„Lesen durch Schreiben“
Plädoyer für Methodenvielfalt

Tecklenburger Land -

Eine Lehrmethode zum Erwerb der Schriftsprache in den Grundschulen steht derzeit massiv in der Kritik: Die Methode „Lesen durch Schreiben“ nach Jürgen Reichen, auch „Schreiben nach Gehör“ genannt. Kerstin Ruthenschröer, Bundessprecherin Junger VBE (Verband Bildung und Erziehung), ärgert sich sehr über die gegenwärtige Diskussion. Sie plädiert für Methodenvielfalt.

Dienstag, 02.10.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 06:00 Uhr
Das Wort „Maschine“ ist lautgetreu, das Wort „Schiene“ dagegen nicht. Da sind weitergehende Rechtschreibregeln nötig, damit es richtig wird.
Das Wort „Maschine“ ist lautgetreu, das Wort „Schiene“ dagegen nicht. Da sind weitergehende Rechtschreibregeln nötig, damit es richtig wird. Foto: Oliver Langemeyer

Befeuert wurde die aktuelle Diskussion maßgeblich durch eine Studie der Universität Bonn , Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

Die Studie untersuchte die Rechtschreibleistungen von rund 3000 Grundschulkindern und fand bei Kindern, die nach dieser Methode lernten, schlechtere Ergebnisse, als bei denen, die zum Beispiel nach der sogenannten „Fibel-Methode“ unterrichtet wurden. Einer der maßgeblichen Kritiker ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger . Er fordert tiefgreifende Konsequenzen.

Die Methode „Lesen durch Schreiben“

Jürgen Reichen, der die Methode „Lesen durch Schreiben“ entwickelte, empfiehlt eine Anlauttabelle. In einer Anlauttabelle werden möglichst alle typischen Laute einer Sprache schriftlich zusammen mit einem Anlaut-Bild aufgeführt. Neben jedem Laut ist mindestens ein Objekt abgebildet, dessen Name mit diesem Laut beginnt. Schüler sollen damit das Schriftbild eines Wortes Laut für Laut zusammensetzen können. So können die Kinder sehen, wie Sprache verschriftet wird, sie lernen die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Zerlegung eines Wortes in seine Lautbestandteile und die lauttreue Verschriftung. „Da kann man lange dran arbeiten, ohne dass man die Kinder einschränkt, die Kreativität der Kinder wird so gefördert.“, sagt Kerstin Ruthenschröer. Mit der Fibel-Methode haben Schüler einen engeren Rahmen, sie lernen Buchstabe für Buchstabe. Und es kommen nur Wörter mit Buchstaben vor, die man schon gelernt hat. Dieser Gleichschritt könne Schüler auch ausbremsen. „Alle Schulen, die ich kenne, arbeiten mit einer Methoden-Vielfalt.“

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Kerstin Ruthenschröer , Bundessprecherin Junger VBE ( Verband Bildung und Erziehung ), ist Lehrerin an einer Grundschule im Tecklenburger Land und lebt in Recke. Sie ärgert sich sehr über die gegenwärtige Diskussion um die Methoden. „Wie kann man über eine einzelne Methode diskutieren, wo wir die Riesenprobleme mit dem Lehrermangel haben. Wir haben im Moment auch viele Seiteneinsteiger und wir haben Mangelfächer, das muss man auch im Blick haben. Gar nicht zu reden von Mängeln in der Lehrerausbildung.“ Sie könne nicht verstehen, „wie man das Vertrauen gegenüber den Grundschullehrern so gefährlich in Frage stellen“ könne, geißelt sie die Diskussion, die auch von Politikern getrieben werde.

Vom Lehrplan her sind Zielvorgaben formuliert, es wird aber nicht vorgegeben, wie man sie erreicht. „Jede Schule hat ihr eigenes Konzept, wie die Schriftsprache erworben wird“, so Ruthenschröer. Und niemand werde ausschließlich die Methode „Schreiben nach Gehör“ verwenden. „Das ist eine Utopie“.

Kerstin Ruthenschröer: Jede Schule hat ihr eigenes Konzept, wie die Schriftsprache erworben wird.

Kerstin Ruthenschröer: Jede Schule hat ihr eigenes Konzept, wie die Schriftsprache erworben wird.

Aber das Schreiben nach Gehör „finde ich persönlich für den Anfang ganz wichtig.“ Deutsch sei eine Lautsprache, viele Wörter ließen sich lautgetreu aufschreiben, „Wir haben Buchstaben, die einem Laut zugeordnet werden können.“

Natürlich gebe es auch die Schwierigkeit, dass bestimmte Buchstaben mehrere Laute haben, ein e mitunter auch nach einem ö- oder einem ä-Laut klinge. „Ich finde aber, man muss als Lehrkraft den Schülern erst einmal deutlich machen, dass die Buchstaben Laute haben, das dadurch das Wort entsteht.“ Natürlich seien aber auch hochqualifizierte Lehrer nötig, um den Schriftspracherwerb kompetent begleiten können.

„Wir haben eine enorme Methodenvielfalt“, so Ruthenschröer. „Jeder lernt eben anders.“ Genau deshalb „brauchen wir die Methodenvielfalt, um Kinder individuell fördern zu können.“

Das Wichtigste sei, dass die Lehrer eine Transparenz schaffen, wie der Unterricht in der Schule durchgeführt wird und ich möchte Eltern ermutigen, sich zu erkundigen“, so Ruthenschröer.

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