Dreharbeiten laufen
Barkhindos Leben als Musikvideo

Saerbeck -

Das viel beachtete Musical-Projekt „Heim­Art“ des Mehrgenerationenhauses geht jetzt gewissermaßen in die Verlängerung. Der Ibbenbürener Rapper Sking (alias Felix Beuse) dreht mit Aktiven des Musicals, weiteren Engagierten und Barkhindo Diallo ein Musikvideo über dessen Flüchtlingsgeschichte – eine Single-Auskopplung, sozusagen.

Mittwoch, 16.09.2015, 09:09 Uhr

„Saerbeck für Barki“: Die Projektgruppe für den Dreh des Musikvideos ist sich einig.
„Saerbeck für Barki“: Die Projektgruppe für den Dreh des Musikvideos ist sich einig. Foto: Stefanie Behring

Barkhindo Diallo kam als Flüchtling nach Saerbeck , seine Geschichte bewegt das ganze Dorf: Zuerst engagierten sich Schüler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule, darauf folgten viele weitere Gruppen. Das Autohaus Berkemeier gab dem Flüchtling einen Ausbildungsplatz, Freundschaften zu dem neuen Kollegen wuchsen und auch an anderen Stellen im Dorf entstanden neue Bekanntschaften.

Barkhindo fasst seine Geschichte so zusammen: „Zwar habe ich meine Heimat verloren, aber ich habe hier im Dorf eine neue gefunden.“ Diese neue Heimat ist nun Mittelpunkt eines Musikvideos . Der Ibbenbürener Rapper Felix Beuse , alias Sking, arbeitete bereits im vergangenen Jahr mit Barkhindo im Rahmen eines Theaterprojekts zusammen. Unter dem Motto „HeimArt – Wurzeln, Käfig, Flügel“ schrieben die beiden einen Song. Es geht darin um Barkhindos Geschichte. Er spricht von der Flucht, seiner neuen Heimat Saerbeck und seinen Wünschen für die Zukunft.

„Dieser Inhalt sollte veranschaulicht werden“, überlegte sich die Theatergruppe und es entstand ein zweites Projekt: ein Musikvideo. Freiwillige dafür waren schnell gefunden: Viele, die schon beim ersten Projekt mitgewirkt hatten, waren auch beim zweiten wieder dabei. So bildete sich rund um die Theaterpädagoginnen Lea Bullerjahn und Judith Suermann ein buntes Team. Alle sind sich einig: „Wir wollen Mut machen – Mut für Flüchtlinge und Mut für Helfer.“

Für das Video engagierten sich viele Gruppen, die eine besondere Verbindung zu Barkhindo haben. Dabei sind die Mitarbeiter der Firma Berkemeier, seine Mannschaftskameraden vom Fußball, die Saerbecker Volkstanzgruppe, die Hiphop Gruppe True Fame und seine Mitschüler. Auch diese Beteiligten bewiesen Mut: Sie rappten für Barkhindo in die Kamera. „Durch die vielen Gruppen und die Vielfalt wird ein einzigartiges Video entstehen“, verraten die Theaterpädagoginnen, die zusammen mit dem Rapper Sking die Regie beim Dreh führen.

Die vielen Gruppen belegen, dass der Flüchtling voll und ganz im Dorf integriert ist. Er erinnert sich an die letzten Worte, die er von seiner Mutter gehört hat: „Geld ist nichts, Leute sind wichtiger und Leute sind Geld.“ Diese Aufforderung, in seiner neuen Heimat vor allem nach Freunden zu suchen, setzte Barkhindo in die Tat um. Die große Beteiligung an seinem Video zeigt, wie viele ihm helfen möchten. Denn was die meisten nicht wissen: Barkhindo hat immer noch kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland. Zur Zeit wird er lediglich „geduldet“. Jedes halbe Jahr wird sein Status neu überprüft und er könnte immer noch jederzeit abgeschoben werden.

Das Musikvideo über seine Geschichte soll verdeutlichen, wie vielen Saerbeckern der Flüchtling ans Herz gewachsen ist. Dazu soll am kommenden Sonntag in der Bachaue ein großes Menschennetz um Barkhindo entstehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, zu 14 Uhr zum Mehrgenerationenhaus zu kommen, um sich an dem Videodreh zu beteiligen. „Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Menschen Mut beweisen und Gesicht zeigen“, sagt die Projektgruppe. Die Premiere des Videos soll am Samstag, 14. November, stattfinden. Genauere Informationen dazu folgen noch.

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