Berufsschullehrer vor Gericht
Schüler in den Schwitzkasten genommen

Tecklenburger land -

Weil er einen Schüler im Unterricht körperlich misshandelt haben soll, muss sich zurzeit ein Berufsschullehrer vor dem Amtsgericht Ibbenbüren verantworten. Laut Anklage hat der Ibbenbürener den heute 19-Jährigen zum Beispiel in den Schwitzkasten genommen.

Sonntag, 22.02.2015, 22:02 Uhr

 
  Foto: dpa

Dem Vorfall am 5. Mai 2014 soll eine Diskussion um die Vorfälle in der Ukraine vorweggegangen sein. Da der Lehrer anschließend noch eine Klausur besprechen wollte, habe er um Ruhe im Klassenraum gebeten. Der Schüler jedoch, seine Eltern stammen aus Russland , sei noch aufgewühlt gewesen und habe trotz mehrfacher Ermahnung gelärmt. Daraufhin wollte der 58-Jährige den jungen Recker aus dem Raum bringen. Dabei gerieten die beiden aneinander und kamen zu Fall. Auf dem Boden liegend hat der Lehrer den Schüler laut Anklage in den Schwitzkasten genommen, „um ihn zu beruhigen“. Der Schüler wurde ruhig, verließ den Raum – und erstattete später Anzeige bei der Polizei .

Um herauszufinden, was an jenem Tag genau passiert ist, hatte das Gericht für den Termin am Freitag 15 Zeugen geladen. Davon gaben jedoch sieben an, über zum Teil erhebliche Erinnerungslücken zu verfügen und den Vorfall kaum oder sogar gar nicht mitbekommen zu haben – obwohl sie zur Tatzeit im selben Raum saßen. Das machte Staatsanwalt, Gericht und Verteidigung stutzig. „Wenn so etwas in meiner Schulzeit passiert wäre, dann könnte ich noch meinen Urenkeln davon erzählen“, sagte etwa der Verteidiger des 58-Jährigen.

Die Schüler, die sich doch noch an den Vorfall erinnern konnten, erklärten im Großen und Ganzen, dass der Vorfall nicht so schlimm und nur von kurzer Dauer war. Nachdem neun Zeugen ihre Aussage gemacht hatten, bot der Staatsanwalt dem Angeklagten daher an, das Verfahren wegen geringen Verschuldens einzustellen. Ein Disziplinarverfahren erwartet den Lehrer in jedem Fall. Der Verteidiger des Berufsschullehrers lehnte das Angebot jedoch ab. „Wir sitzen hier, um einen Freispruch zu erwirken“, sagte er. Und notfalls wolle er bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen.

Von den übrigen Zeugen ließ schließlich der vorletzte die Anwesenden aufhorchen. Er gab nämlich an, dass in der Schule ein Gerücht zum Vorfall kursiert sei. Demnach habe bei den Verletzungen, die der 19-Jährige angeblich durch seinen Lehrer erlitten hatte, ein Kumpel des Klägers nachgeholfen. Der Freund habe etwa für eine Rippenprellung gesorgt – nach der Tat. Dadurch sollte dem 58-Jährigen eins ausgewischt werden. „Dem ist Vieles zuzutrauen. Der hat früher schon viele Scheiße gebaut“, sagte der Zeuge über den 19-Jährigen.

Was an dem Gerücht dran ist, dem konnten die Anwesenden jedoch nicht mehr nachgehen. Die Jugendlichen waren nämlich schon entlassen worden. Sie sollen nun noch einmal geladen werden. „Ich bin froh, dass wir uns nicht darauf eingelassen haben“, kommentierte der Verteidiger, dass er das Angebot des Staatsanwalts abgelehnt hatte.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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