Wo Bakterien Gas pupsen
Die neue Biogasanlage bekommt derzeit den letzten Schliff

Saerbeck -

Von den drei großen Projekten im Bioenergiepark ist die Abteilung Biogas, gemessen an der Stromproduktion, das kleinste – aber aktuell das am weitesten fortgeschrittene. Sechs Monate nach dem Baustart im Juli hat die offizielle Inbetriebnahme Mitte Dezember die höhere Einspeisevergütung des zu Ende gehenden Jahres gesichert, jetzt wird auf der Baustelle kräftig an der endgültigen Fertigstellung gearbeitet. Dabei ist die Anlage, auf den ersten Blick vor allem dies: voll mit modernster Technik und groß.

Dienstag, 27.12.2011, 11:12 Uhr

Von den drei großen Projekten im Bioenergiepark ist die Abteilung Biogas , gemessen an der Stromproduktion, das kleinste – aber aktuell das am weitesten fortgeschrittene. Sechs Monate nach dem Baustart im Juli hat die offizielle Inbetriebnahme Mitte Dezember die höhere Einspeisevergütung des zu Ende gehenden Jahres gesichert, jetzt wird auf der Baustelle kräftig an der endgültigen Fertigstellung gearbeitet. Dabei ist die Anlage, auf den ersten Blick vor allem dies: voll mit modernster Technik und groß.

Für einen Rundgang mit Projektplaner Martin Schuhmacher sollte man etwas Kondition mitbringen. Er arbeitet für die in Saerbeck und Lohne ansässige Firma Envitec , nach eigenen Angaben Marktführer in Europa für Bau und Betrieb von Biogasanlagen . Auch die Anlage im Bioenergiepark baut und betreibt Envitec als Mitgesellschafter der Saergas, zu der außerdem 17 Bauern und der Maschinenring im Grünen Zentrum gehören.

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht stehen drei riesige Betonbehälter in der Bunkerlandschaft und ein vergleichsweise winzig wirkendes Technikgebäude. Dort beginnt der technische Prozess, der aus Biomasse Strom, Dünger und Geld macht.

Aus Edelstahl ist der Annahmebehälter hergestellt, in dem der Schubboden demnächst Jahr für Jahr 13 700 Tonnen Maissilage, 3500 Tonnen Ganzpflanzensilage und 500 Tonnen Grassilage in die Förderschnecke schiebt. Gegenüber dem Großsilo ist ein Annahmebehälter für Schweinegülle entstanden, 520 Kubikmeter groß. 6000 Tonnen dieser Gülle werden bald im Technikgebäude mit den Silagen vermischt. Das erledigt ein so genannter Kreis-Dissolver, ganz ähnlich einem Zauberstab aus der Küche, nur mit einem drei Kubikmeter großen Rührtopf. Dieser Dissolver macht mit seiner Messerscheibe aus den Silagen ganz feine Häcksel. Er gehört zu den technischen Pfunden, mit denen Envitec wuchern kann. „Er sorgt für zehn Prozent mehr Ertrag“, erklärt Projektplaner Schuhmacher.

Das so hergestellte Substrat landet im Fermenter mit seinen 4090 Kubikmetern Fassungsvermögen. Eine ganz spezielle Bakterienmischung macht dort die eigentliche Arbeit der Biogas- und damit Energiegewinnung. Sie verdauen die pflanzlichen und tierischen Stoffe und produzieren dabei Methan. Damit die Bakterien das tun, brauchen sie konstante 37 bis 38 Grad Temperatur und Rührwerke, die alles ordentlich durchquirlen. Auch hier verwendet Envitec neueste, stromsparende Technik mit großen Propellern. Außerdem kommt mit der „Envitec Feed Control“ eine mit dem Innovationspreis Münsterland ausgezeichnete Sensor- und Steuertechnik zum Einsatz, die die Bakterien optimal versorgen soll.

Das Biogas Methan sammelt sich unter dem flexiblen Dach des Fermenters. Es betreibt ein Blockheizkraftwerk im Technikgebäude, das 526 Kilowatt Strom produziert und zusätzlich Wärme für die Heizung des Fermenters. Die Gärreste werden in einen gasdichten Speicher gepumpt, der mit 5600 Kubikmetern Größe für 240 Tage ausreicht. Ein zweites, gleichstarkes Blockheizkraftwerk steht in einem Bunker des ehemaligen Munitionsdepots und liefert neben Strom Wärme für die Trocknung der Gärreste zu Dünger. Insgesamt rechnet Envitec mit einer Stromeinspeisung von rund 8 Million Kilowattstunden jährlich.

Für Envitec ist das Projekt im Bioenergiepark übrigens auch eine „Vorzeigeanlage“ am Unternehmenssitz, die dem aktuellsten Stand der Biogastechnologie entspricht, betont Projektplaner Schuhmacher.

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