Saerbeck schafft den Einstieg in die Vermarktung des grünen Stroms aus dem Bioenergiepark
„Einmal wechseln – immer günstig“

Saerbeck -

Ist das der Durchbruch, der Weg, der Saerbeck dazu bringt, sich energetisch selber zu versorgen? Neue Gesetzesregelungen jedenfalls öffnen die Tür dorthin einen Spaltbreit und erlauben es, im Bioenergiepark produzierten Strom direkt an Saerbecker zu vermarkten.

Freitag, 05.12.2014, 20:12 Uhr

Wenn das der Durchbruch ist, fängt jetzt die Zukunft an: Vor wenigen Tagen erteilte die Bundesnetzagentur den Betreibern der Biogasanlage im Bioenergiepark die Erlaubnis, dort erzeugten Strom erstmals direkt zu vermarkten. Unter der Federführung der Firma Envitec und in Zusammenarbeit mit der SaerVE ist es damit möglich, grünen Biogas-Strom aus Saerbeck direkt in Saerbecker Haushalte zu leiten.

Aber wie bei den meisten guten Nachrichten gibt es auch hier eine Pferdefuß: So schön dieser Wendepunkt auch für die Biogas-Betreiber und die Saerbecker ist (natürlich wird der Strom dadurch auch billiger), stellt die neue Rechtslage doch zwei hohe Hürden auf: Die lokale Vermarktung gilt nur für Anlagen mit Nennleistungen, die kleiner sind als zwei Megawatt, und es dürfen nur Haushalte beliefert werden, die innerhalb eines Radius von viereinhalb Kilometern rund um die Anlage liegen.

Damit werden in diesem Fall zwar fast alle Saerbecker Haushalte erreicht werden können, sagte Envitec-Geschäftsführer Alfred Gayer den Mitgliedern des Haupt - und Finanzausschusses, aber größere Anlagen – beispielsweise das gemeindeeigene Windrad oder die Fotovoltaikanlagen – bleiben außen vor. Sie dürfen ihren Strom nach wie vor nicht direkt verkaufen. „Das sind die beiden dicken Löcher, die wir bohren müssen“, sagte Bürgermeister Wilfried Roos mit Blick auf die Zwei-Megawatt- und 4,5-Kilometer-Hürden. „Regenerativer Strom“, sagte Roos, „ist nun mal billiger, wenn er lokal vermarktet wird.“

Das war in der Sitzung das Stichwort für Manfred Stallfort und Hendrik Uhlenbrock von der Betreibergesellschaft der Biogasanlage und Alfred Gayer, den Geschäftsführer der Envitec; denn was nun folgte, war ein Werbeblock mit der glasklaren Botschaft: „Einmal wechseln – immer günstig!“ Wer den Weg sieht, den der Biogasstrom bisher nimmt (siehe Grafik oben), versteht auch, warum: Bisher wurde der Strom aus Saerbeck über das Stromkontor zur Strombörse nach Leipzig geschickt, von da an den Stromlieferanten und dann erst in die Haushalte (die damit, nebenbei bemerkt, keinen rein grünen, sondern grauen Strom aus verschiedenen Quellen in die Steckdosen geliefert bekamen). Die Direktvermarktung muss nun keinen Umweg mehr nehmen, was den 100-prozentig grünen Strom billiger macht.

Aber die Bundesbürger, das zeigen jüngste Untersuchungen, scheuen sich vor Anbieterwechseln, vor allem, wenn es um die Versprechen von Billiganbietern geht. Denen stellen sich die Saerbecker Direktanbieter und versprechen einfachen Wechsel, niedrige Preise („Mit Preissenkungsgarantie“, wie es in der Webebroschüre heißt), Sicherheit und monatliche Abschläge: „Unser Versprechen an Sie“, sagten Manfred Stallfort und Hendrik Uhlenbrock, „Sie zahlen nur das, was notwendig ist und erhalten Ihren Strom aus Saerbeck – und dazu das gute Gefühl: Mein Beitrag für Saerbeck.“

Aber die drei machten im Ausschuss nicht nur Werbesprüche, sie legten auch eine Beispielrechnung vor, in der sie die Stromkosten von RWE mit denen der SaerVE und ihren eigenen (Saergas) verglichen. Am teuersten ist demnach der RWE-Strom mit 29,98 Cent pro Kilowattstunde; die SaerVE nimmt 25,48 Cent und Saergas 24,98 Cent. Bei den Jahreskosten in dieser Musterrechnung von 1114,26 Euro für die RWE und 981,80 Euro für die SaerVE liegt die Saergas bei 964 Euro. Und auch der Monatsabschlag sei hier noch genannt: 93 Euro gehen demnach an die RWE, 82 Euro an die SaerVE und 81 Euro an die Saerbecker Direktstromlieferanten.

 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2924251?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F185%2F2591254%2F4852144%2F
Traktoren-Korso bremst am Dienstag den Verkehr aus
Bereits im April 2019 demonstrierten Landwirte aus dem Münsterland mit ihren Traktoren in Münster. 
Nachrichten-Ticker