Briefe für Bürgerhilfe-Bewohner
Isolation erreicht „traurigen Tiefpunkt“

Ochtrup/Nordhorn -

„Die Verantwortung, die wir als junge Generation für unsere Großeltern haben, war noch nie so groß wie heute.“ Aus diesem Grund haben Philipp Hein und Florian Wünsche die Aktion „Papier & Stift“ ins Leben gerufen.

Freitag, 24.04.2020, 07:25 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 08:36 Uhr
Briefe schreiben im digitalen Zeitalter? Ja! Die Initiatoren der Aktion „Stift & Papier“ freuen sich riesig, dass ihre Idee bundesweit einen Nerv getroffen hat.
Briefe schreiben im digitalen Zeitalter? Ja! Die Initiatoren der Aktion „Stift & Papier“ freuen sich riesig, dass ihre Idee bundesweit einen Nerv getroffen hat. Foto: Stift & Papier

„Wir gemeinsam gegen soziale Vereinsamung“: Mit diesem Motto möchte die Aktion „Stift & Papier“ alle Generationen über das Schreiben von Briefen wieder miteinander verbinden. „Viele Menschen in Deutschland sowie in anderen Teilen dieser Welt können aufgrund ihres Alters, von Krankheiten oder anderen Einschränkungen am ,normalen Leben‘ nicht mehr teilnehmen“, heißt es in einem Pressebericht. Besonders durch die erlassenen Kontaktverbote in sozialen Wohneinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen erreiche die Isolation vor allem für die ältere Generation „einen traurigen Tiefpunkt“. Über 2000 neue Brieffreundschaften zwischen den Generationen hat die Aktion „Stift & Papier“ nach eigenen Angaben bereits vermittelt.

Ochtrup ist dabei

Auch Ochtrup ist dabei: In der Seniorenwohnanlage „Bürgerhilfe Atriumhaus“ an der Brookstraße sind es vier Bewohnerinnen, die sich in den nächsten Tagen auf Post freuen können. Der Bürgerhilfe Landesverband Niedersachsen ist mit den Einrichtungen in der Grafschaft, im Emsland, in Ostfriesland, im Großraum Hannover sowie in Nordrhein-Westfalen Teilnehmer der Aktion. In den nächsten Wochen werden sich viele Bewohnerinnen und Bewohner über nette Zeilen aus dem gesamten Bundesgebiet freuen – darunter die Bewohnerinnen des Atriumhauses.

Verantwortung für Großeltern

„Stift & Papier ist als Aufforderung zu verstehen“, werden Philipp Hein und Florian Wünsche , die gemeinsam mit weiteren Mitstreitern Mitte März die Aktion ins Leben gerufen haben, zitiert. „Die Verantwortung, die wir als junge Generation für unsere Großeltern haben, war noch nie so groß wie heute.“ Florian Wünsche: „Es geht auf der einen Seite um den Schutz der Gesundheit, aber auf der anderen Seite vor allem auch um Menschlichkeit und Zuneigung. Nach einer Aktion, die wir für die 99-jährige Galopp-Legende Hein Bollow, der in Köln-Weidenpesch in einem Seniorenwohnheim lebt, gestartet haben, sind wir von Anfragen überrannt worden. Es wollten unzählige Menschen einen Brief an Hein Bollow schreiben.“ „Aus dieser Erfahrung haben wir kurz danach die Aktion Stift & Papier abgeleitet – und wir hoffen, dass wir in der Gesellschaft einen Nerv treffen und eine Initiative in Gang setzen,“ ergänzt Philipp Hein, der eigentlich Geschäftsführer der Kölner Galopprennbahn ist.

Digitale Kommunikation

Die digitale Kommunikation binfo@emstv.deeg leitet Daniel Goihl, Geschäftsführer der Kölner Social-Media-Agentur und Produktionsfirma TACSY, der innerhalb weniger Tage eine Plattform entwickelt hat, auf der sich Menschen melden können, die Briefe schreiben möchten. Innerhalb der ersten zehn Tage haben sich bereits über 6500 Menschen dort registriert. „Unser Team hat auf der anderen Seite den direkten Kontakt zu den Einrichtungen, und wir verbinden ein paar Tage nach der Anmeldung die Brieffreunde per Mail miteinander.“

Auf Instagram haben sich bereits über 4500 Follower der Seite @einstiftundpapier angeschlossen. Die Pflege der Kanäle übernimmt die Agentur AIMS Management von Ilia Shayesteh, der täglich mehrere 100 Nachrichten aus ganz Deutschland und sogar Österreich und der Schweiz erhält.

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