Saerbeck
Das Kreuz mit der „Buckelpiste“

Freitag, 06.08.2010, 10:57 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 06.08.2010, 10:57 Uhr

Saerbeck - „Jetzt kommt die Passage, da kommt der Konfirmanden-Kaffee wieder hoch.“ Die Seniorin trägt es mit Humor, als ihr Rollstuhl über die „ Buckelpiste “ am Kirchplatz ruckelt. Ein anderer scherzt: „Jetzt kriegen wir alle Schüttelfrost.“ Die „Rolli-Fahrer“ aus dem Seniorenzentrum, die jeden Freitag den Markt besuchen, sind gut gelaunt. An den Ständen wird frisches Obst gekauft, am Blumenstand gibt es duftende Rosen, jetzt geht es zur „Oase“. Ein kühles Blondes, eine Tasse Schokolade, ein Eis warten auf die Senioren.

Doch vor das Vergnügen haben die Stadtplaner, die vor mehr als 25 Jahren dem Ortskern ein romantisches Flair verpassten, die „Buckelpiste“ gesetzt. Das Kopfsteinpflaster passt wunderbar zur Kirche und den alten Bäumen. Aber für die ehrenamtlichen Helfer, die die Rollstühle schieben, ist es ein Kraftakt. Immer wieder bleiben die Räder in den Ritzen zwischen den Steinen stecken. Besonders die letzten Meter vor der Oase haben es in sich. „Das ist echt gefährlich“, weiß Günter Richter vom Heimbeirat im Seniorenzentrum. Denn wenn die Räder in den Fugen stecken bleiben, gerät ein Rollstuhl schnell ins Kippen, und die Schiebenden haben keine Chance, ihn zu halten. „Ohne vorheriges Training lassen wir deshalb niemanden an einen Rollstuhl“, sagt Bettina Rudolf , Leiterin des Sozialdienstes im Haus am See . Auch für die Herren, die mit ihren Rollatoren zum Markt fahren, erfordert es volle Konzentration, um heil ihren Weg über den Kirchplatz zu finden. „Mit diesem Pflaster hat sich die Gemeinde keinen Gefallen getan“, sagen sie. „Viele alten Leute stöhnen darüber, besonders, weil hier ja auch ein Arzt ist.“

Auch sonst ist das Dorf nur bedingt behindertengerecht. Der direkte Weg zum Bürgerhaus beispielsweise ist für Rollstuhl- und Rollatorfahrer ebenfalls kein Vergnügen. „Aber wir kennen alle Tricks und gehen zur Not Umwege“, wissen sich die Senioren einigermaßen zu helfen. Die Tour zum Markt jedenfalls lässt sich niemand trotz mancher Beschwernisse entgehen. „Wir können oft gar nicht alle Interessierten mitnehmen, weil wir nicht so viele Ehrenamtliche haben, die die Rollstühle schieben“, sagt Bettina Rudolph, die auf weitere Unterstützung aus der Bürgerschaft hofft. Die „Neuen“ werden gut angelernt, damit sie mit der „Buckelpiste“ fertig werden. Rudolph: „Erst gibt es eine gründliche Einweisung.“

» Kontakt: Seniorenzentrum, ' o574 - 926-0.

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