Saerbeck
Kinderstube von Fuchs und Biber

Donnerstag, 22.04.2010, 15:56 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.04.2010, 15:56 Uhr

Saerbeck - Etwas wackelig, aber mutig balancieren die gerade einmal vier Wochen alten Waliser-Ziegen auf einem Betonrohr. Zeitgleich mischen zwei junge Lämmer mit einem Boxkampf das Gehege der Muffel-Wildschafe auf. Im Westladbergen tobt das Leben - für den Leiter des Wildfreigeheges Christoph Behring ist der Frühling eine besonders schöne Zeit: „Die Jungtiere erforschen die ihnen neue Welt, spielen und klettern. Besonders beobachten sie ihre Eltern. Was fressen die, wie ist ihr Verhalten beispielsweise gegenüber Fremden?“

Was momentan noch Spaß ist, wird irgendwann zum Ernst des Lebens. So wie bei den boxenden Lämmern: „Die vier Muffel-Lämmer jagen sich, kämpfen und boxen Kopf an Kopf. Sie üben und bereiten sich spielerisch auf die Brunftzeit vor. Da geht es nämlich richtig zur Sache. Aus zehn Metern Entfernung rennen die Böcke dann auf einander zu. Das Geräusch bei dem Aufprall ihrer Geweihe gleicht einem Gewehr-Schuss.“ Der Ernst des Lebens - in der Natur bedeutet das den fortwährenden Kampf um die Position des Stärksten. Christoph Behring muss lachen: „Im Endeffekt dreht sich eben auch bei den Tieren alles um die Frauen.“

Wie schnell die Jungtiere bereit sind, ihre Umwelt zu erkunden, hängt allerdings von der jeweiligen Tierart ab. Große Unterschiede lassen sich beispielsweise bei den Sumpfbibern und den Füchsen beobachten. Christoph Behring tritt an das Gehege der aus Südamerika stammenden Nutria-Sumpfbiber. Eines der drei Jungtiere verlässt gerade den Teich, um sein Fell gründlich zu putzen. „Vor 14 Tagen sind die Jungen geboren und waren sofort startklar. Sie sind quasi direkt fertig und können nach einigen Stunden bereits schwimmen.“

Ein ganz anderes Bild zeigt sich nur einige Meter weiter, in dem Gehege der Füchse: Ein weißes Knäuel lugt aus dem Fuchsbau. Eingerollt liegt das Muttertier dort, wärmt und beschützt seine drei Jungen. Erst drei Tage auf der Welt, können sie weder laufen, gucken und haben kein Fell. „Die Fuchs-Jungen werden erst nach vier Wochen bereit sein, den Bau zu verlassen.“

Gibt es Lieblinge unter den vielen Zöglingen? Christoph Behring muss kurz überlegen: „Die vier Jungtiere der Waliser-Ziegen sind besonders witzig, wenn sie ihre waghalsigen Kletteraktionen starten. Außerdem die Jungtiere der Muffel-Wildschafe oder die vier kleinen Mädels der Scottisch- Blackface-Schafe. Das sind die Hits der Kids, weil sie unterhaltsam sind und gefüttert werden dürfen.“

Der Frühling kehrt ein ins Wildfreigehege, und die Wildschweine mit ihren Frischlingen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Nach einem ausgiebigen Schlammbad legen sie sich zum Schlafen in die Sonne. Bis das Pfeifen von Christoph Behring ertönt. Da nämlich kommen alle auf einmal an den Zaun: „Die 18 Frischlinge sind von Anfang März. Sie erkunden das Gehege, wühlen nach Würmern und allem, was irgendwie essbar ist.“ Hauptmahlzeit ist aber die Muttermilch. In einer Reihe liegen die Frischlinge dann vor der Bache um die frische Milch zu saugen. Mit vor Begeisterung großen Augen stehen die Kinder vor den Gehegen und beobachten die herum tollenden Jungtiere. Der Besuch im Wildfreigehege ist derzeit ein besonderes Erlebnis - eine Kostprobe blühendes Leben.

» Öffnungszeiten des Saerbecker Wildfreigeheges: werktags 9 Uhr bis 18 Uhr, sonntags 9 Uhr bis 19 Uhr, montags geschlossen. Kinder bezahlen zwei Euro, Erwachsene vier Euro Eintritt.

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