Protestaktion im Bioenergiepark
Schatten über Ökostrom

Saerbeck -

Gegen die geplante Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) richtet sich die Kritik von vielen kleineren Ökostromproduzenten und ihrer Lobby. Über der Biogasanlage im Bioenergiepark ließen sie schwarze Luftballons aufsteigen, die die befürchtete Verdunklung des Himmels über der Energiewende symbolisch zeigen sollten.

Mittwoch, 25.05.2016, 18:05 Uhr

Protestierten  für ein Festhalten an der Energiewende (von links): Jürgen Wessels (Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“) sowie Hendrik Uhlenbrock und Landwirt Manfred Stallfort (Saergas).
Protestierten  für ein Festhalten an der Energiewende (von links): Jürgen Wessels (Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“) sowie Hendrik Uhlenbrock und Landwirt Manfred Stallfort (Saergas). Foto: Alfred Riese

Die auf Bundesebene geplante Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ( EEG ) verdunkelt den Himmel besonders über den kleineren Betreibern von Ökostromanlagen, Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften. Um das symbolisch in der bundesweiten „Warnminute 5 vor 12“ zu zeigen, wählte der „Verein Nachhaltige Energien“ den Bioenergiepark (BEP) in der Klimakommune Saerbeck , um dort über der Biogasanlage der Landwirtegenossenschaft 500 schwarze Luftballons aufsteigen zu lassen - eigentlich hätten es 8700 sein sollen für die 8700 Megawattstunden Strom, mit denen die „Saergas“ jährlich 2400 Haushalte versorgen kann. Dem hatte aber die Flugsicherung am FMO einen Riegel vorgeschoben, sagte Hendrik Uhlenbrock von der Saergas GmbH .

An der Protestaktion beteiligten sich unter anderem Vertreter der Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“, der Saergas, der Bürgerwindparks aus Ochtrup, Greven, Hörstel, Mettingen und Recke und der Biogasanlagenbetreiber aus Steinfurt, Greven und Laer, insgesamt rund 100 Personen. Ihre Kritik richtet sich gegen die geplante Neufassung des EEG. Sie sehen den Bestandsschutz für Biogasanlagen außer Kraft gesetzt und den Ausbau Erneuerbarer Energien behindert. „Energiewende retten“ stand auf Plakaten. Es geht um die Begrenzung für neue Stromerzeugungskapazitäten und Einschnitte bei den Einspeisevergütungen. „Nach der Aufforderung, in Bioenergie zu investieren, erschüttert diese EEG-Novelle das Vertrauen in die Politik“, sagte Gerrit Müller-Rüster vom „Verein Nachhaltige Energien“, einem Zusammenschluss insbesondere von Biogasanlagenbetreibern. Die seien durch ihre stetige, wetterunhängige Produktion besonders wertvoll für die Energiewende. Landwirt Heiner Konert, Mitbegründer des Windparks Schöppinger Berg, erklärte, Ökostromerzeuger hätten „keine Angst vor dem Markt, aber vor den politisch gesetzten Marktbedingungen“. Zudem gebe es in NRW keine Probleme mit der Stromverteilung im Netz, anders als etwa an der Küste.

Die hiesige Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek (CDU) stellte sich der Kritik, ließ sogar Protest-Luftballons mit aufsteigen. Sie erklärte allerdings auch, „niemand stellt den Ausbau der erneuerbaren Energie Frage, die Probleme sind aber das Tempo, die Stromverteilung und die Preise“.

Die Saergas rechnet durch den geplanten Wegfall des Stromsteuerbonus für Direktvermarktung mit Mehrkosten von 2,05 Cent je Kilowattstunde. „Wir werden die Preise für unsere 400 Kunden in Saerbeck sicher halten, müssen dafür aber hart rechnen“, kündigte Saergas-Geschäftsführer Hendrik Uhlenbrock an. Beim lange geplanten Bürgerwindpark in Sinningen hofft man auf eine Baugenehmigung bis zum Jahresende, um noch unter das aktuelle EEG zu fallen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4032639?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F185%2F4852118%2F4852126%2F
Phänologischer Kalender aus dem Takt
Die Zeiten ändern sich: Phänologischer Kalender aus dem Takt
Nachrichten-Ticker