Ochtruperinnen im Welbergener Kreis
Prophetische Allegorien und Luftiges aus Indien

Ochtrup -

Sabine Swoboda und Birgit Kippelt gehören zum Künstlerzirkel „Welbergener Kreis“. Ausgerechnet die Jubiläumsausstellung der Gruppe zum 50-jährigen Bestehen fiel bislang den Corona-Regelungen zum Opfer. Jetzt ist sie wieder geöffnet und noch bis Sonntag zu sehen.

Montag, 18.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 14:40 Uhr
Sabine Swoboda (l.) und
Sabine Swoboda (l.) und Foto: Dieter Huge sive Huwe

Brotlos wird Kunst bisweilen tituliert. Damit, wenn auch nicht davon, können fast alle Künstler leben. Doch betrachterlos zu sein, wie die Kunst in der zurückliegenden Zeit der Corona-Pandemie zwangsweise sein musste, ist ein Umstand, der die Produzenten jener Kunst umtreibt. So auch 29 Künstler des Welbergener Kreises, die just in diesem März, in der das Virus ihnen gehörig dazwischenfunkte, die Vernissage zu ihrer Jubiläumsausstellung terminierten. Die Ausstellung im Hörsteler Kloster Gravenhorst anlässlich des 50-jährigen Bestehens wurde geschlossen, Installationen standen allein im Klostergebäude, Bilder hingen ungesehen an den Wänden.

Betroffen von der Schließung waren auch die beiden Ochtruper Künstlerinnen Birgit Kippelt und Sabine Swoboda . Beide freuen sich nun, dass die Ausstellung wieder für Besucher geöffnet ist, noch bis zum Sonntag dieser Woche.

Eher unfreiwillig hatte Birgit Kippelt mit ihrer Serie „Persona“ die allenthalbene Maskierung der Menschen vorweggenommen. Die Protagonisten der figurativen Malerei wirken in ihrer pantomimischen Entrücktheit entfremdet, der Hintergrund abgründig dunkel. Eine Serie von vier Bildern die den Status Quo – wenn auch ungewollt – auf den Punkt bringt.

Die allegorischen Darstellungen der Künstlerin demaskieren auf der anderen Seite den Menschen, stellen ihn in seinen Stärken und Schwächen dar – bisweilen schonungslos, wie ein Blick ins Œuvre der Ochtruperin zeigt, die seit sechs Jahren zum Künstlerzirkel gehört.

Bereits seit Jahrzehnten ist Sabine Swoboda Mitglied im Welbergener Kreis, der es sich zum Ziel gemacht hat, bildende Kunst des Münsterlandes zu fördern und den Blickwinkel auf Kunst zu erweitern.

Dass dieser bisweilen schonungslos offen ausfällt, berichtet Swoboda aus den monatlichen Treffen der Künstler im Kötterhaus des Burgsteinfurter Kreislehrgartens. Mitglieder der Runde bringen dabei Werke mit, die einer kritischen Betrachtung standhalten müssen – nichts für zart Besaitete. Doch geht es hier um konstruktive Kritik, an der die Kunst wächst.

Sabine Swoboda hat an vielen dieser Treffen teilgenommen. Die Ochtruperin findet Inspiration für ihre Arbeiten vor allem in Indien, das sie immer wieder bereist. Ausgediente Lebensmittelkartons aus dem örtlichen Einzelhandel sind das Material für ihre Installation „Rememberings“, in der sie Elemente aus der Architektur auf dem Subkontinent aufgreift. Wie die fein ziselierten Fenstergitter Indiens – die so genannten Jalis – das Allerheiligste in Tempeln umschlossen, so schirmen auch die Böden banaler Lebensmittelkisten das Innere der Installation ab und geben doch den Blick frei.

Sabine Swoboda schnitt aus den Kartons figürliche und ornamentale Motive heraus, bildete aus jeweils zwei der Kisten Module, die sie wiederum zur 3,60 Meter großen Installation zusammenfügte.

 

Die Ausstellung „zwanzigzwanzig. 50 Jahre Welbergener Kreis“ ist noch bis zum 25. Mai (Sonntag) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Einen virtuellen Rundgang gibt es auf dem Videoprotal Youtube (Suchmasken-Eingabe: „Welbergener Kreis“).

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