Turnerinnen des SC Arminia trainieren online
Kraft und Beweglichkeit im Fokus

Ochtrup -

Die Turnerinnen von Arminia Ochtrup üben trotz des Trainingsverbots wegen der Coronapandemie. Online gibt Trainerin Daniela Müller den Mädchen und Frauen Übungen vor, die auch zuhause mitgemacht werden können. Küchenstühle ersetzen da schon mal Turngeräte.

Montag, 18.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 17:25 Uhr
Training vor dem Computer: Lea Löcker (l.) und Ria Ikemann halten sich im Lockdown fit.
Training vor dem Computer: Lea Löcker (l.) und Ria Ikemann halten sich im Lockdown fit. Foto: Arminia Ochtrup

Barren, Reck, Pferd, Ringe, Schwebe- und Stufenbarren fristen in Zeiten wie diesen ein einsames Dasein in den verlassenen Sporthallen. Schon beim ersten Lockdown wurden die Turngeräte eingemottet – und auch jetzt ist für die Turnerinnen des SC Arminia Ochtrup kein regulärer Trainingsbetrieb möglich.

Für die Trainerin der Leistungsriege, Daniela Müller , ein unhaltbarer Zustand. Schon nach der Trainingspause aufgrund des ersten Lockdowns beobachtete sie einen enormen Leistungsabfall bei einigen Sportlerinnen. „Man hat schon gemerkt, dass einige deutlich absacken“, berichtet sie von den ersten Trainingseinheiten nach dem Lockdown. Nach und nach holten die Turnerinnen das Defizit wieder auf. „Und dann kam Lockdown Nummer zwei“, war die Trainerin zunächst frustriert. Doch das legte sich schnell, und es kam die Idee auf, Online-Trainings abzuhalten.

Normalerweise trainiert Daniela Müller in der Leistungsriege die 14- bis 16-Jährigen und die jüngsten Turnerinnen im Grundschulalter. Aktuell hält sie allerdings ein altersübergreifendes Training ab. Mehrmals wöchentlich lädt sie zum Online-Training via Microsoft Teams ein. „Ich habe mir vorher verschiedene Übungen und Konzepte ausgedacht“, erzählt die Trainerin von den Vorbereitungen. Ihr Ziel: ein möglichst abwechslungsreiches Training, das den ganzen Körper anspricht. Etwa eineinhalb Stunden plant sie pro Sitzung ein.

Gestartet wird in der Regel mit einem Aufwärmprogramm, gefolgt von einer einstündigen Krafteinheit, bevor zum Schluss noch ausgiebiges Dehnen ansteht. „Der Vorteil ist, dass jeder jeden sehen kann“, sagt Daniela Müller. Anfangs sei es notwendig gewesen, dass sie die verschiedenen Übungen vormacht, mittlerweile wüssten die Sportlerinnen aber schon genau, was die Trainerin von ihnen will.

Weil ihre Turnerinnen daheim nicht alle das gleiche Equipment zur Verfügung haben, ist Daniela Müller dazu übergangenen, Alltagsgegenstände in die Übungen einzubauen. Statt professioneller Hanteln kommen etwa gefüllte Wasserflaschen zum Einsatz. Und statt aufweniger Turngeräte tut es auch mal ein Küchenstuhl. „Wer etwas anderes zu Hause hat, kann da natürlich aufstocken“, weiß die Trainerin, dass einige Turnerinnen entsprechend ausgestattet sind.

Schier begeistert ist Daniela Müller von den jüngsten Sportlerinnen. „Die Kleinen schlagen sich wirklich wacker“, ist sie stolz auf die Motivation der Turnküken. Obwohl die Übungen mitunter noch etwas zu schwer für sie seien, gebe es keinerlei Beschwerden und die Jüngsten bewiesen echten Biss.

Neben dem Nachwuchs profitieren auch einige ältere Turnerinnen. Jene nämlich, die aufgrund von Beruf oder Studium in der Woche gar nicht am Training teilnehmen können, schalteten sich nun via Teams dazu. „Das ist super“, freut sich Daniela Müller über die Trainingsdisziplin und die Motivation.

Und dann gibt es manchmal auch einige Gasthörer, zum Beispiel aus der Volleyball-Abteilung, die zum einen selbst fit bleiben wollen und zum anderen auf der Suche nach Inspiration für eigene Trainingsangebote sind.

Die Rückmeldungen auf das Online-Training seien durchweg positiv. Gerade den jüngeren Turnerinnen falle zu Hause sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. Sie wie auch ihre Eltern seien dankbar für diese Gelegenheit, sich mehrfach in der Woche auspowern zu können. Viele hätten zudem den Vorteil erkannt, dass die Kinder fürs Online-Training nicht in die Sporthalle gefahren werden müssen und sich auch niemand nach einer anstrengenden Einheit mit dem Fahrrad bis nach Hause quälen muss.

Das gemeinsame Training stärke aber nicht nur die Körper der Turnerinnen, sondern auch ihren Zusammenhalt. Keine Frage: Gemeinsam macht so eine sportliche Einheit natürlich viel mehr Spaß als alleine. Und obwohl Daniela Müller für die nötige Konzentration und Ruhe beim Training alle Teilnehmer auf „stumm“ stellt, kommunizieren die Vereinsmitglieder miteinander. „Es ist faszinierend, ich kann an der Körpersprache der anderen ablesen, was sie jetzt beim Training gesagt hätten“, erzählt die Trainerin lachend.

Sie selbst muss in den nächsten Wochen ein bisschen kürzer treten. Denn Daniela Müller ist hochschwanger. Trotzdem versucht sie noch möglichst lange, das Training mitzumachen. Künftig will sie sich dann aber mehr darauf konzentrieren, die Haltung und Ausführung der Übungen bei den anderen Turnerinnen zu korrigieren. „Solange es mir gut geht, mache ich weiter“, verspricht sie. Zudem verfüge der Verein über viele weitere qualifizierte Trainer, die nicht nur das Online-Training während ihrer Abwesenheit weiterführen, sondern auch langfristig die Lockdown-Defizite wieder aufholen könnten.

Daniela Müller kann sich vorstellen, das Online-Training als festen Bestandteil in den Trainingsplan einzubauen – auch nach dem Lockdown. Denn wenn das Krafttraining zu Hause stattfinde, „könnten wir unsere Hallenzeiten effektiver für die Vorbereitung auf Wettkämpfe nutzen“.

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