Bussmannsbach war Abenteuerspielplatz, Intensivnatur und Saerbecks Waschplatz
Die Wildnis vor der Haustür

Saerbeck -

Die Wildnis vor der Haustür können die Spaziergänger, die durch den Heckebaum wandern, auch heute noch sehen. „Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nämlich gar nicht verändert“, sagt Georg Berkemeier vom Heimatverein. „Früher war hier hinter der Schule eigentlich das Dorf zu Ende. Saerbeck ist stark gewachsen, aber zum Glück um den Heckebaum herum.“ Erhalten hat sich deshalb mitten im Dorf ein Stück ursprüngliche bäuerliche Kulturlandschaft.

Montag, 05.01.2015, 20:01 Uhr

Die Steine am Bussmannsbach markieren einen alten Waschplatz, ideal für die Frauen des Dorfes, die vor 100 Jahren bei der großen Wäsche noch auf keine elektrische Waschmaschine zurückgreifen konnten.
Die Steine am Bussmannsbach markieren einen alten Waschplatz, ideal für die Frauen des Dorfes, die vor 100 Jahren bei der großen Wäsche noch auf keine elektrische Waschmaschine zurückgreifen konnten. Foto: Hans Lüttmann

Ein vergessener Ort ist er nicht. Eher einer, der sich seine Ursprünglichkeit bewahrt hat – mitten im Dorf. Der alte Heckebaum ist ein schmaler Weg, der von der Ibbenbürener Straße an der Fußgängerampel abzweigt und sich hinunterschlängelt zum Bussmannsbach und weiter führt zur Kolpingstraße. „Hier im Heckebaum haben wir Kinder aus dem Dorf früher mit Begeisterung gespielt. Das war für uns die Wildnis vor der Haustür“, erzählen noch viele einstige Dorfkinder.

Geprägt ist sie von der Aue des mäandernden, noch unverbauten Bussmannsbachs, von Weideland und der bewaldeten Terrassenkante am Bach. „Spektakulär ist auch die Hainbuchenhecke mit dem fast versunkenen Wegkreuz und die alte Eiche an der Brücke“, kommt Berkemeier beinahe ins Schwärmen. „Um den Heckebaum gibt es auch viele Erzählungen und Dönekes.“

Also eine wirklich reiche Kulturlandschaft? „Auf jeden Fall“, sagt Berkemeier. „Was für uns als Dorfkinder vor der Haustür lag, das finden die Schüler heute quasi hinter ihrer Schule. Eine ursprüngliche Landschaft, fast wie im Dschungel. Der Bach und die Bäume am Ufer ermöglichen intensive Naturerlebnisse ganz ohne Weg und Steg“, sagt Berkemeier.

Viel zu entdecken gibt es bei Streifzügen am Bach entlang. Unterhalb der Brücke im Heckebaum, die über den Bussmannsbach führt, hat sich eine alte Steintreppe erhalten. „Für uns Kinder früher ein tolle Möglichkeit den Bach zu erkunden“, erinnert sich Georg Berkemeier gerne. Aber dafür ist sie natürlich nicht am Ufer angebracht worden. Die Steine markieren einen alten Waschplatz. „Die Lage am Bach, bevor er ins Dorf fließt, ist dafür typisch“, so Berkemeier. „Hier war das Wasser noch sauber und klar.“ Ideal für die Frauen des Dorfes, die vor 100 Jahren bei der großen Wäsche noch keine elektrische Waschmaschinen hatten. Damals musste die Wäsche noch lange eingeweicht, in großen Kesseln gekocht und dann mit verschiedenen Hilfsmitteln (Waschbrett) von Hand bearbeitet werden. Wer es sich leisten konnte, verwendete für empfindliche Wäschestücke Kern- oder Schmierseife. Zum Ausspülen der Wäsche ging es dann an den Bach, weil hierfür sehr viel Wasser benötigt wurde.

Weißwäsche und Stücke mit schwer entfernbaren Verschmutzungen wurden anschließend oft noch im Sonnenlicht gebleicht, also auf der „Bleiche“, einer besonders gepflegten Wiese, ausgelegt und mehrfach mit der Gießkanne begossen. Bei Sonnenlicht entwickelt das Gras dann Bleichsauerstoff. An die große Wäsche im Dorf erinnern noch Straßennamen wie „Auf der Bleeke“ oder „Niehoffs Blaike“ – und der steinerne Waschplatz am Ufer des Bussmannsbachs im Heckebaum.

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