Corona: Situation im Einzelhandel
Nur schwer auszuhalten

Ochtrup -

Die Türen sind geschlossen, die Lichter aus. Seit Mittwoch müssen auch Ochtrups Einzelhändler ihre Geschäfte geschlossen halten. Diese jüngsten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus treffen die Geschäftsleute hart.

Freitag, 20.03.2020, 18:41 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 18:44 Uhr
Das Coronavirus lähmt den Einzelhandel. Die Kaufleute versuchen, den Kontakt zum Kunden zu halten. So sind Bestellungen online oder telefonisch in vielen Fällen möglich – wie etwa im Modehaus Huesmann.
Das Coronavirus lähmt den Einzelhandel. Die Kaufleute versuchen, den Kontakt zum Kunden zu halten. So sind Bestellungen online oder telefonisch in vielen Fällen möglich – wie etwa im Modehaus Huesmann. Foto: Anne Steven

Die Türen sind geschlossen, die Lichter aus. Seit Mittwoch müssen auch Ochtrups Einzelhändler ihre Geschäfte geschlossen halten. Diese jüngsten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus treffen die Geschäftsleute hart.

„Die Situation ist bei uns angespannt“, berichtet etwa Alexander Huesmann vom gleichnamigen Modehaus. Sein oberstes Ziel sei jetzt, in Kontakt zum Kunden zu kommen – ohne, dass dieser das Geschäft betritt. Dafür gilt es, neue Wege zu suchen oder schon vorhandene Ideen auszuweiten.

Ausnahmeregelung für Lieferdienste und Drive-In

Die Ausnahmeregelung für Lieferdienste und Drive-In ist so eine Möglichkeit. Denn, wenn Kunden ihre Ware bestellen und im Geschäft abholen oder sie ihnen nach Hause geliefert wird, steht einem Handel nichts im Wege – selbstverständlich unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften. Auf diesen Zug versuchen derzeit viele Einzelhändler aufzuspringen. Alexander Huesmann etwa hat für seine Kunden einen Liefer- und Abholservice eingerichtet. Er sieht diesen Service auch unter dem Wohlfühlfaktor. „Gerade im Frühjahr freut man sich auf neue Mode“, weiß er aus Erfahrung. Und wer sich freut, der wird nicht so schnell krank. Abgesehen davon, stehe auch für seine Mitarbeiter die Kurzarbeit ins Haus. „Den März können wir aber noch abfedern“, betont Huesmann.

Was ist erlaubt, was nicht?

Bei Tanja Steffers ging es erst einmal darum, die Lage zu klären und zu erfahren, was ist erlaubt, was nicht? Denn in ihrem Geschäft an der Bahnhofstraße werden neben Büchern und Bürobedarf auch Tabakwaren angeboten. Zudem ist eine Lotto-Annahmestelle integriert. Für die unterschiedlichen Ladenbereiche existieren unterschiedliche Anordnungen. Diese gilt es, unter einen Hut zu bringen.

Für Tanja Steffes steht die Gesundheit an erster Stelle. „Das Wichtigste ist jetzt, dass alle gesund bleiben“, betont die Geschäftsfrau. Sie muss sich nun auch mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigen. Natürlich sei das ein Einschnitt, aber da der Laden zu sei, kämen eben auch keine Einnahmen rein. Sie hat ihren Mitarbeitern angeboten, ihren Urlaub vorzuziehen.

Und soweit möglich, versuche auch sie, den Service für ihre Kunden aufrecht zu erhalten. Bücher, Bürobedarf, aber auch in Teilen Schulbedarf können online oder telefonisch bestellt werden. Der Bereich Lotto, Tabak und Tageszeitung ist geschlossen.

Jetzt schlägt die Stunde der Kunden

Grundsätzlich findet die Geschäftsfrau aber, dass nun auch die Kunden gefragt sind. Sie hätten nun die Möglichkeit, dem Einzelhandel vor Ort den Rücken zu stärken. Schließlich habe die Branche auch ohne das Coronavirus genug zu kämpfen. „Viele Kunden verhalten sich aber wirklich toll“, freut sie sich über jede Bestellung.

