Saerbeck
Windturbine und Wasserschraube

Freitag, 10.08.2007, 14:08 Uhr

Saerbeck . Zwei Namen für zwei unterschiedliche Gebiete, die sich zudem noch auf zwei Gemeinden verteilen: Das Naturschutzgebiet „Grützemachers Kanälchen und Haverforths Wiesen“ fügt per Verordnung zusammen, was zumindest vom Landschaftsbild her nicht unbedingt zusammen gehört. Der größere Teil der in diesem Jahr auf 255 Hektar erweiterten Fläche, Haverforths Wiesen, entfällt dabei auf das Stadtgebiet Hörstel. Es handelt sich um ein Feuchtwiesengebiet, dass vor allem wegen der rund zehn Brutpaare des Großen Brachvogels eine besondere Bedeutung hat.

Klein, aber dennoch fein, diesen Anspruch kann „Grützemachers Kanälchen“, der überwiegend auf Saerbecker Territorium gelegene südliche Zipfel des Naturschutzgebietes, für sich beanspruchen. Vor allem Botaniker können dort manche Entdeckung machen.

Seinen eigentümlichen Namen verdankt das Gebiet einem Kanal, der auf Betreiben von Wilhelm Jackson , dem Besitzer des Gutes Ludwigswald, in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Nähe des ehemaligen Hofes Grützemacher angelegt wurde. Bis dahin waren die Ländereien landwirtschaftlich nur schwer nutzbar, da weder nach Norden zur Flötte noch nach Süden zum Saerbecker Mühlenbach eine ausreichende Vorflut bestand. Ein verzweigtes, rund drei Kilometer langes Grabensystem sollte damals den hohen Grundwasserspiegel senken und Abhilfe schaffen. Um den Wasser den nötigen „Anschub“ zu geben, errichtete man am nördlichen Ende von Grützenmachers Kanälchen ein 45 Meter hohes Stahlgerüst mit einem Windrad, das wiederum eine Archimedische Schraube antrieb, die das Wasser um einen Meter anhob und so auf den Weg in Richtung Norden zur Flötte brachte. Während des Zweiten Weltkrieges verfiel die Anlage zusehends. Wer heute nach den noch vorhandenen Resten des Fundaments und der Wasserschraube Ausschau halten möchte, muss schon genau wissen, wo er suchen muss. Die Vegetation hat mittlerweile einen grünen Mantel über das verfallene Bauwerk gelegt, auf das lediglich die Bezeichnung „Turbinenweg“ für einen Wirtschaftsweg auf Hörsteler Gebiet noch hinweist.

Durch die Begradigung und Vertiefung der Flötte im Zuge der Flurbereinigung ist der Kanal heute technisch zwar überflüssig, hat sich aber im Laufe der Jahre zu einem wertvollen Lebensraum entwickelt. Die Wasserfeder, deren grazile Blüten die Wasseroberfläche nur wenig überragen, oder der Zungenhahnenfuß gehören zu den landesweit gefährdeten Pflanzen, die hier noch wachsen.

Dass der Grundwasserstand im Naturschutzgebiet nach wie vor hoch ist, verdeutlichen nicht nur die Erlenbruchwälder, die im Frühjahr lange Zeit unter Wasser stehen. Er hat auch die Anlage von zahlreichen Teichen begünstigt. Hier brütet der Zwergtaucher, der kleinste europäische Taucher, der von hinten wegen seiner abstehenden Federn wie eine Puderquaste aussieht und kaum größer als ein Entenküken ist. Er macht vor allem im Frühjahr durch seinen Balztriller auf sich aufmerksam. Noch scheuer und kaum einmal zu sehen ist der Pirol, der ebenfalls gelegentlich im Naturschutzgebiet brütet. Ab Mai lässt er seinen melodisch flötenden Gesang hören, der ihm den Namen „Vogel Bülow“ eingebracht hat.

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