Einzelhandel unter Druck
Lockdown geht an die Substanz

Ochtrup -

Während überall die Coronazahlen steigen, setzt die Verlängerung des Lockdowns den Einzelhandel und die Betriebe in Ochtrup unter Druck. Es geht an die Substanz.Was den Geschäftsleuten vor allem zu schaffen macht, ist die fehlende Planungssicherheit. Sie ärgern sich zudem über fehlende Solidarität der Menschen, die nicht bereit sind, ihre privaten Kontakte einzuschränken.

Donnerstag, 07.01.2021, 05:45 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 05:50 Uhr
Viele Welbergener, aber auch immer mehr Ochtruper gehen derzeit im Dorfladeneinkaufen.
Viele Welbergener, aber auch immer mehr Ochtruper gehen derzeit im Dorfladeneinkaufen. Foto: Maximilian Stascheit

Es ist kein Ende in Sicht: Am Mittwoch meldete das Robert-Koch-Institut in Deutschland 21 237 Neuinfektionen und 1019 Todesfälle binnen 24 Stunden. Der Lockdown wird bis Ende des Monats verlängert. In Och­trup gibt es aktuell 29 infizierte Personen, außerdem befinden sich 44 Kontaktpersonen in Quarantäne.

„Alles ist geschlossen und die Zahlen steigen trotzdem“, ärgert sich die Obermeisterin der Friseurinnung Steinfurt, Susanne Dorsten. Vor allem für Menschen, die derzeit trotz Corona zu Tagestouren in die Schneegebiete fahren, habe sie kein Verständnis. „Das will in meinen Kopf nicht rein. Solange diese Leute sich nicht benehmen, bleiben wir geschlossen.“ Es sei doch nicht zu viel verlangt, sich privat etwas einzuschränken und solidarisch zu zeigen, damit irgendwann für alle wieder ein normales Leben möglich sei. Derzeit könnten viele Menschen bedingt durch den Lockdown gar nicht arbeiten, oder müssten mit Kurzarbeitergeld klarkommen. Einige Einzelhändler und Betriebe in ihrer Branche hätten den ersten Lockdown im Frühjahr noch gut wegstecken können, nun seien viele aber an ihrer Belastungsgrenze. „Das ist bitter“, weiß die Geschäftsfrau.

Einzelhandel

„Es geht an die Substanz“, ergänzt Alexander Huesmann vom gleichnamigen Modehaus. Zudem sei bei vielen Kunden „die Luft raus“. Viele hätten kein Verständnis für die Verlängerung des Lockdowns. Zumal die Infektionen zumeist privaten Ursprungs seien. Im Einzelhandel, in der Gastronomie und in den meisten Betrieben gebe es Hygienekonzepte, die bei privaten Zusammenkünften fehlten.

Er wie auch Susanne Dorsten haben sich aber über den zahlreichen Zuspruch in der Kundschaft gefreut. Ungewohnt, aber nicht unangenehm war es für die Friseurmeisterin wie auch ihre Berufskollegen, zum Jahresende frei zu haben.

Alexander Huesmann vom gleichnamigen Modehaus) hofft darauf, dass die Ochtruper nach dem Lockdown lokal einkaufen und nicht jetzt online bestellen.

Alexander Huesmann vom gleichnamigen Modehaus) hofft darauf, dass die Ochtruper nach dem Lockdown lokal einkaufen und nicht jetzt online bestellen. Foto: Alex Piccin

Für sie ist jetzt wichtig, Planungssicherheit mit Blick auf die staatlichen Hilfen zu bekommen. Vor allem die Tatsache, nicht zu wissen, ob und in welchem Umfang diese Unterstützungsleistungen zurückgezahlt werden müssten, bereite vielen Geschäftsleuten Sorgen. Alexander Huesmann sorgt sich indes um die Frage, wie dieses finanzielle Unter-die-Arme-Greifen durch den Staat auf lange Sicht finanziert werden soll. Zumal zumindest in der Modebranche die Einbußen von Quartal zu Quartal auf die nächste Stufe in der Lieferkette weitergegeben würden.

Online-Petition

Die Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup (VWO), dessen stellvertretender Vorsitzender Alexander Huesmann ist, unterstützt deshalb eine Online-Petition des Aktionsbündnisses #Handelstehtzusammen. Dessen Ziel ist eine zeitnahe Wiedereröffnung der Ladengeschäfte, damit „wir unsere Existenzen selbst retten können.“ Alternativ wird eine „verbindliche politische Zusicherung, dass Unternehmen, die in Folge der Schließungen in ihrer Existenz bedroht sind, durch entsprechende Entschädigungen abgesichert werden“ gefordert.

Alexander Huesmann hofft darauf, dass die Ochtruper, wenn der Einzelhandel wieder öffnen darf, sich solidarisch zeigen und ihre Einkäufe vor Ort tätigen, statt jetzt online zu bestellen.

Apropos: Bei der Digitalisierung hängt das Modehaus Huesmann derzeit in der Warteschleife. Zwar habe er Subventionen beantragt, dürfe aber bevor er keine verbindliche Zusage habe, nicht weiter tätig werden, erzählt Alexander Huesmann von vielen Bürokratiehürden. Da seien ihm andere Kollegen in Sachen Online-Shop schon einen Quantensprung voraus. Die Zusammenarbeit mit Zulieferern klappe indes gut. Normalerweise stünde aktuell die Auslieferung der Frühjahr- und Sommerware an. „Die versuchen wir in den Februar zu drücken“, erklärt er.

Sicheres Gefühl im Dorfladen Welbergen

Ein sicheres Gefühl vermittelt derzeit offenbar der Dorfladen in Welbergen. Wie Mitarbeiterin Anke Münstermann berichtet, gibt es dort jede Menge zu tun. „Die Kunden kaufen gerne vor Ort ein“, erzählt sie. In dem kleinen Markt sei man mit dem Einkauf einfach schneller fertig. Zehn Kunden dürfen dort gleichzeitig einkaufen.

Das Verhalten der Menschen sei vorbildlich. Kaum einmal die Situation, dass die Mitarbeiter als Türsteher fungieren müssten. „Durch die große Glasfront sieht man, ob gerade viel los ist. Die Leute warten draußen und halten auch dort den Abstand ein“, lobt Anke Münstermann. Einige Kunden nutzten zudem den Service des Dorfladens und bestellten ihre Einkäufe telefonisch. „Wir arbeiten die Warenliste ab, packen alles zusammen und bringen es nach draußen“, beschreibt die Mitarbeiterin den Ablauf. Bei einigen Kunden werde der Einkauf so komplett kontaktlos abgewickelt. „Das Auto fährt vor, wir stellen die Einkäufe in den Kofferraum, wo schon das abgezählte Geld liegt“, erzählt Anke Münstermann.

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