Bürgerbusverein Ochtrup
Neulinge können Zwangspause nutzen

Ochtrup -

Ochtrups Bürgerbus pausiert seit dem Lockdown. Ein Grund: Fahrer und Fahrgäste gehören oftmals der Risikogruppe an. Der Betreiberverein des Angebots rührt deshalb derzeit die Werbetrommel, um auch jüngere Menschen für das freiwillige Engagement hinter dem Lenkrad zu begeistern. Er hofft überdies, dass er sein Angebot ab dem Juli wieder aufnehmen kann.

Donnerstag, 04.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 17:40 Uhr
Der Bürgerbusverein hofft, im Juli wieder Fahrten anbieten zu können.
Der Bürgerbusverein hofft, im Juli wieder Fahrten anbieten zu können. Foto: Sandra Höfting

Seit gut zweineinhalb Monaten hat der weiße Personentransporter mit dem Stern auf dem Kühlergrill Zwangspause. Der Bürgerbus steht still, da Fahrer wie Kundschaft in der Regel zur Corona-Risikogruppe zählt. Der Zeitpunkt ist jetzt eigentlich ideal, um das 26-köpfige Team zu erweitern, werben die Paul Janocha und Hans Wetter als erster und zweiter Vereinsvorsitzender.

„Etwa vier bis sechs Wochen dauert es, bis ein neuer Fahrer sich alleine hinters Steuer setzen kann“, führt Janocha aus. Das passe ganz gut, denn der Bürgerbusverein plant vorsichtig, im Juli die Fahrten wieder aufzunehmen. „Dazu müssen wir aber die weitere Corona-Entwicklung abwarten“, sagt Wetter.

Vor allem jüngere Fahrer hätten die beiden gern in ihrem Team gewusst. Ihnen ist bewusst, dass diese mitten im Berufsleben stehen und womöglich eine junge Familie und damit wenig Zeit haben. Doch die Coronakrise könnte als Chance gesehen werden dafür, dass Menschen, die sich in Kurzarbeit befinden, ihre frei gewordene Zeit so nutzen könnten. Auch für Interessierte im Schichtdienst würden die Verantwortlichen eine passende Tour finden.

Der Bürgerbusverein kümmert sich um alle Formalitäten und beantragt die Bescheinigungen: Eine gesundheitliche Untersuchung inklusive Sehtest, ein polizeiliches Führungszeugnis für den Personenbeförderungsschein, der Besitz eines Führerscheins der Klasse B sowie eine interne Schulung in Theorie und Umgang mit dem Bus sind die Voraussetzungen, die ein Interessent mitbringen muss. Klingt nach viel, sei jedoch bis auf den behördlichen Gang zügig und reibungslos erledigt, versichern die beiden Vorsitzenden.

Wichtig ist Janocha und Wetter, dass die Fahrer sich nicht bloß als solche sehen, sondern auch ein offenes Ohr haben. „Ich kann mich an einen Fall im Winter erinnern, da ist eine Frau eingestiegen und ich sollte einfach fahren. Zwei Stunden lang haben wir uns über Ochtrup unterhalten. Am Ende war sie sehr dankbar, sich wieder unterhalten zu können, denn aufgrund der Glätte traute sie sich nicht aus dem Haus“, schildert Wetter.

Die Route des Bürgerbusses führt vom Marktplatz aus über verschiedene Schleifen bis nach Langenhorst, Welbergen und in die Oster. „Wester und Weiner hatten wir mal im Fahrplan, doch das Angebot wurde nicht wahrgenommen. Wir suchen immer nach Ideen, wie wir den Fahrplan verbessern können“, sagt Janocha.

Ein Fahrgast in zwei Jahren rentiere sich nun mal nicht. Auch für die Fahrer seien Leerfahrten frustrierend. Insgesamt werde der Bürgerbus nicht so angenommen wie erhofft, führt der Vorsitzende aus: „Die Leute sind das eigene Auto gewohnt, oder jemand aus der Familie fährt sie.“

Eine Fahrt kostet unabhängig vom Zu- und Ausstiegsort einen Euro. Es besteht auch die Möglichkeit, Freikarten als Geburtstagsgeschenk zu erstehen. „Ein gutes Kennenlernangebot“, findet Janocha.

Apropos Geburtstag: Im September wird der örtliche Bürgerbusverein zehn Jahre alt. Eigentlich war dazu eine Feier in der Stadthalle mit weiteren Vereinen aus NRW geplant, die jedoch wegen Corona abgesagt werden musste. Vielleicht gibt es zum neuen Termin aber neue Gesichter zu begrüßen.

 

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