Dr. Anton Gerdemann starb am Samstag
Saerbecks „Retter“ ist tot

Saerbeck -

Saerbeck trauert um Dr. Anton Gerdemann. Der Mann, der 41 Jahre lang Bürgermeister war, hat dem Dorf die Selbstständigkeit gerettet.

Sonntag, 11.10.2015, 18:10 Uhr

Skeptisch und klug: Dr. Anton Gerdemann hat mit seinem Weitblick, seinen vielen Beziehungen und seiner politischen Durchsetzungskraft den Grundstein für die enorme Entwicklung gelegt, die Saerbeck seit Kriegsende genommen hat.
Skeptisch und klug: Dr. Anton Gerdemann hat mit seinem Weitblick, seinen vielen Beziehungen und seiner politischen Durchsetzungskraft den Grundstein für die enorme Entwicklung gelegt, die Saerbeck seit Kriegsende genommen hat. Foto: Wilfried Gerharz

„Na, da war ich natürlich der Held!“ Selbstironisch, aber durchaus mit einem Anflug von Stolz hat sich Dr. Anton Gerdemann im Interview mit dieser Zeitung einmal an jenen Abend vor gut 40 Jahren erinnert, als aus Düsseldorf die erlösende Nachricht kam: Saerbeck bleibt selbstständig. Ganz Saerbeck feierte den Mann, der auf allen Kanälen – und er hatte nicht wenige – dafür focht, dass „sein“ Dorf nicht von Greven oder Emsdetten geschluckt wurde. Er hatte Erfolg, und das kleine, durchaus auch arme Örtchen hat sich seit damals zur prosperierenden Gemeinde entwickelt. Jetzt trauert das ganze Dorf: Dr. Anton Gerdemann starb am Samstag mit 97 Jahren.

Gerdemann war eine Institution in Saerbeck. Von 1948 bis 1989 war er Bürgermeister im Dorf, dazu Tierarzt, der jeden Hof, jeden Stall persönlich kannte. Seine Leidenschaft war die Jagd, manche Freundschaft, die er später politisch für Saerbeck nutzen konnte, entstand beim Schüsseltreiben. Und er war tief in seinem Dorf verankert. „De Doktor soll‘s wohl richten!“ war ein geflügeltes Wort in Saerbeck und ein Kompliment an den Gestalter Gerdemann. Bis vor wenigen Jahren moderierte er die beliebten Weihnachtskonzerte des Kolping Blasorchesters, war lange Jahre Vorsitzender des Heimatvereins und des DRK und natürlich Chef der örtlichen CDU . Erst jüngst noch wurde er zum Delegierten für den nächsten Kreisparteitag gewählt. Fast überflüssig zu sagen, dass er auch lange Jahre Kreistagsmitglied war – nachdem er als Kreiskommissar eine entscheidende Rolle gespielt hat bei der Zusammenführung der Altkreise Tecklenburg und Steinfurt. Kein Wunder, dass er für sein Engagement mit dem Verdienstkreuz erster Klasse und einer ganzen Reihe weiterer Ehrungen ausgezeichnet worden ist.

Der Verstorbene war ein seltenes politisches Talent. Pragmatisch, aber doch mit viel Fantasie – Gerdemann konnte Entwicklungschancen sehen, die andere noch nicht einmal andachten. Ein Beispiel: die Saerbecker Gesamtschule. Sich dafür einzusetzen, das war für einen CDU-Mann in den 80er Jahren keine Kleinigkeit. „Ich bin selten für eine Entscheidung so geprügelt worden“, sagte Gerdemann über die Reaktion seiner Partei. Schon bald würde man ihn dafür lieben, hat sich das Dorf auf diese Weise doch eine weiterführende Schule gesichert.

Gerdemann war ein kluger Kopf, ein harter Verhandler – und er hatte das Glück des Tüchtigen. Aus dem Krieg, den er zum großen Teil als Tierarzt bei den deutschen Truppen in Norwegen verbracht hat, kam er gesund wieder – zurück zu seiner großen Liebe, Ehefrau Hanneli. 67 Jahre waren sie verheiratet – bis zuletzt beide relativ gesund und, geistig wach, am Leben ihrer fünf Kinder und sechs Enkel teilnehmend. Und dafür war Dr. Anton Gerdemann dankbar: „Das ist ein Geschenk des Himmels.“

► Weitere Infos zu Leben und Verdiensten des Verstorbenen auf www.wn.de

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