Neue Feuerwache
Kostenschätzung auf dem Prüfstand

Ochtrup -

Am Donnerstag (5. März) steht das Thema „Neue Feuerwache“ erneut auf der Tagesordnung der Politik. Der Rat will den Kosten für das Projekt an den Kragen. Dabei soll eine Überprüfung der Kostenschätzung helfen, denn die haben die Architekten offenbar sehr großzügig angelegt.

Mittwoch, 04.03.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 12:04 Uhr
Die alte Rektoratsschule soll Teil der neuen Feuerwache werden.
Die alte Rektoratsschule soll Teil der neuen Feuerwache werden. Foto: Anne Eckrodt

Politik und Verwaltung sind sich einig: Ochtrup braucht eine neue Feuerwache. 2017 fällte der Rat mehrheitlich die Entscheidung für den Standort ehemalige Pestalozzischule. Aktuell geht es nun um die Planung und die Kosten. Vor allem Letztere sind der Politik, aber auch den Bürgern – das ist den Äußerungen vieler Ochtruper in den sozialen Netzwerken und den Leserbriefen in dieser Zeitung zu entnehmen – zu hoch.

Waren die höheren Kosten bekannt?

13,5 Millionen Euro hatten die Architekten vom Büro bbp architekten aus Münster im jüngsten Bauausschuss geschätzt, müsste die Stadt für eine neue Feuerwache ausgeben – doppelt so viel wie ursprünglich gedacht. Bürgermeister Kai Hutzenlaub betonte in einer Stellungnahme im Haupt- und Finanzausschuss, dass der ursprüngliche Wert niemals eine belastbare Summe gewesen sei (wir berichteten). Schließlich fehlten Posten wie Nebenkosten und Architektenhonorar gänzlich.

In den Fraktionen ist man darüber geteilter Ansicht. Während Grünen-Chef Franz Scheipers, Hermann Holtmann ( FDP ), Martin Grave (FWO) und auch Vincent ten Voorde (SPD) im Gespräch mit dieser Zeitung betonen, dass sie zumindest davon ausgegangen sind, dass die angepeilten 6,5 Millionen Euro nicht ausreichen werden, verweist Hajo Steffers auf den Haushalt. „Das steht da nicht drin“, kritisiert der CDU-Fraktionsvorsitzende. Spätestens im Dezember 2019 hätte der Bürgermeister seiner Ansicht nach eine höhere Zahl hineinschreiben sollen. „Der Haushalt ist doch keine Spaßveranstaltung. Es wäre seine verdammte Pflicht gewesen“, ärgert sich der CDU-Mann.

Kämmerer Roland Frenkert betont, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass vorab grob kalkulierte Preise für Bauvorhaben hinterher entweder deutlich teurer oder auch günstiger würden. Als Beispiele nennt er den Kreisverkehr an der Stadthalle oder die OGS Marienschule. Schon in den Haushaltsberatungen sei mit den Fraktionen über erhöhte Kosten für die Feuerwache gesprochen worden, sagt der Kämmerer. „Wir hätten das vorher öffentlich bekannt machen müssen“, gibt Bürgermeister Kai Hutzenlaub aber zu.

Ganz abgesehen davon, dass die Christdemokraten grundsätzlich den Standort Stadthalle für eine neue Feuerwache favorisieren (wir berichteten), wollen sie sich nun der demokratischen Entscheidung beugen. Die Diskussion sollte aus ihrer Sicht ein Ende haben. Wichtig sei es jetzt, die Feuerwache schnellstmöglich an der Pestalozzischule zu realisieren. Neben einer Klärung der baurechtlichen Situation auf dem Grundstück am Grünen Weg (Immissionsschutzgutachten), gelte es dabei vor allem aber, die Kosten im Blick zu behalten.

Kostenschätzung unter der Lupe

Dieser Aufgabe scheint sich Martin Grave von den Freien Wählern verschrieben zu haben. Der gelernte Bautechniker nahm die nicht-öffentlichen Unterlagen zur Planung der Feuerwache jetzt noch einmal ganz genau unter die Lupe. Letzteres tat übrigens auch die Verwaltung und machte Einsparpotenzial von circa 860 000 Euro aus.

Das reicht Grave aber noch nicht. Er sei jede Position durchgegangen und habe Fehler, Dopplungen sowie nicht marktübliche Preisansätze gefunden. Es gehe seiner Fraktion keinesfalls darum „das Rad zurückzudrehen“, nur dürfe man sich angesichts dieser Kostenberechnung nicht wundern, dass das Budget so hoch sei. Zehn Millionen Euro, so seine Berechnung, könnte die neue Feuerwache nach Ausmerzung aller Mängel in der Kostenschätzung noch kosten. Selbstverständlich spiele der Denkmalschutz und die Architektur bei diesem Projekt eine Rolle, doch trotzdem müsse der Neubau in erster Linie funktional sein.

