Coronavirus: Kirchengemeinden versuchen den Kontakt zu halten
Gottesdienst aus der Konserve

Ochtrup -

Das Coronavirus hat auch die beiden Kirchengemeinden in Ochtrup fest in seinem Griff. Alle Gottesdienste wurden abgesagt. Die Kirchen sollen aber für das persönliche Gebet geöffnet bleiben. Pfarrerin Imke Philipps und Pfarrer Stefan Hörstrup wollen mit den Gläubigen im Kontakt bleiben – auch wenn dieser sich derzeit auf die digitale oder telefonische Ebene beschränkt.

Dienstag, 17.03.2020, 06:23 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 15:00 Uhr
Ein Schild weist seit Sonntag die Gläubigen an der Langenhorster Stiftskirche darauf hin, dass Gottesdienste bis zu den Osterferien ausfallen werden. Mittlerweile gilt diese Regelung schon bis zum 19. April.
Ein Schild weist seit Sonntag die Gläubigen an der Langenhorster Stiftskirche darauf hin, dass Gottesdienste bis zu den Osterferien ausfallen werden. Mittlerweile gilt diese Regelung schon bis zum 19. April. Foto: Anne Steven

Für Stefan Hörstrup ist die Situation irgendwie noch ganz surreal. „Man fühlt sich wie im Traum“, hat der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Lambertus festgestellt. Pfarrerin Imke Philipps von der evangelischen Kirchengemeinde geht es nicht anders. Für beide war es eine heftige Nachricht, als Bistum und Kirchenkreis am Wochenende auch sämtliche Gottesdienste aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus absagten.

Für Stefan Hörstrup ist die Situation irgendwie noch ganz surreal. „Man fühlt sich wie im Traum“, hat der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Lambertus festgestellt. Pfarrerin Imke Philipps von der evangelischen Kirchengemeinde geht es nicht anders. Für beide war es eine heftige Nachricht, als Bistum und Kirchenkreis am Wochenende auch sämtliche Gottesdienste aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus absagten.

Absagen

Zu diesem Zeitpunkt hatte Stefan Hörstrup die Planungen für die Gottesdienste bereits mehrfach über den Haufen geworfen und umgestrickt. Dann kam am Samstagnachmittag doch die Absage. Etwas länger dauerte es beim Bistum, bis es Anweisen für den Umgang mit Beerdigungen herausgab. Die folgten erst am Montag. Imke Philipps bekam vom Kirchenkreis relativ zügig konkrete Anweisungen. Beisetzungen sollten demnach nur noch mit den engsten Angehörigen und möglichst am Grab stattfinden.

Ein würdevoller Abschied muss möglich sein.

Imke Philipps

Ähnlich sind die Vorgaben in der katholischen Kirche. Dort sind maximal 20 Personen erlaubt. „Mir ist wichtig, dass es immer noch eine Feier ist“, betont Stefan Hörstrup. Auf keinen Fall dürfe eine Beisetzung zum „Verscharren“ mutieren. „Ein würdevoller Abschied muss möglich sein“, stimmt Imke Philipps ihm zu.

Bei den Angehörigen stießen sie bislang immer auf Verständnis für diese Vorgehensweise. Obwohl es natürlich für die Familien schlimm sei, einen Verstorbenen auf diese Art zu verabschieden. „Es ist schon so, dass man mehr denn je gebraucht wird, aber auf eine andere Art“, hat Stefan Hörstrup festgestellt. Die Gedanken kreisten und „jeder hat im Moment eine Frage, mit der er sich beschäftigt“, ergänzt Imke Philipps.

Die Vertreter der beiden Kirchengemeinden müssen den persönlichen Kontakt mit ihren Schäflein auf ein Minimum reduzieren und trotzdem wollen sie für die Menschen da sein, ihnen geistigen Beistand bieten. So bleiben die Kirchen für das persönliche Gebet geöffnet. Auch die Geistlichen sind telefonisch erreichbar, ebenso wie das Sozialbüro „Das offene Ohr“.

Pfarrerin Imke Philipps und Pfarrer Stefan Hörstrup empfinden die aktuelle Situation als surreal.

Pfarrerin Imke Philipps und Pfarrer Stefan Hörstrup empfinden die aktuelle Situation als surreal. Foto: Irmgard Tappe

Imke Philipps überlegt, alleinstehende Gemeindeglieder anzurufen und sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. Und die Pfarrei St. Lambertus plant, kleine Impulstexte auszulegen. „Sozusagen ein Wortgottesdienst für daheim“, umschreibt Hörstrup das Prinzip. Schließlich die große Idee, Gottesdienste als Online-Stream anzubieten. „Das müssen wir aber noch mal technisch ausprobieren“, will der Pfarrer nichts versprechen.

Neue Ideen

Imke Philipps hatte Ähnliches im Sinn, als sie am Samstag spontan ein paar Worte und ein Gebet auf Video aufnahm und den Gläubigen online zur Verfügung stellte. Die Idee sei aus dem Presbyterium an sie herangetragen worden. Philipps kann sich den „Gottesdienst aus der Konserve“, wie Hörstrup die Aufnahme schmunzelnd nennt, als Mini-Format auch am Wochenende vorstellen. Für Hörstrup wäre es ebenfalls eine Variante B, falls ein Live-Stream nicht klappen sollte. „Damit signalisieren wir, dass wir in Kontakt mit den Menschen bleiben. Mehr geht im Moment nicht“, weiß die Pfarrerin. Die beiden Geistlichen wollen aber auch im Gebet für die Gläubigen da sein. So werden stellvertretend Gottesdienste ohne Publikum gefeiert.

Die Verantwortung sei deutlich zu spüren, findet Imke Philipps. Sie weiß, dass sie gebraucht werden. So sei auch der tiefe Wunsch begründet, handlungsfähig zu bleiben. Christen stünden in diesen Tagen vor der Frage, wie Gemeinschaft aussehen könne. Es gelte, neue Gedanken zu fassen und den Glauben auf andere Art auszudrücken. Stefan Hörstrup etwa hat die Tradition des Stundengebets wieder für sich entdeckt. Der Gedanke, Menschen an unterschiedlichen Orten auf diese Weise zu verbinden, sei uralt und sehr schön.

Taufe, Trauungen und Kommunikation

Laut einer Mitteilung des Bistums Münster sind Taufen und Trauungen, sofern nicht zu verschieben, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und ohne Ministranten, ausschließlich im engsten Familienkreis (in NRW bis zu 20 Personen) – unter Beachtung der notwendigen Hygienevorschriften – weiter möglich. Die Pfarrbüros in Langenhorst und Welbergen werden, so Pfarrer Stefan Hörstrup, vorerst geschlossen. Das Pfarrbüro in Och­trup bleibt hingegen besetzt. Nach Möglichkeit soll vorwiegend auf telefonische und digitale Kommunikation umgestellt werden. Letzteres gilt auch für das Gemeindebüro der evangelischen Kirchengemeinde. www.evangelisch-in-  ochtrup.de www.lambertus-ochtrup

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