Selbstverteidigungskursus für Mitarbeiter der Rettungswache
Wenn Helfer zu Kämpfern werden

Ochtrup -

Rettungssanitäter und Feuerwehrleute werden immer häufiger während ihres Einsatzes von Passanten oder auch Patienten angegriffen. In einem Kursus in der Ochtruper Rettungswache lernten die Retter nun, sich gegen solche Attacken wirkungsvoll selbst zu verteidigen.

Sonntag, 01.03.2020, 11:48 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 11:28 Uhr
Die Rettungswache wurde zur Trainingshalle. Geschützt durch ein Schlagpolster vermitteln die Trainer Techniken zur Selbstverteidigung vor aggressiven Patienten oder Passanten. Danach übten die Helfer paarweise.
Die Rettungswache wurde zur Trainingshalle. Geschützt durch ein Schlagpolster vermitteln die Trainer Techniken zur Selbstverteidigung vor aggressiven Patienten oder Passanten. Danach übten die Helfer paarweise. Foto: Irmgard Tappe

Trainer Fabian Schmied hält ein Schlagpolster vor seinen Körper. Reihum schlagen die Workshopteilnehmer mit einem speziellen Stock kräftig dagegen. Die Geräusche ähneln einem Boxtraining. „Wir betreiben hier aber keinen Kampfsport. Wir trainieren Krav Maga, eine besondere Form der Selbstverteidigung“, erklärt Peter Knüpp , der den achtstündigen Wochenendkurs im Geräteraum der Ochtruper Feuerwache leitet.

An zwei Tagen erlernen die Notfallsanitäter der Ochtruper Rettungswache und einige Feuerwehrleute die Verteidigungstechniken des Krav Maga. „In Großstädten“, berichtet Peter Knüpp, „ist das bereits eine gängige Methode zur Selbstverteidigung“ Dort seien Angriffe – insbesondere auf Polizisten und Rettungskräfte – keine Seltenheit.            

Doch auch im ländlichen Raum gibt es Gewalt. „Auch in Ochtrup nimmt die Gewaltbereitschaft zu“, weiß Roman Beunink . Der stellvertretende Leiter der Rettungswache ist häufig mit dem Rettungswagen unterwegs. Verbale Gewalt in Form von Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen hätten er und seine Leute schon häufig erfahren. Doch auch mit körperlicher Gewalt seien sie schon konfrontiert worden.

Meistens seien Alkohol und Drogen im Spiel. „Die Leute, zu denen wir gerufen werden, stecken oft voller Aggressionen. Sie erkennen nicht mehr, dass da jemand ist, der ihnen helfen möchte. Einige wehren sich mit körperlicher Gewalt“, berichtet Beunink und nennt Beispiele. Etwa von einem Einsatz in einer Familie, wo der Sohn im Drogenrausch starke Aggressionen gegenüber seinen Mitmenschen zeigte und sich auch gewaltsam gegen die Hilfe der Rettungskräfte wehrte.

Ein andermal seien sie sogar von einem Rentner angegriffen worden. Notfallsanitäter Dietmar Herding erzählt von einem Fall, in dem ein Mann eine Pistole zog. „Ich konnte noch rechtzeitig verhindern, dass er abdrückte. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass es sich um eine Schreckschusspistole handelte“, erinnert er sich.

Die Notfallsanitäter sind froh, dass die Stadt Ochtrup ihnen und ihren Kollegen dieses Trainingswochenende ermöglicht. 24 Männer und Frauen nehmen daran teil. „Wir führen die Teilnehmer langsam an die verschiedenen Techniken heran“, sagt Peter Knüpp. Rollenspiele eignen sich da besonders gut. Nach der Schlagübung zum Aufwärmen ist der Schlagstock bereits zu Bruch gegangen. Das sei kein Malheur, sondern ein normaler Verlauf, grinsen die Trainer.

Jetzt steht die „Hammerfaust“ auf dem Programm. „Das ist eine Partnerübung. Einer nimmt das Schlagkissen, der andere schlägt mit der Faust drauf. Die Fäuste blitzschnell in Kombination einsetzen“, gibt Knüpp Anweisungen für eine Übung, die sich prima eignet, um den Angreifer zu überraschen. Die Hammerfaust, erläutert Knüpp, könne man in verschiedene Richtungen einsetzen. Auch nach rückwärts. Und das wird jetzt erst einmal trainiert.

Bei der nächsten Trainingseinheit können die Fäuste ruhen und die Schlagpolster ebenso. Jetzt sind die Füße gefordert. „Tritt in den Schritt“ lautet die Verteidigungstechnik, die den Gegner im Ernstfall für kurze Zeit außer Gefecht setzen kann. Als Schutz vor den Tritten dient beim Training ein Gymnastikball.

Körperkraft und Kondition sind bei den Krav Maga- Übungen besonders gefordert. Bei einigen Herausforderungen rinnt den Teilnehmern gar der Schweiß von der Stirn. Aber nach jedem Durchgang steht eine kleine Verschnaufpause an. Da wird auch mal gescherzt und gelacht.

Am Ende des zweitägigen Workshops trainieren die Teilnehmer schließlich den Ernstfall im Rettungswagen. „Auf engstem Raum ist das nochmals eine andere Situation“, sagt Roman Beunink. Man habe viel gelernt während des Trainingswochenendes, das sich nebenbei positiv auf die Zusammenarbeit im Team ausgewirkt habe, zieht der stellvertretende Leiter der Rettungswache ein Fazit.

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