Der Verwaltung macht er hinsichtlich der Prüfung der Kostenberechnung übrigens keinen Vorwurf. Dies sei von Seiten der städtischen Mitarbeiter nicht zu leisten, so Grave. Positiv über das Engagement des FWO-Mannes in dieser Sache äußerten sich auch seine Kollegen aus den anderen Fraktionen. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, stellte etwa Vincent ten Voorde in Aussicht, der wie Grave und Vertreter der anderen Ratsfraktionen vor einigen Tagen zu einer langen Beratung mit der Verwaltung zusammenkam, mit dem Ziel, die Kosten zu reduzieren.

Raumkonzept

Ähnlich wie auch Steffers sieht Grave das Raumkonzept an der einen oder anderen Stelle überdimensioniert. Er ist jedoch der Ansicht, dass dies der Nutzung der denkmalgeschützten Rektoratsschule geschuldet ist. Hermann Holtmann geht noch sehr viel weiter. Er ist der Ansicht, die Raumplanung sei „völlig unkontrolliert entstanden“. Zudem sei es nicht Aufgabe des Rates, Einsparpotenziale auszumachen. Seine FDP-Fraktion hat für die heutige Sitzung des Rates einen Antrag gestellt, der die Beauftragung eines unbeteiligten Planungsbüros vorsieht. Es soll eine vorläufige Kostenschätzung als Vergleichswert zur aktuellen Planung erstellen.

FDP-Antrag

Zudem möchte die FDP die Feuerwache getrennt von der Rektoratsschule auf einem Grundstücksstreifen entlang des Grünen Weges verwirklichen. Städtebaulich sei das nicht unproblematisch, gibt Holtmann zu. Zudem sei ein ähnlicher Vorschlag bereits im Vorfeld durch die Feuerwehr abgelehnt worden, da die Verkehrswege länger wären. Holtmann sieht dieses Problem zwar nicht, geht aber davon aus, dass der FDP-Antrag im Rat nicht mehrheitsfähig ist.

Denkmalschutz

Die Denkmalschutz-Pflichten und die damit verbundenen Kosten für die Rektoratsschule hat die Stadt laut Auskunft von Bauamtsleiterin Karin Korten übrigens auch ohne einen Anschluss an die neue Feuerwache. Zur Zukunftsfähigkeit der neuen Feuerwache – vielfach kritisiert wurde die begrenzte Erweiterbarkeit am Standort Pestalozzischule – ergänzt Michael Alfert vom Ordnungsamt, dass der Brandschutzbedarfsplan für Och­trup keinesfalls eine „Riesen-Wache“ vorsehe. Sollte die Stadt künftig weiterwachsen seien vielmehr zusätzliche Gerätehäuser („Satelliten“) wie in Langenhorst oder Welbergen denkbar.

In der heutigen Ratssitzung (Beginn: 18 Uhr, Gaststätte „Happens Hof“) steht das Thema Feuerwache erneut zur Diskussion. Eine Entscheidung mit Blick auf die Kosten werden die Politiker aber vermutlich noch nicht treffen, denn die Antwort der Architekten aus Münster auf die Vorschläge zur Kostenreduzierung steht noch aus.

Kommentar: Keine belastbare Größe

Als die Pläne für die neue Feuerwache im Bauausschuss vorgestellt wurden, haben die WN getitelt „Denkmalschutz treibt Kosten hoch“. Es scheint so, als hätte der Titel „Architekten treiben Kosten hoch“, heißen müssen. Denn offenbar hat das beauftragte Büro die Kosten für die neue Feuerwache mehr als großzügig geplant. Das mag insofern nachvollziehbar sein, als dass ihr Honorar auf Grundlage der Kostenberechnung kalkuliert wird. Je höher das Budget ausfällt, desto höher der Lohn der Planer. Dumm nur, wenn das jemandem auffällt.
Nichtsdestotrotz hätten die Verwaltung und insbesondere der Bürgermeister öffentlich kommunizieren müssen, dass die Kosten für die Feuerwache nicht im Rahmen von 6,5 Millionen Euro bleiben werden. Denn darüber herrschte spätestens seit Ende 2019 Klarheit. Der Mehrheit der Ratsmitglieder scheint bewusst gewesen zu sein, dass diese Summe keine belastbare Größe ist, den Bürgern indes aber nicht. 

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