Über ein Gedicht von Ursula Kruse
Wo die Sehnsucht Lampedusa heißt

Saerbeck -

Als in dieser Zeitung berichtet wurde über die Bezugnahme der Krippe in St. Georg auf die italienische Insel Lampedusa, auf der viele Flüchtlinge aus Afrika europäischen Boden erreichen, holte die Saerbeckerin Ursula Kruse ein selbst verfasstes Gedicht wieder hervor. Sie hatte es im Jahr 2014 unter dem Eindruck der Menschen geschrieben, die die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer in Schleuser-Booten nicht überleben. Ihre Frage war: Was treibt diese Menschen an, was treibt sie fort, was suchen sie hier?

Donnerstag, 17.12.2015, 22:12 Uhr

Die Gestaltung der Weihnachtskrippe in der St.-Georg-Pfarrkirche zum Flüchtlingsthema findet Resonanz. Als in dieser Zeitung berichtet wurde über die Bezugnahme auf die italienische Insel Lampedusa, auf der viele Flüchtlinge aus Afrika europäischen Boden erreichen, holte die Saerbeckerin Ursula Kruse ein selbst verfasstes Gedicht wieder hervor. Sie hatte es im Jahr 2014 unter dem Eindruck der Menschen geschrieben, die die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer in Schleuser-Booten nicht überleben. Ihre Frage war: Was treibt diese Menschen an, was treibt sie fort, was suchen sie hier?

„Diese Menschen auf der Flucht sehen im eigenen Land keine Chance auf Leben, werden stattdessen vielleicht in das Soldat-Sein gezwungen, zu Krieg und Mord“, erläuterte Ursula Kruse die erste Strophe ihres Gedichts. Dabei würden sie sich auch nur wünschen, arbeiten und ihre Familien ernähren zu können, vielleicht studieren, in Sicherheit und Freiheit – „das wahre Leben“, wie es in der zweiten Strophe heißt. Freiheit, Glück, sich erfüllende Hoffnungen: Das heiße für die meisten Fliehenden Europa, Schweden, Deutschland, erläuterte Ursula Kruse ihre Gedanken weiter. Aufgefangen, angenommen, willkommen, diese Worte fielen ihr zum Umgang von Saerbeckern mit hier angekommenen Flüchtlingen ein. Aber sind sie am Ziel, wie die dritte Strophe fragt? Oder müssen sie wieder zurück, wie Ursula Kruse das mögliche Gegenteil benennt?

Mit ihrem Gedicht fand Ursula Kruse in einem Wettbewerb Eingang in das „Jahrbuch für das neue Gedicht 2015“ der „Frankfurter Bibliothek“. Sie wird herausgegeben von der Brentano-Gesellschaft in Frankfurt, die dort Lyrik und Poesie der Gegenwart präsentieren und deutschsprachige Autoren fördern will. Die „Frankfurter Bibliothek“ ist eine der am weitesten verbreiteten Lyriksammlungen der Nachkriegszeit. Zumindest potenziell noch weiter verbreitet könnte Ursula Kruses Lesung ihres Lampedusa-Gedichts im Internet-Kanal des Deutschen Literaturfernsehens sein.

Ursula Kruse wurde 1943 in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein geboren. Sie arbeitete als Heilpraktikerin und lebt seit 2010 in Saerbeck. Zwei Bücher, die sich aus ihren Seminaren ableiten, erschienen seitdem: „Engel weisen dir den Weg“ und „Abnehmen beginnt mit der Liebe zu sich selbst“. Ihr erstes Kinderbuch „Gespensterchen Heinzis Abenteuer“ erscheint 2016.

Die Krippe in St. Georg greift das Flüchtlingsthema auf. Kurz vor Heiligabend soll ein „Lampedusa-Kreuz“, eine Leihgabe des Bistums, aufgestellt werden. Die Geburt Jesu findet auf einem Flüchtlingsboot statt. Neben Applaus für die Aktualität der Darstellung gibt es auch Kritik, die nach einer traditionelleren Gestaltung der Krippe ruft.

► www. autoren-tv.de (in der Leiste links bis Ursula Kruse herunterscrollen)

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