26-jähriger Ochtruper wegen mehrerer Vergehen angeklagt
Bewährungsstrafe und mehrere Hilfestellungen

Ochtrup/Steinfurt. -

Zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, wurde am Mittwoch beim Amtsgericht Steinfurt ein 26 Jahre alter Ochtruper verurteilt, der sich des Erschleichens von Leistungen und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht hatte.

Mittwoch, 13.01.2021, 20:53 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 21:01 Uhr
Vor dem Steinfurter Amtsgericht hatte sich jetzt ein 26 Jahre alter Mann aus Ochtrup zu verantworten.
Vor dem Steinfurter Amtsgericht hatte sich jetzt ein 26 Jahre alter Mann aus Ochtrup zu verantworten. Foto: Alex Piccin

Wiederholt hatte der Angeklagte im Februar die Regionalbahn zwischen Gronau und Steinfurt mit jeweiligem Ausstieg in Ochtrup benutzt, ohne im Besitz eines gültigen Fahrscheins zu sein. Wie die Staatsanwältin vortrug, habe er von Anfang an nicht die Absicht gehabt, den Fahrpreis zu entrichten. Wegen der Häufigkeit des Schwarzfahrens bestünde ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung, auch wenn die einzelnen Vergehen nur von einem geringen materiellen Wert waren. Der Angeklagte räumte diese Taten ohne Umschweife ein. Er habe seiner Freundin aus einer Notlage helfen wollen. Weil er aber selbst mittellos gewesen sei, konnte er den Fahrpreis nicht bezahlen. Wegen der geständigen Einlassung wurde auf eine Einvernahme von Zeugen verzichtet und dieser Sachverhalt schnell abgeschlossen.

Vorfall an Rosenmontag im Stadtpark

Einen zeitlich größeren Rahmen nahm die Beweisaufnahme des Widerstandes gegen die Staatsgewalt ein. Am Rosenmontag des vergangenen Jahres sei der Ochtruper auf dem Festplatz im Stadtpark in einen Streit geraten. Die herbeigerufene Polizei habe dort einen Platzverweis ausgesprochen, dem der Angeklagte jedoch nicht Folge leistete. Vielmehr sei er in aggressiver Weise auf die Beamten losgegangen und habe sich auch von der Androhung von unmittelbarem Zwang nicht beeindrucken lassen.

Streit in einer Julinacht

Ein weiterer Fall soll sich nach der Anklageschrift im Sommer zugetragen haben. Hier habe der 26-jährige in einer Julinacht drei Polizeibeamte, die in Ochtrup zu einem mit körperlicher Gewalt ausgetragenen Streit gerufen worden waren, tätlich angegriffen und sich mit aller Gewalt gegen die Festnahme widersetzt. Wie die Polizisten in ihrem Bericht vermerkten, sei der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt sehr betrunken gewesen. Eine Blutprobe einige Stunden nach diesem Vorfall ergab noch einen Alkoholgehalt von fast 1,8 Promille. Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er keinerlei Erinnerung an diesen Vorfall habe. „Ich habe wohl einen Filmriss gehabt“, lautete die Aussage.

Die Staatsanwältin beantragte das Verfahren in diesem Fall einzustellen, weil der Angeklagte allem Anschein nach zumindest nur vermindert schuldfähig war. Nur ein aufwendiges Gutachten könne die Schuldfähigkeit in diesem Fall feststellen, was jedoch in Anbetracht der zu erwartenden Verurteilung wegen der weiteren Anklagepunkte nicht von entscheidender Bedeutung sei. Nach kurzer Aussprache stimmte das Gericht diesem Antrag zu, mit dem auch der Angeklagte und sein Verteidiger einverstanden waren.

Ein schwieriger Lebenslauf

In ihrem Urteil berücksichtigte die Richterin einen schwierigen Lebenslauf des Angeklagten seit seiner frühesten Jugend. Zwar habe er den Schulabschluss auf einer Sonderschule noch erlangt, aber Ausbildungsverhältnisse wurden von ihm schon nach kurzer Zeit abgebrochen. Verlust der Wohnung, zeitweise Obdachlosigkeit und schließlich Unterbringung in einer Wohngruppe waren weitere Stationen eines unsteten Lebens. Zudem leide er unter psychischen Einschränkungen, zu denen auch sein nicht unerheblicher Konsum von Betäubungsmitteln beigetragen habe. Sowohl die Bewährungshelferin wie auch der gesetzliche Betreuer bestätigten die Feststellungen und rieten unbedingt zu einer Psychotherapie und zur Hilfe bei einer Drogenberatungsstelle.

Bewährungsstrafe mit weiteren Auflagen

Neben der Bewährungsstrafe erteilte die Richterin dem Angeklagten weitere Auflagen. So wird ihm aufgetragen, einen bereits vereinbarten Termin bei einer psychologischen Tagesklinik wahrzunehmen, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten und sich um ein Gespräch mit einer Drogenberatungsstelle zu bemühen. „Und nehmen Sie die angebotene Hilfe und die zielführende Begleitung Ihres gesetzlichen Betreuers und der Bewährungshelferin an“, wandte sich die Richterin zum Abschluss des Verfahrens eindringlich an den Angeklagten.

Gerichtsverhandlungen unter Corona

Wegen der Coronapandemie finden die meisten angesetzten Verhandlungen beim Amtsgericht Steinfurt nicht statt. Auch die Verhandlung am vergangenen Mittwoch konnte nur unter eingeschränkten Bedingungen durchgeführt werden. Die ursprünglich als Zeugen geladenen Polizisten brauchten nicht zu erscheinen, da der Sachverhalt aus den Gerichtsakten nachzuvollziehen war. Hätte der Angeklagte die Tatvorwürfe nicht eingeräumt, hätte der Termin neu angesetzt werden müssen, bei dem die Zeugen hätten aussagen müssen. So konnte der Fall an diesem Verhandlungstag abgeschlossen werden, um dem Angeklagten eine Perspektive für ein künftiges straffreies Leben zu eröffnen.-nh-

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