Ochtruper Ärzte raten zur Vorsorge
Größere Nachfrage nach Grippeschutz

Ochtrup -

Ochtrups Ärzte raten ihren Patienten dazu, in diesem oder dem nächsten Monat die Möglichkeit der Grippeschutzimpfung wahrzunehmen. Ihr Sprecher Dr. Sebastian Gesenhues erläuterte, dass die örtlichen Ärzte gut vorgesorgt und reichlich Impfstoff bestellt hätten.

Montag, 12.10.2020, 06:00 Uhr
Ein kleiner Pieks, der vor dem Hauptgrippeerreger dieser Saison schützen soll. Ochtrups Ärzte raten dazu, sich im Oktober oder November impfen zu lassen.
Ein kleiner Pieks, der vor dem Hauptgrippeerreger dieser Saison schützen soll. Ochtrups Ärzte raten dazu, sich im Oktober oder November impfen zu lassen. Foto: dpa

Der Herbst steht vor der Tür, und mit ihm die Grippesaison. Im Oktober und November kommen die Influenzaviren erfahrungsgemäß auf leisen Sohlen herangeschlichen, um in den Folgemonaten weiter Fahrt aufzunehmen. Am stärksten sei die Grippewelle im Februar und März, weiß Dr. Sebastian Gesenhues aus Erfahrung. „Eine Virusgrippe wird leider generell unterschätzt“, bemerkt der Sprecher der Ochtruper Ärzte und berichtet von mehr als 25 000 Menschen, die nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts im Herbst/Winter 2017/18 an einer Influenza verstorben sind.

Gesenhues rät daher allen Personen ab dem 60. Lebensjahr, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Das gelte auch für jene, die an einer chronischen Erkrankung leiden – etwa an Lungen- und Herzerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Rheuma oder Multipler Sklerose. „Chronisch Kranke haben ein schwächeres Immunsystem, was einen schweren bis tödlichen Verlauf einer Virusgrippe begünstigt“, unterstreicht der Mediziner.

Grippeschutz: Was Sie zur Influenza-Impfung wissen müssen

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  • Mit einer normalen, in aller Regel harmlosen Erkältung hat eine Grippe nichts zu tun. Eine Influenza kann schwer verlaufen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Immerhin gibt es eine Impfung gegen die Krankheit - in Zeiten des Coronavirus steht diese im Fokus wie noch nie zuvor.

    Soll ich mich also impfen lassen oder nicht? Vor dieser Entscheidung stehen viele Menschen. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

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  • Wem wird die Grippeschutzimpfung empfohlen?

    Die Gruppen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Influenza-Verlauf sind laut Robert Koch-Institut (RKI) ähnlich wie die Risikogruppen der vom Coronavirus ausgelösten Erkrankung Covid-19 - also ältere Menschen über 60 und Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes, HIV oder Asthma.

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  • Empfohlen wird die Grippeschutzimpfung zudem für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen und im Gesundheitswesen, für Schwangere, generell für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie für Pflegepersonen von Risikopatienten.

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  • Und ändert Corona etwas an diesen grundsätzlichen Empfehlungen?

    Ja und nein. Denn viele Mediziner plädieren dafür, dass sich in diesem Jahr nach Möglichkeit alle Menschen impfen lassen sollten - unter anderem, um die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten.

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  • Auch der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger sagt: „Jeder der kann, sollte das machen.“Könne man sich eine schwere Erkältungskrankheit im Winter sparen, sei das sinnvoll, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

    Nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des RKI könne zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems der größte Effekt indes dadurch erzielt werden, wenn Impfquoten vor allem bei den Risikogruppen erheblich gesteigert werden könnten. Bei Senioren etwa seien die Quoten seit Jahren niedrig.

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  • Sollten Kinder in der Corona-Pandemie gegen Grippe geimpft werden?Verschiedene Fachleute meinen: Ja. Wenn sich auch junge Leute gegen Grippe impfen ließen, könne das zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, sagte zum Beispiel die Münchner Virologin Ulrike Protzer im August. „Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen“, meinte auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, vor einigen Wochen.Aus Sicht von Salzberger spricht ebenfalls einiges dafür. Im Schulalter litten Kinder zwar nicht so stark unter der Grippe - doch in Schulen oder Kitas grassierten die Grippeviren gerne und mit einer Impfung würden die Kinder indirekt etwa ihre Großeltern schüt

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  • Droht eine Impfstoff-Knappheit?

    Es gibt Stimmen, die vor einer Unterversorgung der Risikogruppen mit Grippeimpfstoff warnen, wenn man der ganzen Bevölkerung die Impfung empfiehlt. Gesundheitsexperten im Bundestag rechneten zuletzt aber nicht mit einem Engpass. Auch das Paul-Ehrlich-Institut, das die Impfstoff-Chargen prüft, rechnet zum Start der neuen Grippesaison nicht mit einem Mangel.

