Urteil des Amtsgerichts Steinfurt
Bewährung für Schwarzfahrer

Steinfurt/Greven -

Der Angeklagte war kein Unbekannter im Gerichtssaal. Da die anderen Vergehen jedoch eine lange Zeit zurück liegen, sah die Richterin davon ab, den 32-jährigen Grevener wegen Schwarzfahrens ins Gefängnis zu schicken.

Samstag, 06.03.2021, 15:40 Uhr aktualisiert: 10.03.2021, 18:24 Uhr
Ein 32 Jahre alter Mann aus Greven ist in und um Ochtrup Bahn gefahren, ohne ein gültiges Ticket zu besitzen. Das warf ihm jetzt das Amtsgericht Steinfurt vor.
Ein 32 Jahre alter Mann aus Greven ist in und um Ochtrup Bahn gefahren, ohne ein gültiges Ticket zu besitzen. Das warf ihm jetzt das Amtsgericht Steinfurt vor. Foto: Michael Reichel

Ein Geständnis ohne Wenn und Aber, verlässliche Unterstützung durch die Eltern, eine feste Arbeitsstelle, eine erfolgreiche Drogentherapie und nur ein geringer Schaden ersparten einem 32 Jahre alten Grevener eine Freiheitsstrafe, die vollstreckt werden muss. Er hatte sich jetzt vor dem Amtsgericht Steinfurt wegen des Erschleichens von Leistungen zu verantworten.

Laut Anklage war der Grevener im Sommer 2020 drei Mal ohne Fahrkarte mit dem Zug von Steinfurt nach Och­trup und zurück gefahren. Der entstandene Schaden betrug etwa 50 Euro. Der Angeklagte führte in seiner Einlassung aus, dass er sich im vergangenen Jahr nach der Trennung von seiner Ehefrau und wegen Arbeitslosigkeit in erheblichen persönlichen und finanziellen Schwierigkeiten befand. Deshalb habe er mehrfach einen Freund in Ochtrup besucht, der ihm in dieser Zeit Trost und Stütze war.

Das Bundeszentralregister wies eine ganze Reihe einschlägiger Vorstrafen aus, die allerdings schon längere Zeit zurücklagen. Sie dienten überwiegend der Beschaffung von Drogen, die der Angeklagte in dieser Zeit regelmäßig konsumierte. „Aber ich habe mich verändert und will ein neues Leben aufbauen“, beteuerte der Grevener vor dem Amtsrichter. Eine Entgiftung und eine Langzeittherapie über ein halbes Jahr habe er erfolgreich abgeschlossen. Die schon mehrere Jahre zurückliegenden Gerichtsverhandlungen seien ihm unter Drogeneinfluss ziemlich egal gewesen, aber „heute habe ich richtig Bammel vor dem Gerichtstermin.“ Er wolle jetzt auf jeden Fall für seine Taten geradestehen, beteuerte er während der Sitzung.

Die Richterin verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 800 Euro. „Trotz des geringen Schadens ist das Maß irgendwann einmal voll“, führte die Richterin aus. „Aber ich nehme Ihnen Ihre Angaben zu Ihrer aktuellen Lebenssituation ab und vertraue darauf, dass Sie Ihre Vorsätze umsetzen werden.“

Sie habe ihm auch deshalb keinen Bewährungshelfer an die Seite gestellt, weil sie davon ausgehe, dass er aus eigener Kraft die Auflagen erfüllen könne.

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