Lernen trotz Corona: Digitaler Unterricht an der Realschule
750 Schüler lernen zeitgleich online

Ochtrup -

Seit drei Wochen sind die Schulen auch in Ochtrup geschlossen. Gelernt wird aber trotzdem. An der Realschule funktioniert das bisher ganz gut, berichtet Schulleiterin Doris Nollen Kuhlbusch im Gespräch mit den WN.

Donnerstag, 02.04.2020, 05:47 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 18:05 Uhr
Seit drei Wochen sind die Schulen in Ochtrup geschlossen. Gelernt wird trotzdem, zum Beispiel an der Realschule.
Seit drei Wochen sind die Schulen in Ochtrup geschlossen. Gelernt wird trotzdem, zum Beispiel an der Realschule. Foto: Anne Eckrodt

Die Realschule in Ochtrup hat derzeit etwa 920 Schüler. Am Mittwochmorgen waren 750 der Mädchen und Jungen auf der Online-Plattform „365“ angemeldet und erledigten ihre Aufgaben. „Das ist schon toll“, freut sich Schulleiterin Doris Nollen Kuhlbusch über diese gute Quote. Seit drei Wochen sind die Schulen mittlerweile geschlossen. Der Unterricht geht aber trotzdem weiter – nur ganz anders als sonst.

Der Sprung ins kalte Wasser

Doris Nollen Kuhlbusch bemüht den Vergleich des Sprungs ins kalte Wasser, wenn sie über das digitale Arbeiten an ihrer Schule spricht. Die Plattform „365“ (Iserv ist an der Realschule noch nicht installiert) ist schon länger eingerichtet, bisher hätten die Kollegen allerdings wenig damit gearbeitet. „Ich auch nicht“, gibt die Schulleiterin offen zu und spricht von einer „gewissen Hemmschwelle“. Doch mit der Schließung der Schulen blieben ihr und den Kollegen gar keine Wahl. Doris Nollen Kuhlbusch sieht das aber positiv. Nun habe man das System endlich auch in der Praxis getestet und könne an entsprechender Stelle nachsteuern. So zum Beispiel bei den Fünftklässlern, die bislang in der Handhabung noch nicht geschult worden waren, was anfangs für Schwierigkeiten sorgte. „Da müssen wir klare Strukturen schaffen“, nimmt Doris Nollen Kuhlbusch einige Aspekte aus dieser Testphase mit. „Es ist zudem ein probates Mittel zum Beispiel wenn Schüler oder auch Lehrer erkrankt sind.“ Das Bereitstellen von Aufgaben sei so deutlich einfacher.

Nicht jedem Kollegen falle indes diese neue Art des Arbeitens leicht. „Und das hat nichts mit dem Alter zu tun“, betont die Schulleiterin. Bestes Beispiel: Carsjen van Schwartzenberg. Der Kollege, der eigentlich schon in den Ruhestand gehen könnte, wenn er denn wollte, kümmert sich um die gesamte Technik. „Er hat alles eingerichtet, verloren gegangene Passwörter wieder aufgetrieben und, und und“, berichtet Doris Nollen Kuhlbusch vom Einsatz des Kollegen. Überhaupt ist sie begeistert, wie gut die Schulgemeinschaft – inklusive der beiden Sekretärinnen und des Hausmeister – funktioniere.

Mehr Arbeit als sonst

Lehrer Malte Vonnegut arbeitet derzeit von zuhause aus.

Lehrer Malte Vonnegut arbeitet derzeit von zuhause aus. Foto: Foto: privat

Und wie ist das Arbeiten so ganz ohne den Schülern vis-à-vis gegenüber zu stehen? „Es ist deutlich schwerer, etwas zu erklären“, hat die Schulleiterin für sich festgestellt. Und: „Wir arbeiten mehr als sonst. Man kann Personen digital nicht ersetzten.“ Wer denke, Lehrer würden in Zeiten wie diesen morgens einen Zettel mit Aufgaben online stellen und sich dann in die Hängematte verabschieden, liege falsch. Auch Doris Nollen Kuhlbusch spürt „einen latenten Druck, zu beweisen, dass man arbeitet“. Neben der Zusammenstellung von Aufgaben für die Schüler, müssen unter anderem Erklär-Videos gedreht werden, telefonische Fragen sowie E-Mails beantwortet werden. Schließlich sollen die Schüler auch in dieser Krisenzeit etwas lernen. „Daran ist den Lehrkräften gelegen“, stellt Doris Nollen Kuhlbusch klar.

Nebenbei nutzt ihre Mannschaft die Zeit, um Lehrpläne und Konzepte zu überarbeiten. Alle hoffen, dass nach den Osterferien der Schulbetrieb wieder weiter geht. Auch dafür hat Doris Nollen Kuhlbusch bereits Pläne in der Schublade. Zu welchem Zeitpunkt etwa die ursprünglich für Mitte Mai geplanten zentralen Abschlussprüfungen der Zehntklässler stattfinden werden, kann sie noch nicht sagen. Sie erwartet am heutigen Freitag Neuigkeiten aus dem Schulministerium.

Lehrerin Marie Hildebrandt im heimischen Arbeitszimmer

Lehrerin Marie Hildebrandt im heimischen Arbeitszimmer Foto: Foto: Timo Hildebrandt

Unabhängig davon, ob nach den Ferien, die am Montag (6. April) beginnen, die Schulen wieder öffnen oder nicht, bittet die Schulleiterin die Eltern darum, die Ferien auch als solche zu betrachten. Denn: „Die Schüler haben bisher gut gearbeitet. Sie brauchen jetzt Entspannung.“ Das gelte im Übrigen auch für die Lehrer.

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