Soziales und Gesundheit: Barbara Kuhls-Mahlitz (CDU)
Als Stadt Werbung machen

Ochtrup. -

Der sechste Themenbereich im WN-Forum zur Bürgermeisterwahl heißt Soziales und Gesundheit. Mit Barbara Kuhls-Mahlitz (CDU) sprach WN-Redakteurin Anne Steven. 

Donnerstag, 03.09.2020, 08:11 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 08:20 Uhr
Barbara Kuhls-Mahlitz geht für die CDU ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters.
Barbara Kuhls-Mahlitz geht für die CDU ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters. Foto: Cengiz Sentürk

Wie wollen Sie die Stadt für junge Familien attraktiver machen?

Da fange ich mal ganz unten an. Betreuungsangebote flexibler machen. Ich habe als junge Mutter auch immer sehr viel gearbeitet. Und ich weiß, dass die Betreuungsangebote auf jeden Fall unkomplizierter genutzt werden müssen. Man muss da flexiblere Zeiten haben. Dann müssen wir die Freizeitangebote vergrößern. Wir müssen unbedingt zusehen, dass wir Spielplätze besser ausbauen. Wir brauchen Standorte, wo die Familie sich gerne aufhalten möchten – attraktive Standorte, unter anderem den Stadtpark. Den Stadtpark ausbauen, neue Dinge anbieten, modernere Dinge. Und nicht nur die Minigolfanlage, die natürlich sehr schön ist. Aber da muss zusätzliches anderes Angebot geschaffen werden. Wir haben ein wunderschönes Freibad. Das ist für Familien jetzt wirklich toll. Aber wir müssen in den Bereichen Betreuung und Freizeit viel mehr machen. In finde es zum Beispiel gut, wenn Familien, in der Zeit, in der sie ein Wickelkind haben, einfach eine größtere Mülltonne zur Verfügung gestellt bekommen zum Preis von der kleinen. Das sind Dinge, da muss man noch ganz schön viel machen.

Was denken Sie, wie man den etwas älteren Jugendlichen etwas Gutes tun könnte?

Ich glaube, wir brauchen irgendwo Räumlichkeiten, wo die jungen Leute sich treffen können. Wir müssen für die Leute viel mehr machen. Und die hätten gerne mal einen Raum, in dem sie meinetwegen einen Kinoabend veranstalten können, wo sie mal eine Fete feiern können. Und das muss man dann regeln, dass sie das kostenfrei nutzen können – von mir aus mit einer Kaution, dass man dann, wenn etwas kaputt geht, das Geld einbehält. Und da muss auch jemand ein Auge drauf haben. Aber da müssen wir ganz, ganz dringendst ran. Unsere Jugendlichen, die werden hier die letzten Jahre absolut vergessen.

Barbara Kuhls-Mahlitz - Themenblock: Soziales und Gesundheit

Was muss weiter passieren, damit sich auch Senioren in Ochtrup wohlfühlen?

Die Senioren sind ja nun wirklich zu einem großen Teil schon selbst organisiert. Aber ich finde, wir sollten die einzelnen Generationen viel mehr zusammenbringen. Ich glaube, dass es Senioren sehr freut, wenn junge Menschen Kontakt mit ihnen haben. Das sind nicht nur diese Vorlese-Geschichten in den Grundschulen. Das ist eine super Sache. Ich kann mich noch erinnern, dass meine Mutter damals in der Grundschule war und über den Zweiten Weltkrieg berichtet hat. Diese Kontakte, die müssen wir viel mehr hegen und pflegen. Ich finde, dass dieser Erfahrungswert unbedingt weitergeben werden sollte. Unsere Senioren sind schon wirklich kreativ. Aber das, was sie uns mitteilen könnten – auch den jungen Menschen –, das ist ein unfassbares Gut. Da müssen wir die einzelnen Generationen einfach ein bisschen besser zusammenbringen.

Was möchten Sie für Menschen mit Behinderungen tun?

Eigentlich das Gleiche. Ich glaube, dass ein Mensch mit Behinderung ein genauso guter Mensch wie ohne Behinderung ist. Ich finde sogar, wir können von manch einem Menschen mit Behinderung wahnsinnig viel lernen. Zum Beispiel, mit welchem Lebensmut derjenige auch mit schwierigen Situationen umgeht und wie positiv er sein Leben sieht. Wir müssen alle unsere Einwohner einfach immer mehr zusammenbringen und die dann aber auch immer direkt ansprechen und sagen ‚To, kommt ihr auch dazu!’ So von sich aus ist das oft schwierig. Da geht es wieder um Kommunikation. Da haben wir es doch wieder.

