Corona: Viel Unterstützung für „Risikogruppe“
Digitales Hilfsnetzwerk für Ochtrup

Ochtrup -

In Krisenzeiten rücken Menschen zusammen. Aktuell nicht räumlich, da dies nicht empfohlen oder gar untersagt wird, sondern bildlich gesprochen und digital. In der vergangenen Woche wurde in den sozialen Medien unter dem Hashtag #Nachbarschaftschallenge eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst, die mittlerweile auch Ochtrup erreicht hat.

Mittwoch, 18.03.2020, 19:10 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 11:48 Uhr
Die Welle der Solidarität in Ochtrup ist in Zeiten der Corona-Krise groß. Mehrere Gruppierungen und auch Privatleute bieten bedürftigen Menschen ihre Hilfe an.
Die Welle der Solidarität in Ochtrup ist in Zeiten der Corona-Krise groß. Mehrere Gruppierungen und auch Privatleute bieten bedürftigen Menschen ihre Hilfe an. Foto: Alex Piccin/Anne Steven/Montage: Lisa Stetzkamp

Der Ursprung dieser Aktion ist wohl in Wien anzusiedeln. Im Treppenhaus wurde ein Zettel aufgehangen. Auf dem stand zu lesen, dass Menschen, die eine Immunkrankheit beziehungsweise ein geschwächtes Immunsystem haben oder über 65 Jahre alt sind, sich eintragen können. Der Nachbar würde sich um die Besorgungen aus dem Supermarkt oder der Apotheke kümmern, damit die gefährdete Person sich nicht an potenziell riskante Orte begeben muss.

Die Ochtruperin Sarah Lahrkamp hat eine ähnliche Aktion in Coesfeld gesehen und sich überlegt, das auf die Töpferstadt zu projizieren. Sie gründete eine Whats­App-Gruppe, die in wenigen Tagen auf 200 Mitglieder angewachsen ist. Tomas Franger kümmert sich um das Pendant „Corona- Hilfe Ochtrup“ auf Facebook. Dort sind etwa 500 Nutzer aktiv.

Wie ältere Menschen erreichen?

„Es soll also ein unbürokratisches Portal für Hilfesuchende und Hilfeleistende sein. Wir haben nicht geahnt, dass uns die Bude so eingerannt wird“, erklärt Lahrkamp. Es seien bereits sehr viele Hilfsangebote eingegangen. Nur – wie sollen die bedürftigen Personen tatsächlich erreicht werden. „Ältere Menschen haben in der Regel keinen Facebook-Account oder WhatsApp“, hat auch die Initiatorin erkannt.

Sie steht daher mit der Stadtverwaltung in Kontakt. Der Kreis Steinfurt hat eine Spontanhelferaktion gestartet – hier besonders für den medizinischen Bereich –, die Stadt Ochtrup übernimmt die örtliche Aufgabe. Hilfsangebote könnten so gegenseitig weitergereicht und Synergieeffekte genutzt werden. „Es ist unsere Verpflichtung, die Versorgung der Bedürftigen zu sichern“, sagt Bürgermeister Kai Hutzenlaub .

Es ist unsere Verpflichtung, die Versorgung der Bedürftigen zu sichern.

Kai Hutzenlaub

Die Verwaltung hat zu diesem Zweck eine Corona-Hilfe-Plattform eingerichtet, um die Hilfsanfragen und -angebote zu koordinieren. Das geschieht über die Och­trup Stadtmarketing und Touristik GmbH (OST). Diese passe aktuell gut in den Auftrag, da touristisch momentan nicht viel zu machen sei. Gegebenenfalls werde das Personal durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung aufgestockt, so Hutzenlaub.

Um sich als Helfer anzubieten, kann ein Formular ausgefüllt werden, das auf den Homepages der Stadt und der OST zu finden ist. Die Corona-Hilfe Ochtrup ist unter der Telefonnummer 01 60 / 92 02 35 34 oder per E-Mail an touristinfo@och­trup.de zu erreichen. Hilfeleistungen können beispielsweise Einkäufe wie auch Gassi-Gänge mit dem Hund sein. An dieser Aktion beteiligt sich auch der FSV Och­trup.

„Gerne können sich auch schon bestehende Hilfsnetzwerke in Ochtrup an uns wenden, dann können wir die gesammelten Daten in ein einheitliches System überführen“, so der Bürgermeister.

Mehrere Gruppierungen helfen

Wie berichtet haben auch andere Organisationen Hilfsaktionen auf die Beine gestellt. So bieten der Ortsverein Ochtrup des DRK und die kfd St. Marien ihren (Förder-) Mitgliedern Hilfe beim Einkauf an. Die evangelische Kirchengemeinde und St. Lambertus sind ökumenisch unterwegs.

„Gemeinsam wollen wir den Risikogruppen für eine Ansteckung mit dem Coronavirus eine Hilfe anbieten, Einkäufe zu erledigen oder dringende Besorgungen bei der Apotheke zu machen“, erläutert Pfarrer Stefan Hörstrup in einer Pressemitteilung. Die Jugendgruppen der Messdienergruppenleiter, KjG und die Landjugend sowie Jugendliche der evangelischen Gemeinde bieten Hilfesuchenden ihre Unterstützung an.

Passendes Kleingeld

Sie übernehmen die Einkäufe in Lebensmittelgeschäften und Apotheken bis zu einem Warenwert von 30 Euro. Abgerechnet wird bei der Abgabe des Einkaufs gegen die Einkaufsquittung. Um bei der Geldübergabe keine unnötigen Kontakte zu haben, wird der Betrag vor der Auslieferung telefonisch durchgegeben und gebeten, diesen passend zur Hand zu haben. Das Pfarrbüro St. Lambertus (0 25 53 / 97 15 10) und Pfarrerin Imke Philipps (0 25 53 / 12 02) koordinieren das Angebot.

Der von Sarah Lahrkamp gegründeten WhatsApp-Gruppe können Interessierte mit ihrem Smartphone über folgenden Link beitreten: chat.whatsapp.com/K7f5LdNgL6dC9ijqjvvDMv

Weitere Links:

Corona-Hilfe Gruppe auf facebook

www.ochtrup.de

www.touristinfo.ochtrup.de

www.drk-ov-ochtrup.de

www.kfd-ochtrup.de/st-marien-ochtrup

www.lambertus-ochtrup.de

evangelisch-in-ochtrup.de

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