Coronavirus: Apotheken setzen auf Abstand
Trainingsphase für die Kundschaft

Ochtrup -

Die Apotheken der Stadt passen sich an die Corona-Krise an. Abstandsregelungen und Plexiglas-Scheiben auf den Verkaufsschaltern sollen die Mitarbeiter schützen. Doch auch im Arbeitsalltag hat sich viel geändert. So werden etwa Desinfektionsmittel selber hergestellt.

Sonntag, 22.03.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 13:12 Uhr
In der Stüwwenkopp-Apotheke wurden Plexiglasscheiben aufgestellt, um die Mitarbeiter um Leiterin Lisa Wenninghoff zu schützen. Fußabdrücke (rundes Foto) zeigen Kunden an, wie viel Abstand sie halten sollen.
In der Stüwwenkopp-Apotheke wurden Plexiglasscheiben aufgestellt, um die Mitarbeiter um Leiterin Lisa Wenninghoff zu schützen. Fußabdrücke (rundes Foto) zeigen Kunden an, wie viel Abstand sie halten sollen.

„Bitte treten Sie einen Schritt zurück“, freundlich, aber bestimmt weist die Mitarbeiterin in der Stüwwenkopp-Apotheke den älteren Herrn, der gerade die Räumlichkeiten am Marktplatz betreten hat, auf die neuen Verhaltensregeln hin. Maximal drei Personen dürfen derzeit den Verkaufsraum gleichzeitig betreten. Und sie müssen reichlich Abstand halten – gegenüber den Mitarbeitern der Apotheke, aber auch zu anderen Kunden.

„Es gibt viel zu tun“, meint Leiterin Lisa Wenninghoff . Und ihre Kollegin von der Lamberti-Apotheke, Jutta Vokery, ergänzt: „Sehr viel.“ Was die Menschen kaufen, sind vornehmlich Medikamente, die sie dauerhaft einnehmen, wie etwa Blutdruckmittel. Ebenfalls gefragt sind Fieberthermometer. Allerdings gibt es hier nur noch ganz einfache zu kaufen. Solche, die die Temperatur auf der Stirn oder im Ohr messen, sind schon länger ausverkauft. Letzteres gilt auch für Mundschutz und Desinfektionsmittel. Zwar haben die Apotheken mittlerweile die Erlaubnis, dieses selbst herzustellen, jedoch fehlt es an Zutaten. „Es ist ein echter Kraftakt, die Grundstoffe zu bekommen“, weiß Lisa Wenninghoff. An die Herstellung größerer Mengen sei da gar nicht zu denken. „Und dann muss man ganz genau gucken, wer etwas bekommt“, denkt Jutta Volkery schon weiter. Schließlich müssen auch Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegedienste und andere Einrichtungen versorgt werden.

Doch viel wichtiger sei jetzt, dass die Menschen zuhause bleiben, appellieren die beiden an die Ochtruper, die eigenen vier Wände möglichst nicht zu verlassen. Wenn der Gang in Geschäfte nicht zu vermeiden sei, raten sie dringend, sich an die vor Ort vorgeschriebenen Regeln zu halten. „Wir üben das hier noch mit unseren Kunden“, weiß Lisa Wenninghoff, dass die Vorgaben für viele Menschen neu sind und das Verhalten erst antrainiert werden muss. Die meisten Ochtruper seien aber sehr verständig. „Und ein bisschen Zeit zum üben bleibt uns ja noch“, ist die Apotheken-Leiterin zuversichtlich.

Um ihre Mitarbeiter vor Tröpfcheninfektionen zu schützen, wurden an den Verkaufsschaltern Plexiglasscheiben installiert. Die Mitarbeiter tragen zudem Handschuhe. Sämtliche Flächen aber zum Beispiel auch das Karten-Lesegerät werden regelmäßig desinfiziert. Das wird in allen anderen Ochtruper Apotheken so oder so ähnlich gehandhabt. Bargeldloses Zahlen wird derzeit bevorzugt. In der Apotheke wird, wie auch in der Stadtverwaltung, im Schichtsystem gearbeitet. Mittags bleibt das Geschäft eine Stunde geschlossen. Dann wird desinfiziert.

Medikamente hamstern ist indes nicht notwendig. „Es muss niemand Not haben“, betont Lisa Wenninghoff. Sie und Jutta Volkery empfehlen aber, ein paar Standardmittel auf jeden Fall in der Hausapotheke vorzuhalten. „Allein schon, um im Krankheitsfall nicht ausrücken zu müssen“, betont Jutta Volkery. Denn auch damit schütze man andere Menschen vor Ansteckung.

In der Stüwwenkopp- wie auch in der Lamberti- und in den anderen Apotheken der Töpferstadt schlägt derzeit die Stunde des Botendienstes. Per Telefon oder online können die Kunden ihre Medikamente bestellen und bekommen sie dann direkt bis an die Haustür geliefert. „Das Geld kann überwiesen werden“, möchte Lisa Wenninghoff aber auch ihre Boten vor Ansteckung schützen. Sie und Jutta Volkery appellieren an die Ochtruper, diesen Service überall und soweit möglich zu nutzen. Auch bei Standardmedikamenten arbeiteten sämtliche Apotheken eng mit den Arztpraxen zusammen, so dass beispielsweise für das Nachbestellen von Blutdruck- oder Schilddrüsenmedikamenten in der Regel kein persönliches Erscheinen in der Arztpraxis und der Apotheke notwendig sei. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit mache eben die Apotheke vor Ort aus, die übrigens, was die Lieferzeiten von bestellten Medikamenten angeht, locker mit Online-Apotheken mithalten könne.

An den Wochenenden gilt weiter der reguläre Notdienstplan der Apotheken. Die Öffnungszeiten sind von der Kammer aber freigegeben. So plant die Markt-Apotheke etwa ab dem 29. März, wenn keine Apotheke in Ochtrup regulären Notdienst hat, sonntags von 15 bis 17 Uhr zu öffnen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7338552?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Nachrichten-Ticker