Wegen Nötigung vor Gericht
Aggressiv auf der B 54

Ochtrup/Steinfurt -

Dichtes Auffahren, Lichthupe – und dann soll er noch den Mittelfinger gezeigt haben: Wegen Nötigung musste sich ein 53-Jähriger aus Hamm vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten.

Samstag, 14.11.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 14.11.2020, 11:15 Uhr
Am Donnerstag musste sich ein 53-Jähriger aus Hamm wegen Nötigung vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten.
Am Donnerstag musste sich ein 53-Jähriger aus Hamm wegen Nötigung vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten. Foto: Mike Oelerich

Mit Unverständnis und sehr aufgebracht hat ein Angeklagter am Donnerstag beim Amtsgericht Steinfurt auf eine Geldauflage regiert, die er zahlen muss, damit das Verfahren wegen Nötigung vorläufig eingestellt wird.

Dem 53-jährigen Mann aus Hamm warf die Staatsanwaltschaft vor, am Nachmittag des 2. Juli 2020 durch sein aggressives Fahrverhalten auf der B 54 in Höhe von Ochtrup einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet zu haben. Außerdem habe er in einer obszönen Geste dem Geschädigten den erhobenen Mittelfinger entgegengehalten.

Der Anklage zufolge befuhr der Mann aus Hamm die Bundesstraße in Richtung Gronau. Durch dichtes Auffahren auf ein vorausfahrendes Auto mit drei erwachsenen Insassen aus Steinfurt, mehrfaches Betätigen der Lichthupe und nach links gesetztem Blinker habe er den anderen Autofahrer zu einer unvorsichtigen und gefährlichen Fahrweise gezwungen.

In seiner Einlassung widersprach der Angeklagte vehement den Ausführungen der Staatsanwältin. Er habe immer ausreichenden Abstand gehalten und sich dabei an den Begrenzungspfählen orientiert, betonte der 53-jährige Mann. Die Lichthupe habe er lediglich einmal benutzt, als der Borghorster auf seine Fahrspur geraten war. Selbstverständlich habe er sich an das Rechtsfahrgebot gehalten und ihn keinesfalls rechts überholen wollen, wie es in der Anklage beschrieben war.

Die drei als Zeugen geladenen Insassen des Steinfurter Wagens bestätigten in ihren Aussagen weitgehend die Anklagepunkte. Insbesondere sagten sie überein-stimmend aus, dass der Fahrer aus Hamm so dicht aufgefahren sei, dass seine Scheinwerfer zeitweise weder im Rückspiegel noch von der Rückbank aus zu sehen gewesen sein sollen.

In seinem letzten Wort teilte der Angeklagten seinen Eindruck mit, dass er die Aussagen der Zeugen für einstudiert und abgesprochen halte. Er wiederholte seinen Standpunkt, dass die erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend seien.

Die Richterin schlug in Abstimmung mit der Staatsanwältin vor, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 1000 Euro vorläufig einzustellen. Der Tatbestand der Nötigung sei zwar erfüllt, jedoch nicht so schwerwiegend, wie in der Anklage formuliert.

Nach mehreren Sitzungsunterbrechungen, in denen sich der Angeklagte mit seiner Verteidigerin beraten konnte, stimmte er schließlich zu, 700 Euro in sechs Raten an die Staatskasse zu zahlen. Ein Berufungsverfahren schloss der 53-jährige aus finanziellen Gründen aus und verließ aufgebracht und kopfschüttelnd den Gerichtssaal. -nh-

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