Videodreh der Musikschule
Digitale Bühne statt Livekonzert

Ochtrup -

Wenn niemand zur Kultur kommen kann, dann kommt die Kultur zu den Menschen nach Hause. Nach diesem Motto hat die Musikschule gehandelt und Kinderliedmacher Uwe Lal bei einem Videodreh in Ochtrup unterstützt.

Dienstag, 07.07.2020, 18:24 Uhr
Die Musikschule hat mit Kinderliedmacher Uwe Lal (M.) und den Kindern in Ochtrup zwei Videos gedreht.
Die Musikschule hat mit Kinderliedmacher Uwe Lal (M.) und den Kindern in Ochtrup zwei Videos gedreht. Foto: Katrin Kuhn

So viel geballte Technik wie jetzt in Ochtrup hat der Kinderliedermacher Uwe Lal bei seinen Auftritten selten um sich. Statt von Kameras und Scheinwerfern ist er üblicherweise von Kindern umringt, die er mit seinen fröhlichen Mitmachliedern in Bewegung versetzt. Sitzen die nämlich anfangs noch still auf ihren Plätzen im Publikum, so ist die Bühne des deutschlandweit bekannten Kinderliedautors in der Regel nach wenigen Takten von mitsingenden und tanzenden Kindern bevölkert. Das ist in Coronazeiten natürlich so nicht möglich.

Der direkte Kontakt zum jungen Publikum fehlt Uwe Lal. „Aber das hindert mich nicht daran, Kinder zum Singen einzuladen“, meint er – jetzt eben vom Bildschirm aus. Die Dozentenband der Ochtruper Musikschule nimmt mit ihm zusammen zwei Musikvideos im Studio der Ochtruper Firma TTL Event Solutions auf.

Alte Hasen und Nachwuchsmusiker

Insgesamt sollen sieben Einzelvideos ausgestrahlt werden. Dafür haben sich in gebührendem Abstand auch Michael Scheel (Gesang), Peter Kersting (E-Gitarre), Guido Schräder (E-Bass), Dirk Brünenborg (Sopransax) und Andreas Hermjakob (Schlagzeug) in der professionell ausgestatteten TTL-Halle positioniert. Und natürlich gehören auch Kinder mit auf die Bühne – wenn auch coronabedingt nicht so viele, wie ursprünglich einmal für das Mitmachkonzert der Musikschule vorgesehen war: Die zehnjährige Selma bereichert die Band mit ihrer Singstimme, Elisabeth, Clemens und Conrad sorgen für die passende Choreographie.

Gerade die Jüngeren hatten vor der Kamera viel Spaß.

Gerade die Jüngeren hatten vor der Kamera viel Spaß. Foto: Katrin Kuhn

An verschiedenen Stellen im Raum hat TTL-Video-Mann Jasper Hesping Kameras installiert, zusätzlich bewegt er sich achtsam mit einer Handkamera über die Bühne, geht von einem Musiker zum anderen. Licht- und Design-Projektleiter Philipp Zanders agiert frontal von seinem Pult aus, und dann und wann kommt eine Rückmeldung aus dem „Off“ von Toningenieur Peter Albers, der das Bühnengeschehen auf einem Monitor im Nachbargebäude verfolgt und für die Aufnahme des Tons zuständig ist. Viele Stunden konzentrierte Arbeit kosten die Aufnahmen, aber am Ende steht ein fertiges Konzert, das auf verschiedenen Plattformen via Internet in die Welt hinausgehen kann.

Nachdem uns klar war, dass das in diesem Sommer nicht möglich sein wird, haben wir kurzerhand umgeschwenkt und einige Lieder eben auf die digitale Bühne verfrachtet.

Andreas Hermjakob

Ursprünglich hatte die Musikschule ein Familienkonzert auf der Seebühne im Stadtpark geplant, bei dem Lehrer, Schüler und die Dozentenband ein buntes Mitmachprogramm live präsentieren wollten. „Nachdem uns klar war, dass das in diesem Sommer nicht möglich sein wird, haben wir kurzerhand umgeschwenkt und einige Lieder eben auf die digitale Bühne verfrachtet“, erklärt Musikschulleiter Andreas Hermjakob. Frei nach dem Motto: Wenn in Corona-Zeiten niemand zur Kultur kommen kann, dann kommt die Kultur eben zu den Menschen nach Hause.

Dass Konzerte am Bildschirm gemeinsames Singen, Spielen und Tanzen in analogen Veranstaltungen nicht ersetzen, wissen die Beteiligten nur zu gut. Von den Einbußen der Coronapandemie für ihr Metier können sie alle ein Lied singen. Im TTL-Studio erklingen dennoch fröhliche Kinderlieder wie „Dracula Rock’n Roll“, „Lichterkinder“, der Dauerbrenner „Aramsamsam“ oder Uwe Lals Schuleingangssong „Ich bin schon groß – ich komm jetzt in die Schule.“

Ausstrahlung ab August

Letzterer wird pünktlich zum Schulbeginn im August ausgestrahlt, die anderen Videos folgen im September im Rahmen der kreisweiten Jugendmusiktage unter dem Titel „Musik schlägt Brücken“. Der lässt sich dieses Jahr auf vielfältige Weise auslegen. Das Erproben von Videoformaten macht, wie hier in Ochtrup, aus der Not eine Tugend. Denn mit dem medialen Brückenschlag werden die Jugendmusiktage 2020 auch ein Stückchen experimenteller, vielseitiger – und damit am Ende reicher.

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