Nabu-Vogelexperten geben Tipps
So geht richtiges Zufüttern im Winter

Ochtrup -

In den Gärten sieht man in dieser Jahreszeit oft Vögel auf Futtersuche. Dabei können Menschen sie unterstützen. Experten des Nabu sagen, das Wie sei entscheidend. Sie geben Tipps und verraten unter anderem, dass den heimischen Piepmätzen ein Mix aus Fett und Samen am besten schmeckt.

Mittwoch, 17.02.2021, 10:00 Uhr
Was steht auf dem Speiseplan der heimischen Vogelarten? Bei der Zufütterung im Winter sollte einiges beachtet werden. Auf keinen Fall sollte Brot verfüttert werden.
Was steht auf dem Speiseplan der heimischen Vogelarten? Bei der Zufütterung im Winter sollte einiges beachtet werden. Auf keinen Fall sollte Brot verfüttert werden. Foto: Andrea Warnecke

„Bei der geschlossenen Schneedecke haben es unsere Vögel derzeit besonders schwer“, sagt Jürgen Wiesmann . Zufüttern ist für das Mitglied des Nabu-Kreisverbandes Steinfurt, der auch für Ochtrup zuständig ist, daher kein Problem. „Ich mache das sogar bis in das Frühjahr hinein. Der natürliche Speiseplan ist aufgrund des Insektensterbens sowieso eher karg. Da können unserer heimischen Vögel eine Energiezugabe gut vertragen.“

Ob zugefüttert werden darf, ist für Wiesmann keine Frage. Entscheidend ist aus seiner Sicht eher, wie man zufüttert. Grundsätzlich empfiehlt er einen Spenderbehälter, der das Futter vor Nässe und Witterungseinflüssen schützt, denn Nässe im Futter kann zur Ausbreitung von Krankheitserregern führen. „Am besten eignen sich daher sogenannte Futtersilos. Im Gegensatz zu den offenen Futterhäuschen verhindern diese Röhren auch die Verunreinigung durch Vogelkot“, erläutert der Fachmann. Gerade wenn die beliebten Futterhäuschen nicht alle zwei bis drei Tage vom Vogelkot gereinigt würden, bestehe die Gefahr, dass sich der Futterplatz für die Vögel als Infektionsquelle für Krankheiten entpuppt.

Insbesondere Meisen lieben auch Gemische aus Fett und Samen, die man selbst herstellen oder als Meisenknödel kaufen kann. „Bei Meisenknödeln muss man immer darauf achten, dass sie nicht in Plastiknetzen eingewickelt sind“, sagt Christian Härting , Vogelexperte beim Nabu NRW. „Die Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern und schwer verletzen.“

Der natürliche Speiseplan ist aufgrund des Insektensterbens sowieso eher karg. Da können unserer heimischen Vögel eine Energiezugabe gut vertragen.

Jürgen Wiesmann

Auf die Zufütterung mit Brot sollte man indes verzichten. Das sei viel zu salzig, quelle im Magen der Vögel auf und verderbe schnell. „Das vertragen die Tiere überhaupt nicht“, sagt Härting. Das gilt übrigens auch für Enten“, Wiesmann kauft die Futtermischungen für seine Gartenvögel im Fachhandel. Er hat auch schon mal Meisenknödel und Meisenringe aus Rindertalg selbst hergestellt. „Das gibt es beim Metzger. Aber ehrlich, wenn man das dann aufkocht, ist das schon eine stinkige Angelegenheit. Der Vorteil ist , dass man die Futtermischung variieren kann.“

Der Futterspender wird am besten an einer übersichtlichen, gut einsehbaren Stelle platziert, so dass sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können und der Blick für die Beobachtung unverstellt ist. Falls möglich, sollten in einem angemessenen Abstand Bäume oder Büsche Deckung bei eventuellen Attacken von Sperbern bieten. Eine Gefahrenquelle für die Vögel sind außerdem Glasscheiben in der Nähe der Futterstelle. Sie können leicht zur tödlichen Falle werden, wenn sich zum Beispiel Bäume im Glas spiegeln. Aufkleber oder eine Beklebung mit beliebigen Mustern kann hier Abhilfe schaffen.

Glasscheiben als Gefahrenquelle

Wer diese Tipps befolgt, kann im Winter vom Wohnzimmer- oder Küchenfenster die Vögel beobachten. Wobei Wiesmann festgestellt hat, dass seine Futterstellen im Moment weniger gut besucht sind, als sonst: „Seitdem der Schnee gefallen ist, sind weniger Vögel im Garten. Woran das liegt, kann ich im Moment nicht sagen“, wundert er sich.

Vorrangig für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt sei aber die Erhaltung von vielfältigen, naturnahen Lebensräumen, heißt es auf den Internetseiten des Nabu NRW. „Ein naturnaher Garten mit vielen Stauden und heimischen Sträuchern ist die beste Ganzjahreshilfe für unsere gefiederten Freunde im Siedlungsbereich. Hier lassen sich Vögel dann ebenso gut beobachten wie am Meisenknödel oder Futterhäuschen“, sagt Heide Naderer, Vorsitzende des Nabu NRW. Aber nicht nur in Privatgärten, auch in vielen Kommunen bleibe in dieser Hinsicht noch viel zu tun. Neben Dach- und Fassadenbegrünungen, strukturreichen Grünflächen und Parkanlagen mit altem Baumbestand und heimischen Wildpflanzen würden mehr Nisthilfen sowie eine Verminderung des Vogelschlags an Gebäuden und der Lichtverschmutzung zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

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