Stichwort Gleichstellung von Frauen und Männern: Wie schätzen Sie die Lage in Ochtrup ein?

Ich glaube, dass da bestimmt noch einiges gemacht werden könnte. Aber ich halte auch nichts von strengsten Regeln oder so. Ich glaube, wir können die Frauen nur mehr ranholen – und spreche ich ja auch wieder aus eigener Erfahrung als berufstätige Mutter –, indem wir sie motivieren, dass sie sich trauen. Indem wir ihnen die Angst nehmen, dass es gar nicht schlimm ist, wenn ich zwei kleine Kinder habe oder drei oder fünf. Ich krieg das hin, dass ich auch arbeiten gehen kann. Und da haben wir auch wieder diese Betreuungsplatz-Geschichte. Wir haben mal angedacht, einen Werkskindergarten einzurichten. Ja, gut, da war jetzt die Nachfrage nicht so groß. Aber vielleicht fängt man irgendwann mit zwei Kindern an – zum Beispiel beim DOC. Mit der Zeit werden es dann vielleicht mehr. Diese neuen, guten Idee, die muss man immer wieder noch vorne forcieren. Man muss wie gesagt, mit den Damen reden – und mit den Herren natürlich auch. Im Grunde müssen die jungen Damen ermutigen, dass es kein Problem ist, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

In der Flüchtlingskrise 2015/16 sind viele Menschen nach Ochtrup gekommen, und auch heute noch suchen immer wieder Menschen Zuflucht in der Töpferstadt. Wie ist die Integration aus Ihrer Sicht bisher gelungen – und was kann die Stadt noch weiter tun?

Da muss ich jetzt mal unserer Ordnungsamt – ich könnte jetzt jemanden speziell nennen – extremst loben. Er hat es geschafft, diese Menschen in ganz unterschiedlichen Stadtteilen und Ecken unterzubringen, so dass Integration da schon ein bisschen leichter ist. Ich kenne einige persönlich. Eine junge Familie haben wir begleitet. Und da würde ich sagen, diesen Bereich könnte man noch viel, viel mehr ausbauen. Dass zum Beispiel eine Ochtruper Familie in Kontakt tritt mit einer syrischen Familie und begleitet sie. Das funktioniert am besten, wenn man die eigenen Leute mit ins Boot holt. Da kann dann alles viel leichter zusammenwachsen. Das darf man nicht nur von oben versuchen zu machen, sondern das muss schon von der Basis aus mitgestaltet werden.

Thema Gesundheit: Der hausärztliche Bereich in Deutschland hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, und auch Fachärzte zieht es immer weniger in ländliche Regionen. Wie schätzen Sie diese Problematik mit Blick auf Och­trup ein und was wollen Sie tun, um einem Mangel in der medizinischen Versorgung vorzubeugen?

Werbung machen als Stadt. Da gibt es ja bereits Programm zum Beispiel von Karl-Josef Laumann. Das kann man als Stadt auch machen, zum Beispiel mit einem Stipendium. Werbung machen bei Ärzten, die aus Ochtrup kommen, aber hier nicht praktizieren. Mit den Arztpraxen gemeinsam sprechen. Es gibt natürlich die von der KV zugewiesenen Plätze, aber da kann man immer ein bisschen was machen. Da muss ganz aktiv gearbeitet werden – mit unseren Ärzten vor Ort zusammen. Das ist nämlich ein ganz großer Vorteil. Da gibt es null Konkurrenzdenken. Die arbeiten sehr, sehr gut miteinander und stimmen sich auch unwahrscheinlich ab. Das müssen wir nutzen. Wenn wir uns zusammentun, bekommen wir vielleicht den einen oder anderen Arzt zusätzlich hierher.

Was kann die Stadt dafür tun, dass die notärztliche Versorgung gerade auch in den Außenbereichen funktioniert?

Das ist das, wo wir jetzt gerade dran sind. Es gibt Karten mit Hausnummern, die verteilt werden müssen, an die Notarztfahrer, die aus anderen Ecken kommen. Wenn dann niemand, der ortskundig ist, dabei ist, müssen die ganz schnell die Hausnummer kontrollieren können. Diese Karten haben wir jetzt auch schon angefordert. Die wollen wir verteilen. Das ist aber nicht das Ende. Das ist doch Quatsch. Es gibt noch zwei Programmierer bei diesen Navigationssystemen. Da muss man dann Kontakt aufnehmen und diese Dinge angeben. Das wäre schon sehr, sehr wichtig.

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