dass die Verbände auf die Vereine als Ausrichter angewiesen seien. Und da könne doch ein bisschen Entgegenkommen erwartet werden.

Nichtsdestotrotz: Auf der Ausfallbürgschaft der Stadt, die noch vom Rat abgesegnet werden muss, will sich die Turnabteilung nicht ausruhen. Sie setzt nun alles daran, Sponsoren für die Veranstaltung zu gewinnen und zusätzliche Einnahmen durch Eintrittsgelder und den Verkauf von zum Beispiel Bratwürstchen zu generieren. Ein Wettkampf mit Netz und doppeltem Boden sozusagen.

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