Gedankliche Reise in die Vergangenheit
Offene Türen in der Hinterstraße

Ochtrup -

Der Ochtruper Franz Schapdick erinnert sich noch ziemlich genau daran, wie die Hinterstraße in seiner Kindheit ausgesehen hat. Der heute 83-Jährige unternimmt eine Zeitreise in die 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine Erinnerung: Die obere Türhälfte der Holzschuhmacherei van Goer stand immer offen und erlaubte einen Einblick in dieses längst vergessene Handwerk.

Montag, 02.11.2020, 06:00 Uhr
Die obere Türhälfte der Holzschuhmacherei van Goer – hier eine Aufnahme von 1925 – stand immer offen. Franz Schapdick schaute gerne in die Werkstatt. Kleine Fotos: die Hinterstraße in den Jahren 1960 (oben) und 1975.
Die obere Türhälfte der Holzschuhmacherei van Goer – hier eine Aufnahme von 1925 – stand immer offen. Franz Schapdick schaute gerne in die Werkstatt. Kleine Fotos: die Hinterstraße in den Jahren 1960 (oben) und 1975. Foto: Stadtarchiv

In der Hinterstraße verändert sich Och­trups Stadtbild gerade gravierend. Dort, wo früher Häuser standen, sind nur noch die Giebel in Richtung der parallel verlaufenden Weinerstraße übrig geblieben. Es entsteht etwas Neues, die Stadt wandelt sich – mal wieder. Der Ochtruper Franz Schapdick erinnert sich noch ziemlich genau daran, wie die Hinterstraße in seiner Kindheit ausgesehen hat. Der 83-Jährige nimmt die Leser dieser Zeitung mit auf eine Zeitreise in die 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

In Gedanken wandert Franz Schapdick über die Mühlenstraße und biegt dann in die Hinterstraße ein. Als er ein Kind war, wohnte in dem ersten Haus auf der linken Seite die Hebamme Schoo. Gleich dahinter kam das Lebensmittelgeschäft Brüffer. Es hat noch heute seine Räume zur Weinerstraße hin. Und in direkter Nachbarschaft standen das Wohnhaus von Hermie Oeinck, das Textilgeschäft der Familie Steingrobe und der Eingang zu Herberings. „Die Familie Herbering hatte eine Gaststätte, eine Viehhandlung und gegenüber ein Salzlager“, erinnert sich Franz Schapdick.

Auch der Lieferanteneingang zur Drogerie Lasthaus befand sich in der Hinterstraße, gleich neben dem Haus der Familie Horstmann, die an der Mühlenstraße eine Eierhandlung betrieb.

Ein Haus weiter befand sich das Schuhgeschäft Tewese und die Holzschuhmacherei van Goer. „Die obere Türhälfte stand immer offen. Da konnte man in die Werkstatt schauen. Das war manchmal sehr interessant“, erzählt Franz Schapdick. Er setzt seinen Weg weiter fort und kommt in Gedanken am Kohlenlager von Zurloh vorbei. Die Familie hatte zur Weinerstraße hin noch bis vor wenigen Jahren ein Haushaltswarengeschäft. Dann kam der Hof der heutigen Gaststätte „Alt Ochtrup“, die Franz Schapdick damals noch unter dem plattdeutschen Namen „Tümmers“ geläufig war. Es folgten noch die Bäckerei Raussen und der Saal der Gaststätte Schwartbeck („Zacheris“).

In Gedanken wandert Franz Schapdick zurück zum Ausgangspunkt. Noch einmal spaziert er von der Mühlenstraße aus durch die Hinterstraße. Diesmal ist sein Blick auf die rechte Straßenseite geheftet. Gegenüber der Hebamme Schoo war in seiner Kindheit Radio Baken­ecker beheimatet. Es folgten das Warenlager und der Lieferanteneingang des Lebensmittelgeschäfts Vorgerd, das seine Geschäftsräume auf dem Wall hatte. Schließlich noch Bäcker Oeinck („Schlüter“) mit seinem Laden und der Mühle. „Da wurden in meiner Kindheit die vollen Mehlsäcke am Giebel hochgezogen“, hat Franz Schapdick die Bilder noch im Kopf.

Er wandert die Hinterstraße weiter entlang und kommt am Salzlager der Familie Herbering an. Das habe damals die halbe Straße eingenommen, weiß der 83-Jährige noch ganz genau. Ganz genau im Kopf hat er noch die grüne Tennentür.

Dann folgten der Schneider Ruck und das zweistöckige Wohnhaus Lenz sowie das Eisenwarengeschäft Tümmers. „Ob Nägel oder Töpfe, die hatten alles“, schwelgt Franz Schapdick in Erinnerungen.

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