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  • Zu welchem Zeitpunkt sollte man sich impfen lassen?

    Allgemein lautet die Empfehlung, sich Ende Oktober bis Anfang November impfen zu lassen. Der Hintergrund ist, dass die optimale Schutzwirkung rund zwei Wochen nach dem Stich beginnt und nach drei Monaten langsam abnimmt. Meist beginnen die Grippewellen - also eine erhöhte Aktivität von Influenzaviren - Anfang des Jahres. Sie dauern danach aber durchaus auch mal drei bis vier Monate. Insofern könnte eine Impfung auch nach November noch sinnvoll sein, wenn bis dahin keine Gelegenheit dafür war.

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  • Welchen Schutz bringt die Impfung?

    Das variiert, ganz sicher schützt sie aber nie. Salzberger erklärt es so: „Wenn man einigermaßen richtig geraten hat, welches Virus in der nächsten Saison unterwegs sein wird, ist der Schutz bei 80 Prozent.“ Wenn man jedoch völlig danebenliege mit der Impfstoff-Komposition, schütze er um einiges schlechter - das sei zum Teil in den vergangenen Jahren auch vorgekommen.

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  • Wird es wegen der Corona-Regeln weniger Grippefälle geben?

    Abstand, Händewaschen, Maske tragen: Was gegen die Ausbreitung des Coronavirus schützen soll, dürfte doch eigentlich die Ausbreitung von Grippeviren eindämmen. Das könnte durchaus sein, sagt Salzberger und betont zugleich: Darauf hoffen könne man nicht. „Abgerechnet wird leider zum Schluss.“

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Dennoch sei in der Vergangenheit die Impfbereitschaft auch bei Risikogruppen relativ gering gewesen, bedauert er. Viele würden sich vor unerwünschten Nebenwirkungen fürchten. Doch der allgemein verwendete Grippeimpfstoff sei ein „Totimpfstoff“, der nicht krank mache.

„In dieser von Corona geprägten Zeit“, sagt Gesenhues, „ist es aber noch wichtiger, sich vor Erkrankungen der Atemwege inklusive der Lunge und insbesondere vor einer Virusgrippe zu schützen, die eine Influenza oft mit sich bringt.“ Patienten mit schwerer Lungenentzündung müssten meist stationär und mitunter auch intensivmedizinisch behandelt werden. In den Wintermonaten werde vermutlich auch die Zahl der Covid 19 Patienten steigen. Zusammen mit einer Grippewelle könnten dann die Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern an ihre Grenzen stoßen.

Eine Impfung empfiehlt er auch Leuten, die im unmittelbaren Kontakt zu Risikogruppen stehen. Zum Beispiel Personen, die mit ihnen in einem Haushalt leben sowie allen Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen. Seine Ochtruper Kollegen würden ebenfalls ausnahmslos für eine Grippeimpfung plädieren, betont Gesenhues. Er weist außerdem auf die Möglichkeit einer Pneumokokken-Impfung hin, die in Kombination mit der Grippeimpfung erfolgen kann. „Sie schützt vor bakteriellen Erregern, nicht aber vor einer durch Influenza verursachten Lungenentzündung, so dass beide Impfungen sinnvoll sind“, sagt Gesenhues.

Der Sprecher der Ochtruper Ärzte hofft, dass die kommende Grippesaison milder verläuft als in den Vorjahren. Bei Karnevalsumzügen jedenfalls haben die Viren keine Chance, die Grippewelle anzukurbeln, denn derartige Großveranstaltungen fallen aufgrund der Pandemie aus. Die Bevölkerung habe außerdem die Coronaregeln „Abstand halten, Hände waschen und Mund-Nasenschutz tragen“ größtenteils verinnerlicht, hat der Arzt beobachtet. Zur Stärkung des Immunsystems empfiehlt er regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser und Tee. Diese Zusatzmaßnahmen machen jedoch eine Impfung nicht überflüssig.

Gesenhues hat festgestellt, dass die Menschen angesichts der Pandemie offener für eine Grippeimpfung sind. In diesem Jahr sei die Nachfrage weitaus größer als bisher. „Wir haben gut vorgesorgt und reichlich Impfstoff bestellt, damit es nicht zu Engpässen kommt“, berichtet er. Nach einer Impfung benötige der Körper etwa zwei Wochen, um einen Schutz aufzubauen. Die Wirkung einer Grippeimpfung schwächt im Laufe der Zeit ab und hält ungefähr sechs Monate, erläutert der Mediziner. Vor diesem Hintergrund hält er eine Impfung im Oktober/November für einen guten Zeitpunkt.

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