Adventsserie
Wasser für eine ganze Stadt

Ochtrup -

Trinkwasser für die Töpferstadt: Im Turm auf dem Ochtruper Berg werden bis zu 3000 Kubikmeter des kühlen Nass zwischengespeichert. Stefan Gehring zeigt die Anlage, die Besucher nur bei einer besonderen Führung betreten dürfen.

Mittwoch, 07.12.2016, 06:12 Uhr

Die Brücke im Speicher. Das klare Wasser lässt die Dimensionen kaum erahnen.
Die Brücke im Speicher. Das klare Wasser lässt die Dimensionen kaum erahnen. Foto: Anne Spill

„Sie dürfen hier ruhig ein Foto machen.“ Stefan Gehring steht nur ein paar Meter weiter auf der Brücke im Wasserspeicher auf dem Ochtruper Berg , und doch ist der Stadtwerke-Mitarbeiter schwer zu verstehen. Seine Stimme verliert sich in dem düsteren Rund – zu stark ist der Nachhall. Aber das begleitende Nicken signalisiert dem Besuch vom Tageblatt: Ja, Bilder sind hier drinnen erlaubt.

Es passiert selten, dass jemand von oben einen Blick in die Wasserkammern werfen kann. Schon alleine aus hygienischen Gründen – lagert in diesem riesigen Behälter doch das sorgsam überwachte Trinkwasser für die gesamte Töpferstadt. Doch grundsätzlich führt Gehring gerne interessierte Besucher durch das in den Sechzigern errichtete und 2005 umfassend sanierte Bauwerk. Und dort gibt es noch allerhand mehr zu sehen als die Wasserbecken selbst.

Stefan Gehring im Pumpenkeller.

Stefan Gehring im Pumpenkeller. Foto: Anne Spill

Das vorgebaute Pumpenhaus etwa, in dem der Gast sogleich steht, wenn er die Schwelle der Eingangstür überschritten hat. Mit Blick auf die vielen Monitore wird alsbald deutlich: Alles läuft mit Hilfe von Computertechnik. „Der Speicher wird fernüberwacht“, bestätigt Stefan Gehring, bei den Stadtwerken der Abteilungsleiter Gas und Wasser. Nur zur Kon­trolle schaut regelmäßig jemand vorbei – oder wenn etwas mal nicht läuft wie geplant. So oder so führt der Weg dann in den Keller des Gebäudes. Denn dort befindet sich mit den verschiedenen Rohren und Pumpen das Herz der Anlage.

Vom Wasserwerk in Offlum zum Berg

Das Wasser, erklärt Stefan Gehring, wird über zwei jeweils 13 Kilometer lange Leitungen vom Wasserwerk in Offlum zum Zwischenspeicher auf dem Berg transportiert. Der hat ein Fassungsvermögen von insgesamt 3000 Kubikmetern in zwei Kammern. Das sind drei Millionen Liter Wasser. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 160 Kubikmeter Wasser, also 160 000 Liter.

Vom Ochtruper Berg aus – 82 Meter über dem Meeresspiegel – wird das kühle Nass über ein 300 Kilometer langes Verteilungsnetz in das gesamte Versorgungsgebiet geleitet. Unterschieden wird dabei zwischen zwei Bereichen: der Hochzone, die ebenfalls am Berg gelegen ist und etwa zehn Prozent ausmacht, und dem Stadtnetz.

Die Außenansicht.

Die Außenansicht. Foto: Anne Spill

Über den Tag – natürlich ist der Speicher 24 Stunden im Betrieb – wird kontinuierlich Reinwasser in den Behälter eingeleitet und je nach Bedarf wieder hinausbefördert. Der Pegel, der bei 5,40 Meter sein Maximum erreicht, schwankt im Verlauf. „Morgens ist der Bedarf größer, wenn alle aufstehen und duschen“, erklärt Gehring. Zur Mittagspause, wenn die Ochtruper kochen, sowie gegen Abend, wenn die Töpferstädter von der Arbeit heimkommen, sind weitere Spitzen zu verzeichnen. „Nachts geht die Abgabe dann gegen Null“, erklärt Gehring weiter.

Tagesbedarf der Töpferstadt

Wie hoch die „Tagesration“ ist, hängt von der Jahreszeit ab. Bei einer Trockenperiode im Sommer können es nach Angaben des Stadtwerke-Mitarbeiters schon mal 4500 bis 5000 Kubikmeter Wasser sein, im Winter beläuft sich der Bedarf pro Tag eher auf 3000 bis 3500 Kubikmeter. Zu Engpässen in der Versorgung soll es nicht kommen können. Und bei ungeplanten Zwischenfällen gebe es zur Sicherheit einen Notverbund mit dem Trink- und Abwasserverband Schüttorf und den Stadtwerken Gronau, erläutert Gehring.

Ein recht beeindruckender Gedanke, dass der Beton- und Klinkerbau zwischen Freibad und Bergwindmühle also annähernd den Tagesbedarf an Wasser einer ganzen Stadt umfasst. Der bloße Blick in das glasklare Nass in den Kammern lässt die Dimension kaum erahnen – erst die Messlatte am Beckenrand gibt Aufschluss. Wer sich selbst davon überzeugen will, kann sich an Stefan Gehring wenden. Unter bestimmten Voraussetzungen zeigt er Besuchern nicht nur den Pumpenkeller, sondern auch die Brücke im Hochspeicher. Erinnerungsfotos erlaubt . . .

Zum Thema

Wer Interesse an einer Führung durch das gesamte Wasserwerk einschließlich Zwischenspeicher hat, erreicht Stefan Gehring unter Telefon 0 25 53/71 24.

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