Christa Lenderich (parteilos)
Mehr Anreize für Ärzte schaffen

Ochtrup -

Der sechste Themenbereich im WN-Forum zur Bürgermeisterwahl heißt Soziales und Gesundheit. Mit Christa Lenderich (parteilos) sprach WN-Redakteurin Anne Steven. 

Donnerstag, 03.09.2020, 08:11 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 08:20 Uhr
Christa Lenderich tritt mit Unterstützung der Freien Wähler an.
Christa Lenderich tritt mit Unterstützung der Freien Wähler an. Foto: Anne Spill

Wie wollen Sie die Stadt für junge Familien attraktiver machen?

Indem man Wohnen preiswert anbietet. Ein familienfreundliches Umfeld, also Baugrundstücke, die für Familien erschwinglich sind, Wohnungen, die für Familien erschwinglich sind, ein gutes Kita-Angebot, weiterführende Schulen, ein gutes Grundschulangebot. Das sind für mich Komponenten, die machen eine Stadt für junge Familien attraktiv. Auf der anderen Seite gehört natürlich auch der Freizeitbereich dazu. Unser Schwimmbad ist wunderschön geworden. Das ist ein Standortvorteil. Aber wir haben hier auch ein tolles Vereinsleben, wir haben Spielplätze. Vielleicht ist möglich, dass man den Stadtpark in dem Bereich etwas mehr stärken kann. Ich glaube, dass wir hier sehr, sehr gut für junge Familien aufgestellt sind.

Was denken Sie, wie man den etwas älteren Jugendlichen etwas Gutes tun könnte?

Die Frage ist, wie bindet man sie ein? Wichtig ist, sich um diese jungen Leute zu kümmern. Wir haben mit dem Jugendcafé Freiraum etwas, was gut angenommen wird. Wir haben hier Jugendgruppen, die ein Angebot vorhalten. Aber Jugendliche brauchen auch sicherlich hier irgendwo einen Platz, wo man sich treffen kann, wo man zelten kann, vielleicht auch mal lauter sein darf, so sich die Leute nicht gestört fühlen. Ich glaube, in diese Richtung müsste man auch mal gucken, ob man so ein Angebot schaffen kann. Das was da ist, stärken und vielleicht auch etwas Neues schaffen, wo junge Leute sich angenommen fühlen.

Christa Lenderich - Themenblock: Soziales und Gesundheit

Was muss weiter passieren, damit sich auch Senioren in Ochtrup wohlfühlen?

Das Seniorencafé ist ein guter Anlaufpunkt, aber auch die Kirchen und andere Gruppen. Senioren fühlen sich wohl, wenn man auch Barrierefreiheit hat. Das man Wohnungen anbieten kann, die barrierefrei sind, dass man aber auch im Bereich Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege ein Angebot vorhält. Auf der anderen Seite ist der Bereich Mobilität. Als älterer Mensch muss ich Möglichkeiten haben, in die Stadt zu kommen, ob mit dem Bürgerbus oder anders. Es geht darum, am Leben teilhaben zu können. Das sind für mich Dinge, die gehören auch dazu, dass ich den Blick auf Senioren habe.

Was möchten Sie für Menschen mit Behinderungen tun?

Inklusion ist ein wichtiges Thema. An den Schulen muss Inklusion gelebt werden. Das findet ja auch statt. Es geht auch darum, Menschen mit Behinderungen das Leben erleichtert. Auch wenn es banal klingt, aber dass man Bordsteine absenkt, dass man dafür sorgt, dass die Wege für sie leichter werden. Inklusion findet überall auch in Vereinen statt. Ich glaube, dass man sagen kann, dass wir in Ochtrup was Inklusion angeht, gut aufgestellt sind. Aber manchmal muss man das sicher mehr in den Blick nehmen. Also, wenn ich mit dem Fahrrad fahre, dann muss ich sagen, dass da so mancher Fahrradweg Bedarf hat.

Stichwort Gleichstellung von Frauen und Männern: Wie schätzen Sie die Lage in Ochtrup ein?