Auch der Blumenladen von Heike Grave an der Bentheimer Straße ist seit Mittwoch geschlossen. „Es ist schwer für einen kleinen Betrieb, so etwas auszuhalten“, weiß die Floristin. Sie hält ein kleines Programm an Schnittblumen für ihre Kunden vor. Telefonische Bestellungen können auch dort an der Hintertür abgeholt werden. Und wie alle ihre Floristen-Kollegen hofft sie, dass die Menschen sich auch in Zeiten des Coronavirus Blumen schenken oder sich an einem Frühlingsstrauß auf dem Tisch erfreuen möchten. Was Heike Grave am meisten zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass sie nicht weiß, wie lange die Situation anhält. „Der Mai ist unser stärkster Monat“ sagt sie. Eine Hochzeit im April sei nun schon abgesagt worden. „Es ist alles eine Frage der Zeit.“

Die Krise bewältigen – irgendwie

Im Reisebüro von Kathrin Krimpmann und Ute Pont, das seit Dienstag für den Publikumsverkehr geschlossen ist, laufen derzeit die Drähte heiß. Die Mitarbeiter seien hauptsächlich damit beschäftigt, Reisen zu stornieren beziehungsweise umzubuchen. Letzteres sei ihr natürlich deutlich lieber, gesteht Kathrin Krimpmann. Doch der wirtschaftliche Aspekt müsse gerade erst einmal zweitrangig sein. Vielmehr gelte es, die Krise irgendwie zu bewältigen, um dann irgendwann wieder Urlaubsträume wahr machen zu können, blickt sie trotz allem nach vorne.

Neue Allgemeinverfügung der Stadt Ochtrup

Nicht von den Schließungen durch den Erlass des Landes betroffen waren ursprünglich Friseursalons. Und dort war bis Freitag jede Menge los, wie Wolfgang Fontein vom gleichnamigen Salon an der Niedereschstraße berichtete. „Das Telefon steht nicht still.“ Eine Schließung stand bei ihnen zur Debatte, doch das Geschäft sei ihre Existenz, war Wolfgang Fontein am Donnerstag noch unschlüssig. Seine Hoffnung: Die Behörden könnten ein Einsehen haben und auch Friseursalons schließen.Am Freitagnachmittag kam dann die neue Allgemeinverfügung. Auch Friseursalons sowie Gartencenter und Baumärkte müssen schließen. Susanne Dorsten war dieser Verfügung am Freitagmorgen bereits einen Schritt voraus. „Ich kann das nicht mehr verantworten“, nahm sie die Schließung ihres Salons zunächst auf die eigene Kappe. Ihre Mitarbeiter schickte sie in die Kurzarbeit. Wie auch Wolfgang Fontein konnte sie die Begründung für eine weitere Öffnung der Salons nicht nachvollziehen. Friseure seien zwar Handwerker, gehörten aber doch zur Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.Die Stadt Ochtrup habe eine Entscheidung des Kreises abwarten müssen, so Bürgermeister Kai Hutzenlaub. Da Friseure in der Allgemeinverfügung explizit erwähnt wurden, müsse der Kreis eine Änderung vornehmen. -stev-

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Kommentar: Mit dem Rücken zur Wand

Ochtrups Einzelhändler tun, was sie immer tun: handeln. Auch in Krisenzeiten versuchen sie, nah an den Kunden zu bleiben und ihnen Leistungen und Service anzubieten. Die Lösungen sind mitunter äußerst kreativ. Keine Frage: Oberste Bürgerpflicht ist jetzt, alles dafür zu tun, eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Das heißt: Zu Hause bleiben!Doch wer dringend etwas benötigt, sollte telefonisch oder per E-Mail Kontakt zum örtlichen Einzelhandel aufnehmen, statt irgendwo im Internet zu bestellen. Denn die Ochtruper Geschäftsleute haben Unterstützung gerade dringend nötig, stehen sie doch nicht nur unter Druck, sondern mit dem Rücken zur Wand. stev

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