Ochtruper und mutmaßlicher Komplize vor dem Landgericht
Raubüberfall auf Tankstelle sollte Drogen finanzieren

Ochtrup/Gronau/Münster -

Mit einem schwerer Fall von Beschaffungskriminalität befasst sich das Landgericht Münster. Angeklagt sind ein Ochtruper sowie ein Komplize, die in Gronau eine Tankstelle überfallen haben sollen. Dabei sollen sie unter Vorzeigen einer Waffe Bargeld aus der Kasse gefordert und auch bekommen haben.

Sonntag, 02.05.2021, 18:00 Uhr
Vor dem Landgericht muss sich unter anderem ein 49-Jähriger aus Ochtrup verantworten.
Vor dem Landgericht muss sich unter anderem ein 49-Jähriger aus Ochtrup verantworten. Foto: dpa

Eine massive Drogensucht und der unbedingte Wille, an Kokain heranzukommen, waren der Anlass für einen Raubüberfall auf eine Tankstelle an der Ochtruper Straße in Gronau. Zwei Männer, ein 49 Jahre alter Mann aus Ochtrup und ein 31-jähriger ohne festen Wohnsitz, die aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurden, hatten im November gemeinschaftlich die Tankstelle überfallen und 525 Euro erbeutet, hieß es in der Anklage, die jetzt zum Auftakt des Prozesses beim Landgericht Münster erhoben wurde.

Unzweifelhaft war der Tathergang, der durch die Überwachungskameras im Verkaufsraum der Tankstelle und durch die Zeugenaussage der Kassiererin festgestellt wurde. Danach hat zunächst der jüngere der beiden Angeklagten gegen 5.30 Uhr den Laden betreten und ein Käsebrötchen bestellt. Dabei verwickelte er die Angestellte in ein Gespräch und bat um eine Plastiktüte, da es an diesem Morgen regnete.

Als sie sich hinter der Ladentheke bückte, um dem Wunsch des Kunden nach-zukommen, betrat der Komplize den Verkaufsraum und begab sich hinter dem Tresen in die Hocke. Dabei bedrohte er die Angestellte mit einer Pistole und forderte die Herausgabe von Bargeld, was sie ihm unverzüglich aus der Kasse aushändigte. Schon kurz nach der Tat konnte der Räuber von einer alarmierten Polizeistreife aufgegriffen und in Gewahrsam genommen werden.

Während sich der 31-jährige am Freitag noch nicht zur Sache einlassen wollte, schilderte der Ochtruper die Ereignisse der vorherigen Nacht und den Tathergang aus seiner Sicht. Am Vorabend seien beide mit einem Taxi nach Enschede gefahren, was die als Zeugin geladene Taxifahrerin bestätigte. Dort habe er sich eine kleinere Menge Kokain besorgt, was er noch in dieser Nacht in der Wohnung eines Bekannten in Gronau konsumierte.

Die Vorstellung, keine Betäubungsmittel zur Verfügung zu haben, ließ den Plan reifen, sich an einer Tankstelle auf räuberische Weise Bargeld für den Drogenkonsum zu besorgen. „Wer Kokain konsumiert, will immer mehr“, schilderte er dem Gericht seine Abhängigkeit. Bei dem Überfall habe er eine schwarz-silberne Spielzeugpistole mitgeführt, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Jedoch habe er zu keiner Zeit die Absicht gehabt, die Angestellte ernsthaft zu bedrohen. „Ich will Ihnen nichts, ich will nur das Geld“, habe er zu ihrer Beruhigung zugerufen.

Die Zeugin bestätigte, dass der Angeklagte mit der Pistole nicht auf Kopf oder Kör-per gezielt habe, auch habe er nicht damit gedroht, die Waffe einzusetzen. Dass es sich um eine Spielzeugpistole gehandelt habe, sei für sie nicht erkennbar gewesen. Dennoch leide sie noch heute unter dem Geschehenem. Sie sei nicht mehr in der Nachtschicht eingesetzt, was für sie eine finanzielle Einbuße bedeute. „Auch die Unbefangenheit im Umgang mit Kunden ist nicht mehr da“, so ihre Aussage.

Neben dem Verfahren wegen des Raubüberfalls war der Ochtruper noch des mehrfachen Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt. Ein Scheinkäufer im Auftrag der Polizei, der ebenfalls als Zeuge vor Gericht erschien, hatte am Bremer Platz in Münster wiederholt geringe Mengen Kokain von ihm bezogen und damit dazu bei-getragen, ihn als Dealer zu überführen. Mit den Einnahmen habe er seinen Drogenkonsum finanziert, gestand der Angeklagte.

Am nächsten Verhandlungstag Mitte Mai wird eine Psychologin vor der 9. Großen Strafkammer ihr Gutachten vortragen. Dazu werde sie vor der Verhandlung noch ein Gespräch mit dem Hauptangeklagten führen und das Ergebnis in ihrer Aussage berücksichtigen.

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