Eine Schule auf Achse
Eine Schule auf Achse

Freitag, 21.10.2011, 18:10 Uhr

Saerbeck - Dort, wo man sonst zu Pausenbeginn kaum einen Fuß auf den Boden des Forums bekommt, herrschte in dieser Woche auffällige Ruhe. Klassen- und Kursfahrten dezimierten die Zahl der anwesenden Schüler und ließen die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG) erscheinen wie in vorgezogenen Ferien. Der Großteil der mehr als tausend Schüler war auswärts unterwegs: auf mehrtägigen Fahrten oder im Berufspraktikum. Und auch für die daheim gebliebenen 360 Schüler der Jahrgänge fünf, sieben und acht war es keine normale Woche.

In den achten Klassen zum Beispiel trennten sich die Geschlechter. Jungen und Mädchen beschäftigten sich mit Rollen und Berufsfindung. „Für den Blick auf Geschlechterrollen sind Jungen und Mädchen besser unter sich“, erläuterte Lehrerin Jutta Hebbe . Sie organisiert die Berufsorientierung innerhalb der Projektwoche und will dabei eben die traditionelle Rollenverteilung in den Klassen aufbrechen. Jungs unter sich können eben auch eine soziale Ader zeigen und Mädchen anders herum Führungsstärke.

Das Programm für die weiblichen und männlichen Achter ähnelte sich. Der Montag war einer persönlichen Zukunftscollage und dem Lieblingsberuf gewidmet. An den folgenden Tagen gab es Bewerbungstrainings, Workshops, Sport, Betriebserkundungen und am gestrigen Freitag die Auswertung. Der Clou dabei: Die Rollen wurden umgekehrt. Die Mädchen beschäftigten sich in den Workshops etwa mit Holz- und Steinmetzarbeiten. Ihr Sport bestand aus einem Selbstverteidigungstraining mit den Karatekas des SC Falke . Und die Betriebsbesichtigungen führten sie in Unternehmen, die traditionell als männlich eingestufte Berufe anbieten: der Anlagenbauer Windmöller & Hölscher, die Autohäuser Beresa und Berkemeier, das Dykerhoff-Zementwerk und Saertex, die Kunststoffgelege produzieren. Die Jungs schnupperten ebenfalls in ausgewählte untypische Berufe hinein: Pflege, Kindergarten, Friseur.

„Am Ende dieser Woche kommt bei den Schülern fast immer heraus: Ich will mehr über den Beruf wissen“, weiß Jutta Hebbe. Dabei soll die Geschlechtertrennung ausdrücklich ein „Anstoß sein, sich auch mit geschlechtsuntypischen Berufen zu beschäftigen“.

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