Manfred Schründer und Johann Moggert kritisieren EU-Politik in Flüchtlingsfrage / Ochtrup gerüstet
Selbst aktiv werden auf lokaler Ebene

Ochtrup -

An der EU-Außengrenze zwischen Griechenland und der Türkei hat sich die Lage am Wochenende verschärft. Auch wenn die Flüchtlingsthematik momentan nicht direkt Ochtrup betrifft, dürfe das Schicksal dieser Menschen nicht aus dem Blick geraten. Das finden Manfred Schründer und Johann Moggert, beide ehemalige Vorsitzende des Vereins Miteinander Ochtrup. Sie fordern die EU zum handeln auf und ermuntern die Bürger, aktiv zu werden

Dienstag, 10.03.2020, 09:38 Uhr aktualisiert: 10.03.2020, 12:12 Uhr
Ein Migrant sitzt in einem Zelt auf der türkischen Seite der Grenze. Die griechische Polizei versucht mit Tränengas und Wasserwerfen die Migranten am Überqueren der Grenze zu hindern.
Ein Migrant sitzt in einem Zelt auf der türkischen Seite der Grenze. Die griechische Polizei versucht mit Tränengas und Wasserwerfen die Migranten am Überqueren der Grenze zu hindern. Foto: Yasin Akgul/dpa

„Es ist eine Schande“, sagen Schründer und Moggert. Sie sprechen damit die vor Krieg, Unterdrückung und Armut aus ihrer Heimat fliehenden Menschen und ihr Elend an: „Was fällt den meisten Politikern in der EU , die immerhin Friedens-Nobelpreisträgerin 2015 ist, ein? Wieder einmal total überrascht versuchen die EU-Staaten, mit allen Mitteln die Grenzen dicht zu machen und lassen Männer, Frauen und Kinder unter unmenschlichen Bedingungen leiden und verrecken.“ Flüchtlings-, Asyl- und Menschenrechte würden mit Füßen getreten, besonders in Lagern, in denen Geflüchtete isoliert untergebracht werden, beklagen Schründer und Moggert.

Johann Moggert (l.) und Manfred Schründer fordern die EU zum handeln auf und ermuntern die Bürger, aktiv zu werden.

Johann Moggert (l.) und Manfred Schründer fordern die EU zum handeln auf und ermuntern die Bürger, aktiv zu werden. Foto: Anne Steven

Auf die EU-Politik könne nur begrenzt direkt Einfluss genommen werden, wohl aber auf lokaler Ebene. Die beiden ehemaligen Miteinander-Vorsitzenden engagieren sich in der kreisweit vernetzte Initiative „Humanität und Bleiberecht“. Darüber haben sie in Erfahrung gebracht, dass in den meisten Städten und Gemeinden Bereitschaft wie Kapazität vorhanden seien, geflohene Menschen aufzunehmen. Das ist auch in Ochtrup der Fall.

Ochtrup gerüstet

In der Töpferstadt leben zurzeit 67 nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetzt registrierte Flüchtlinge. Das entspricht einer Aufnahmequote im Landesvergleich von etwa 83 Prozent. Das bedeutet, dass weitere 14 Menschen aufgenommen werden können. „Diese Zahlen zeigen, dass bei uns die Lage derzeit relativ entspannt ist, bedenkt man, dass zu Hochzeiten 444 Flüchtlinge zu uns gekommen sind und unterzubringen waren“, erklärte Bürgermeister Kai Hutzenlaub während der jüngsten Ratssitzung. „Viele dieser Personen leben heute noch in Ochtrup, haben allerdings bereits Arbeit aufgenommen beziehungsweise sind aus dem Asylverfahren ausgeschieden.“

Der Verwaltungschef rechnet mit weiteren Zuweisungen und versichert, dass die Stadt darauf vorbereitet sei. Die Wohnanlagen am Schulzentrum wiesen Kapazitäten auf und einige Wohnungen in den Innenstadt seien frei oder könnten zur Verfügung gestellt werden.

Engagement zeigen

Die Stadtverwaltung scheint für die zu erwartende, unmittelbare Zukunft also gerüstet. Schründer und Moggert rufen jedoch auch den Bürger auf, aktiv zu werden: „Jeder von uns sollte überlegen, was er in seinem Bereich tun kann, damit wir uns nicht schämen müssen, Bürger Europas zu sein.“ Sie laden ein, sich in politischen Gremien und Organisationen zu engagieren, bei uns lebende geflüchtete Menschen zu unterstützen und Hass und Hetze entschieden entgegenzutreten.

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