Gleichstellung von Frauen und Männern fängt im Privaten an. Ich glaube, dass wir hier viele emanzipierte Frauen haben und dass das auch gelebt wird. Im Berufsleben ist es etwas, was man leben muss. Ich gehe davon aus, dass in unseren Unternehmen Gleichstellung da ist. In der Stadtverwaltung wird Gleichstellung gelebt. Ansonsten muss man sagen, dass wir auch noch mehr Gleichstellung erreichen würden, wenn eine Frau Bürgermeisterin würde.

In der Flüchtlingskrise 2015/16 sind viele Menschen nach Ochtrup gekommen, und auch heute noch suchen immer wieder Menschen Zuflucht in der Töpferstadt. Wie ist die Integration aus Ihrer Sicht bisher gelungen – und was kann die Stadt noch weiter tun?

Wir haben in Kooperation mit „Miteinander“ die Flüchtlingskrise in Och­trup sehr gut gemeistert. Da muss man sagen, haben auch die Mitarbeiter im Sozial- und im Ordnungsamt einen hervorragenden Job gemacht. Ich glaube schon, dass die Menschen gut integriert sind, wobei Integration ja auch keine Einbahnstraße ist. Als derjenige, der in eine Stadt kommt, muss man ja auch Interesse an der Stadt haben. Die Angebote von „Miteinander“ oder der Bücherei, das ist mir zuletzt in einem Gespräch mitgeteilt worden, da möchte man auch mehr Ochtruper bewegen, daran teilzunehmen. Vielleicht sollte man in dem Bereich noch stärker arbeiten. Aber es gibt sehr viele gut integrierte Menschen in Ochtrup.

Thema Gesundheit: Der hausärztliche Bereich in Deutschland hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, und auch Fachärzte zieht es immer weniger in ländliche Regionen. Wie schätzen Sie diese Problematik mit Blick auf Och­trup ein und was wollen Sie tun, um einem Mangel in der medizinischen Versorgung vorzubeugen?

Alle Parteien haben eine fraktionsübergreifenden Arbeitskreis. Da haben wir uns ja zusammengesetzt und uns genau diese Gedanken gemacht. Da gab es sehr gute Ansätze, weil das etwas ist, das alle eint. Wir alle wollen eine gute medizinische Versorgung haben. Ich habe vor Kurzem noch mit Dr. Sebastian Gesenhues als Vorsitzendem der Ochtruper Ärztegeschafft gesprochen. Er hat auch noch mal deutlich gemacht, dass man sich um diese Dinge kümmern muss. Da sollte man überlegen, ob man Anreize schaffen will, um Ärzte nach Ochtrup hin zu holen. An diesen Anreizen sollten wir arbeiten. Es könnte ja auch so sein, dass wir als Stadt in Ärzteblättern eine Anzeige schalten, um Ärzte anzuwerben. Vielleicht wird das bei Ärzten noch anders wahrgenommen, als wenn man das als Arztpraxis tut.

Was kann die Stadt dafür tun, dass die notärztliche Versorgung gerade auch in den Außenbereichen funktioniert?

Das ist uns ganz besonders von den Landwirten gespiegelt worden. Da ist natürlich auch der Kreis Steinfurt mit im Boot. Wir haben das Gespräch zu Herrn Dr. Sommer in diesem Bereich vermittelt. Da habe ich gerade auch noch eine WhatsApp von Herrn Ostendorf, dem LOV-Vorsitzenden bekommen, dass er ein längeres Gespräch geführt hat. Ich finde, wir müssen in diesen Dingen Verbindungen schaffen. Es geht darum, dass die Rettungswagen die Höfe und die Familien im Außenbereich finden. Das ist ganz wichtig. Wobei man auch sagen muss, dass es dort in den letzten Jahren durch GPS schon Verbindungen gegeben hat. Aber wenn die Landwirte schildern, dass das suboptimal ist, dann finde ich, muss man in dem Bereich arbeiten. Das kann eine Stadt nicht alleine, sondern da muss an dieser Stelle die Zusammenarbeit mit dem Kreis Steinfurt und dem neuen Landrat in Angriff genommen werden.

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