Vorsorge gegen Eichenprozessionsspinner
Baumringe als Fallen für kleine Raupen

Ochtrup -

Der Eichenprozessionsspinner hat in vielen Kommunen für viel Ärger – und Kosten – gesorgt, so auch in Ochtrup. Die Stadt startet jetzt ein „Fallen-Projekt“ gegen die Raupe. Bereits im April sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Freitag, 21.02.2020, 07:16 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 07:36 Uhr
Umweltbeauftragte Gesine Hilgendorf und der städtische Gärtnermeister Franz Laurenz präsentieren im Stadtpark eine der Fallen, mit denen die Eichenprozessionsspinner gefangen werden sollen.
Umweltbeauftragte Gesine Hilgendorf und der städtische Gärtnermeister Franz Laurenz präsentieren im Stadtpark eine der Fallen, mit denen die Eichenprozessionsspinner gefangen werden sollen. Foto: Rieke Tombült

In den vergangenen Sommern war er in allen Medien präsent und sorgte für einen großen Aufschrei: der Eichenprozessionsspinner. Die Haare der Raupe können auf der menschlichen Haut brennenden und juckenden Ausschlag auslösen, weshalb im Umgang mit dem Nachtfalter Vorsicht geboten ist.

Die Stadt hat bisher jeweils externen Firmen beauftragt, die dann die Nester zum Beispiel abgeflammt haben. Die Probleme dabei: Für die ausführenden Kräfte ist diese Aktion nicht ungefährlich und für die Kommune stellt sie zusätzlich einen enormen Umwelt- und Kostenfaktor dar.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Umweltbeauftragte der Töpferstadt, Gesine Hilgendorf , hat sich deshalb nach einer Alternative umgehört und ist fündig geworden. Seit einigen Tagen hängen Mitarbeiter der Stadt nun 130 Konstruktionen an ausgewählte Bäume, um gegen die Raupenpopulationen vorzugehen. Dafür spannt Gärtnermeister Franz Laurenz einen Schlauch um den Baum, über den zusätzlich ein weißer Rahmen gelegt wird. Zusammen dichtet er die Rinde ab, damit keine Raupe daran vorbei kommen kann – so die Theorie. An einer Stelle ist der unten liegende Schlauch über eine Öffnung mit einem Beutel verbunden, der einen Lockstoff enthält. „Wenn die Raupen abends zum Stamm des Baumes klettern, kommen sie an der Falle vorbei“, erläutert Gesine Hilgendorf. „Sie geraten dann in eine Art Labyrinth und kommen nur an der Öffnung zum Beutel her­aus, da die Oberfläche sonst zu glatt ist“, ergänzt Franz Laurenz.

130 Fallen für Ochtrup

Der Sack enthält einen Botenstoff (Kairomon), der den Duft von jungen Eichentrieben imitiert und den Eichenprozessionsspinner so anziehen soll. Zusätzlich reagiert die Tüte durch ihre schwarze Farbe auf die Sonne und erhitzt sich auf bis zu 70 Grad. Der Effekt: „Die eiweißhaltige Raupe zersetzt sich selbst“, erläutert die Umweltbeauftragte.

Der Vorteil bei der Falle sei, dass sie umweltfreundlich und für andere Lebewesen ungefährlich ist. „Wir können die Beutel nachher einfach im Restmüll entsorgen und gegen einen neuen austauschen“, hebt Gesine Hilgendorf hervor.

Die 130 Fallen werden an Orten installiert, an denen sich „sensible Gruppen oder viele Menschen aufhalten und an denen es schon Befall im vergangenen Jahr gab“, erläutert sie weiter. An Kindergärten, Schulen, Spielplätzen und im Stadtpark sind daher schon einige der Konstruktionen aufgehängt worden. Dennoch gilt die vielversprechende Falle erst einmal als Pilotprojekt, da der jeweils ausgewählte Baum natürlich auch betroffen sein muss. Zudem könne das Wetter die Anzahl der Populationen massiv beeinflussen. „Und zum Umgang mit dieser Falle gibt es bisher kaum Erfahrungen.“

Gesine Hilgendorf und Franz Laurenz sind jedoch guter Dinge und erhoffen sich erste Ergebnisse bereits im kommenden April.

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