Erinnerungen an das Dürrejahr 1959
„Und seit Tagen brennt das Moor“

Tecklenburger Land -

Angesichts von Rekordtemperaturen weit über 30 Grad und anhaltender Trockenheit in den vergangenen Wochen liegen Superlative und Begriffe wie Jahrhundertsommer nahe. Aber ältere Menschen erinnern sich, dass es einen solchen Sommer auch schon 1959 gab.

Montag, 13.08.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.08.2018, 19:00 Uhr
Eine große Dürre wie in diesem Sommer gab es auch im Jahr 1959.An der Recker Straße in Bockraden steht dieser Betontrog. 1959 wurden davon viele in den Wiesen aufgestellt.
Eine große Dürre wie in diesem Sommer gab es auch im Jahr 1959.An der Recker Straße in Bockraden steht dieser Betontrog. 1959 wurden davon viele in den Wiesen aufgestellt. Foto: imago/Ralph Peters

erinnert sich Robert Herkenhoff aus Recke, seien zum Beispiel in den Wiesen der Umgebung Betontröge als Viehtränken aufgestellt worden. Die sind bis heute noch hier und da zu sehen.

Landwirt Hubert Gersemann, Buchholzstraße, kann sich noch gut an den Sommer 1959 erinnern. Weil die wasserführende Schicht über den Kohleflözen verlief und die Preussag (heute RAG) die Kohle abgebaut hatte, sei den Quellen das Wasser entzogen worden und aus den vorhandenen Brunnen habe kein Wasser mehr gepumpt werden können. Deshalb seien die Wassertröge von der Preussag im Zuge der Bergschäden-Regulierung überall im Einzugsgebiet des Ibbenbürener Bergwerks aufgestellt worden. Etwa 500 bis 600 Liter Wasser fassten sie und wurden mit Wasserwagen im Auftrag der Zeche regelmäßig befüllt, erinnert sich der 81-Jährige.

Er kann sich auch noch erinnern, dass die Tröge vom Bauunternehmen Bruns in Hörstel geliefert worden seien. Viele zumindest. Und wo keine Betontröge zu beschaffen waren, wurden große Blechfässer aufgestellt, um das Vieh mit Wasser zu versorgen.

der Recker Straße in Ibbenbüren-Bockraden steht dieser Betontrog. 1959 wurden davon viele in den Wiesen aufgestellt

der Recker Straße in Ibbenbüren-Bockraden steht dieser Betontrog. 1959 wurden davon viele in den Wiesen aufgestellt Foto: Robert Herkenhoff

Schon im Mai, erinnert sich der Landwirt, war alles trocken. Da habe seine Schwester geheiratet. Und am 13. August habe sein Nachbar geheiratet. „Da hat es zum ersten Mal wieder geregnet.“

In einem Zeitungsbericht heißt es dazu: „Unschätzbare Dürreschäden im Kreis Tecklenburg: Verdorrte Wiesen, staubtrockenes Land, kein Futter“. So lautete der Titel eines Artikels, der am 19. September 1959 erschien. Weil der monatelange heiße Sommer das Land hatte austrocknen lassen, fuhr damals Redakteur Alois Veismann durchs Tecklenburger Land, um sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Dürre und der Folgen zu machen. „Viele Landwirte mussten schon ihren Viehbestand reduzieren“, schrieb Veismann am 19. September 1959. Die Trockenheit habe das Tecklenburger Land „ausgedörrt“, wie seit 40 Jahren nicht.

In Dreierwalde zum Beispiel war die wasserreichste Wiese des Bauern Wieschemeyer, die im Vorjahr nur in Gummistiefeln zu betreten gewesen war, völlig ausgetrocknet. „Alles vertrocknet, alles verbrannt“, schilderte damals der Bauer. „Meine Milchlieferung ist von 200 Liter auf 70 Liter zurückgegangen bei 14 Milchkühen“, wurde der Landwirt zitiert.

Über Hopsten, Schale, Halverde ging die Fahrt des Redakteurs durch die Düsterdieker Niederung nach Westerkappeln. „Die Niederung ist backofentrocken.“ Wassergräben seien ausgedörrt und durch die Sohlen der Entwässerungsläufe fuhren Raupenschlepper. „Und im Hintergrund brennt seit Tagen das Moor. Und es wird noch Wochen brennen, wenn nicht endlich der große Regen kommt.“

In der Westerkappelner Molkerei sagte damals ein Landwirt, er habe aus Futtermangel vier Kühe und sechs Rinder verkaufen müssen. „Die Silos sind leer und können auch nicht gefüllt werden.“ Der damalige Leiter der Molkerei Westerkappeln sah eine schwere Versorgungskrise kommen, „wenn nicht bald mit Notstandsmaßnahmen eingegriffen wird“. Veismann schrieb: „Und während wir uns für die Gastfreundschaft bedanken, brüllt draußen vor den Toren der Molkerei das Vieh auf den Weiden. Vor Hunger!“

Der Leiter der Ibbenbürener Molkerei sagte damals: „Es sieht katastrophal aus auf dem Milch- und Buttermarkt. Täglich werden in Ibbenbüren infolge der Dürre rund 10 000 Liter Milch weniger angeliefert.“ Die Wasserknappheit beschrieb er mit folgendem Satz: „Mit Wasserwagen erhalten Menschen und Tiere das kostbare Nass.“ Eine Meldung vom 9. Juli 1959 hieß: „Mit 34 Grad im Schatten verzeichnete gestern das Tecklenburger Land den bisher heißesten Tag des Jahres. “

