Matthias Dankbar war 26 Jahre Ratsmitglied
„Meine Familie hat das jahrelang mitgetragen“

Ochtrup -

Fast drei Jahrzehnte war es dabei – und mittendrin. Jetzt ist Schluss. „Es wird mir etwas fehlen“, sagt Matthias Dankbar, aber er will auch nicht aus der Politik „herausgetragen werden“.

Montag, 12.10.2020, 11:38 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 17:53 Uhr
Matthias Dankbar findet es schade, dass sich immer weniger Menschen aktiv politisch einsetzen.
Matthias Dankbar findet es schade, dass sich immer weniger Menschen aktiv politisch einsetzen. Foto: Anne Steven

Wenn Matthias Dankbar über sein politisches Vorbild nachdenkt, fällt ihm als Erstes sein 2018 verstorbener SPD-Fraktionskollege Martin Wilke ein. Von ihm habe er viel mitnehmen können, meint der 54-Jährige, der bis zum Ende der noch laufenden Legislaturperiode Mitglied des Rates ist.

Mit der Lokalpolitik in Kontakt kam der Ochtruper durch seinen Onkel Paul Dankbar. „Auch mein Vater war früher politisch aktiv“, erzählt er. Als dann sein Onkel aufhörte, habe er ihn gefragt, ob er sich nicht solch ein Engagement vorstellen könne. Und der Neffe konnte. 1994 wurde er für die SPD erstmals in den Stadtrat gewählt. Zuvor war er bereits fünf Jahre als Sachkundiger Bürger tätig. Und gleich zu Beginn übernahm er die Leitung des Werksausschusses (heute Betriebsausschuss der Stadtwerke). „Ich dachte mir damals, wenn die anderen mir das zutrauen, wird das schon funktionieren“, erzählt Dankbar schmunzelnd.

Sofort Leiter des Werksausschusses

Also wagte er den Sprung ins kalte Wasser. Wobei der Werksausschuss damals noch sehr unpolitisch gewesen sei.

„Mir ist eine sach- und lösungsorientierte Politik wichtig“, betont Matthias Dankbar, der sich zudem als sehr harmoniebedürftig beschreibt. Letztgenannte Eigenschaft sei in der Lokalpolitik nicht zu unterschätzen. Kontroverse Diskussionen und der Austausch von Argumenten seien enorm wichtig. Aber genauso wichtig sei es, sich im Anschluss noch in die Augen schauen oder ein Bier zusammen trinken zu können. Es gehe darum, seinem Gegenüber Wertschätzung entgegenzubringen – unabhängig von dessen politischer Einstellung.

Wertschätzung entgegenbringen

Insgesamt habe ihm die politische Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht. Doch es gab auch Dinge, die ihn geärgert haben. „Da war mal der Vorschlag einer ganz kleinen Fraktion im Werksausschuss. Diesen Vorschlag fand selbst der Stadtdirektor gut“, erzählt Dankbar. Inhaltlich sei der „top“ gewesen. Doch dann sei er „aus persönlichen Gründen“ abgelehnt worden. „Das habe ich nicht vergessen“, sagt der 54-Jährige. Und dann gab es da den Arbeitskreis zur Schulentwicklung, dem auch ein Vertreter aus Metelen angehörte. „Ihm hat man das Stimmrecht entzogen.“ Der Vertreter aus der Nachbarkommune sei zurecht verärgert gewesen. Metelen habe sich schulisch dann „umorientiert“. Heute kooperiere die Gemeinde mit Heek statt mit Ochtrup. „Das ärgert mich heute noch.“

Metelen orientierte sich um

Positiv ist ihm die Weigerung der Politiker in Erinnerung geblieben, im Beltmann-Bau ein neues Rathaus zu installieren. Die Nutzung der Gebäude heute durch das Outlet-Center sei doch sehr viel sinnvoller. Zumal die Kosten nicht kalkulierbar gewesen wären, ist der Ochtruper überzeugt. „Die Kosten für ein Rathaus in der Weinerstraße wären im Vergleich sicher Peanuts.“

Zuletzt leitete Dankbar den Ausschuss für Planen und Bauen, ein Gremium, das ihm berufsbedingt liegt. Er ist Technischer Angestellter für Kalkulation und Bauleitung. „Da bringe ich natürlich Einiges an Erfahrung mit“, sagt er. Doch der Job verlangt ihm auch jede Menge ab. Arbeitstage mit mehr als acht Stunden seien keine Seltenheit, dann noch das lokalpolitische Engagement. Für die Familie blieb da nur noch wenig Zeit. Mit fortschreitendem Alter spüre er, dass ihm diese Doppelbelastung heute mehr abverlange als früher. „Meine Familie hat das jahrelang mitgetragen“, weiß er die Unterstützung von seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern zu schätzen.

Lokalpolitik Basis der Demokratie

Ratsmitglied zu sein – „das ist ein wichtiges Ehrenamt. Das wird heute vielfach nicht mehr gesehen“, findet Matthias Dankbar. Es sei schade, dass sich heute immer weniger Menschen dafür einsetzten. Immerhin stelle die Lokalpolitik doch das Grundgerüst der Demokratie dar. Deshalb sorgt sich der Ochtruper ein bisschen um die Zukunft. Und trotzdem sei es nach 26 Jahren politischer Tätigkeit Zeit zu gehen. „Es wird mir etwas fehlen“, weiß Matthias Dankbar, aber er wolle auch nicht aus der Politik „herausgetragen werden“. Missen möchte er dieses Engagement auf keinen Fall. Er habe viele gelernt – vor allem mit Blick auf die Kommunikation, Menschenkenntnis habe er bekommen.

Die freie Zeit will Matthias Dankbar für seine Familie nutzen. Seine Frau freue sich über Unterstützung bei der Arbeit in Haus und Garten, meint er lachend. Während des Lockdowns habe es für sie als Paar schon einen kleinen Vorgeschmack mit mehr Zeit für gemeinsame Spaziergänge und Radtouren gegeben. Außerdem will sich Matthias Dankbar wieder mehr sportlich betätigen. Das Fußballtraining blieb nach einer Verletzung zuletzt am meisten auf der Strecke. Doch auch für Schwimmen und Gymnastik blieb nur wenig Zeit. Das soll sich nun ändern.

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