Wasserversorgungsverband gegründet

Die Gründung des Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land (WTL) steht in der Folge des Dürresommers 1959. Am 28. Dezember 1959 schlossen sich im Gasthof Kunze Ibbenbüren Stadt, Ibbenbüren-Land, Mettingen, Recke, Hopsten, Hörstel, Bevergern und Riesenbeck zum Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land zusammen.Bis 1966 traten noch Westerkappeln, Lotte, Lienen, Lengerich, Wersen, Ledde, Leeden, Brochterbeck, Dreierwalde, Tecklenburg, Schale, Halverde und Ladbergen bei. Unter der Überschrift „Wassergewinnungsanlagen schaffen – Verbrauch stieg in der Trockenperiode um bis zu 200 Prozent“ hieß es am 1. August 1959, das Landwirtschaftsministerium NRW führe die Missstände bei der Wasserversorgung zum Teil auch darauf zurück, dass in einzelnen Gegenden des Landes nicht ausreichend für eine Erweiterung bestehender oder die Schaffung neuer Wassergewinnungsanlagen gesorgt wurde.

...

Am selben Tag gab es auch eine kurze Meldung darüber, dass die Roggenernte – früher als sonst – begonnen habe. Schon im Frühjahr hatte das außergewöhnlich heiße Wetter begonnen. Eine Meldung aus dem April: „Mit Temperaturen bis zu 25 Grad waren Dienstag und gestern die heißesten Apriltage, die seit 1876 für den 14. April verzeichnet wurden.“

Am 8. Juli gab es eine Meldung unter der Überschrift „Herthasee hat wieder Wasser“. Darin hieß es, der See sei nun mittels langer Schläuche mit Kanalwasser versorgt worden. „Bei der langen Hitze der letzten Wochen war der Herthasee kaum noch als See anzusprechen. Das zweite Becken und der Stollen waren fast ausgetrocknet.“

Ebenfalls am 8. Juli meldete die Zeitung in Ibbenbüren, dass „unsere Badeanstalt“ an den letzten drei Tagen über 5000 Besucher gezählt habe. „Insgesamt beträgt die Zahl der Besucher in dieser Saison schon über 43 000 und hat damit einen noch nie dagewesenen Rekord aufgestellt, denn bis Anfang Juli vorigen Jahres waren es erst knapp 13 000 Besucher.“

Und auch andernorts wurde gebadet. Eine Meldung vom 21. Juli 1959 aus Hopsten: „Baden nur in der Aa. Wie sehr hier eine Badegelegenheit vermisst wird, macht sich gerade in diesen warmen Tagen bemerkbar. Da das Baden im kleinen Heiligen Meer nicht mehr gestattet ist, sieht man viele Badelustige, die sich in der Aa tummeln.“

Im November 1959 gab es einen Bericht über einen Vortrag des Bezirksförsters, der vor Halverder Waldbauern auch Stellung nahm zu den Auswirkungen des „ausnahmsweise trockenen Sommers“ auf die Baumbestände. „Bei den Neuanpflanzungen sind natürlich die Schäden am größten. Es ist erreicht worden, dass schon bepflanzte, aber verdorrte Flächen noch einmal bezuschusst werden können“.

Ähnlich wie in diesem Jahr begann auch 1959 schon früh die Ernte. Von „Erntehochbetrieb im Kreis Tecklenburg“ wurde am 25. Juli berichtet. Laut Landwirtschaftsministerium sei die Versorgung mit Brotgetreide zwar gesichert, aber die geringen Erträge infolge der Trockenheit beeinflussten die Kartoffelpreise stark. Kartoffeln würden gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent teurer. Besonders stark hätten Obst und Gemüse unter der Dürre gelitten.

Schon am 23. Mai 1959 war in der Zeitung zu lesen: „Das regenarme Frühjahr hat der Landwirtschaft nicht unerhebliche Schäden zugefügt. Vor allem auf dem höher gelegenen sandigen Esch standen und stehen weite Kornfelder wie in der Notreife. Die Wiesen und Weiden zeigen große, dürre Kahlflächen, in denen der Tipulawurm schmarotzt. (...) In den Fichtenbeständen haust die Sitkalaus und der Eichenwickler hat die mächtigen Laubkronen trostlos kahl gefressen. (...)

Auch Brandgefahr brachte die Dürre mit sich: „Eine andere große Gefahr droht unseren Wäldern durch Fahrlässigkeit und Brandstiftung. Unsere Wehren wurden in der letzten Zeit wiederholt zu Waldbränden gerufen“, berichtete die Presse dazu schon am 23. Mai 1959.

Und am 21. Juli hieß es: „Liebe Spaziergänger! Bitte denkt daran, dass Ihr in den Wäldern nicht rauchen dürft (...) Wir sind in größter Sorge um die Wälder vor unserer Stadt.“

Am 18. Oktober berichtete die Zeitung: „Halverder Moor restlos vernichtet. Ganze Fläche ein Raub der Flammen“. „Wenn nicht bald ergiebiger Regen fällt, wird wohl niemand mehr an einen Torfstich denken brauchen, denn schon jetzt hat sich das Feuer stellenweise einen Meter tief eingefressen.“

Am 27. Juni 1959 erschien ein Bericht mit dem Titel „Wenn nicht bald Regen fällt, gibt es eine Erntekatastrophe“. Landwirte in Paderborn hätten „die jetzige Dürre als die größte seit 1893“ bezeichnet. Die größte Dürrekatastrophe in Mitteleuropa habe es 1842 gegeben. Laut Chroniken seien auch die Sommer 1746, 1782 und 1447 ausnehmend heiß gewesen.

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