Klassik-Open-Air am Beach
Wohlfühlmusik beflügelt Sommernachtsträume

Greven -

Immer wenn es am Schönsten ist: Ausgerechnet bei Mendelssohns Hochzeitsmarsch setzte der münsterländische Landregen an, der, seien wir ehrlich, nur dann romantisch ist, wenn man bei Kerzenschein und Rotwein im Trockenen sitzt. Aber nach einem kurzen Guss überlegte er es sich anders und zog sich in seine dunklen Wolken zurück.

Montag, 22.08.2016, 15:08 Uhr

Otto Nicolais One-Hit-Wonder über die lustigen Weiber von Windsor feiert und belacht den Schwerenöter und Frauenverführer Falstaff aus Shakespeares gleichnamiger Komödie.
Otto Nicolais One-Hit-Wonder über die lustigen Weiber von Windsor feiert und belacht den Schwerenöter und Frauenverführer Falstaff aus Shakespeares gleichnamiger Komödie. Foto: Wilfried Gerharz

Mendelssohns Allzeit-Hit war das glanzvolle Schlussstück eines romantischen Abends am Beach. Auf dem Programm stand zwar noch Brahms‘ Ungarischer Tanz, aber den, sagte Dirigent Rasmus Baumann , „spielen wir einfach mal als Zugabe, weil es so kalt geworden ist; wir wollen ja nicht, dass Sie sich noch erkälten.“

Dabei hatten die beinahe 600 Zuhörer schon selber vorgesorgt und Decken, dicke Jacken und Regenschirme mitgebracht. Dass die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen aber sogar Schnee im Geigenkasten haben, konnten wirklich nur ausgefuchste Romantiker ahnen.

„Musikalische Romantik“ hieß das zehnte Klassik-Open-Air-Konzert, das die Kulturinitiative, Greven Marketing und die Reihe „Summerwinds Münsterland“ auf die Bühne gebracht haben. Vor dem musikalischen Sommerwind aber machte der Dirigent des prächtig aufgelegten Orchesters noch ein paar launige Ansagen über die deutschen Romantiker. Denen es ja nicht um Ordnung, Sachlichkeit und Wissenschaft, sondern im Gegenteil um Freiheit, Einheit, Weltgenesung und den deutschen Wald ging. Obwohl sie sich, um im Bild zu bleiben, überhaupt nicht grün waren: Sagt der Wagner über den Brahms: „Der ist ja prüde wie eine alte Jungfer!“ Und der Brahms zu Wagner: „Der komponiert nur Scheißzeugs.“ Sagt der Weber – aber da merkt man schon, dass nicht nur Gutes dabei heraus kommt, wenn Komponisten streiten, statt zu komponieren.

Aber das haben sie so reichlich getan, dass sich am Sonntagabend ein Welthit an den anderen reihte. Erst mit Brahms’ wunderbarer Akademischer Festouvertüre und dem jubilierenden „Gaudeamus igitur!“ Dann mit Wagners packender Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ (bei der vielen das Bild von Captain Sparrow in den Sinn kam).

Endgültig in wildromantischer Sehnsucht nach Seligkeit und Poesie und Leidenschaft angekommen war das Konzert, als Zsigmond Kara mit seiner Klarinette seufzende Klangbilder malte: akrobatisch, akkurat, sprudelnd, festlich und leise verhauchend – vor allem der zweite Satz des Klarinettenkonzerts von Carl Maria von Weber ließ die Herzen der Zuhörer schmelzen wie Schokolade in der Sonne – obwohl gerade in diesem Andante con moto das Weihnachtslied vom rieselnden Schnee erklang.

Klassik-Open-Air am Grevener Beach

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Otto Nicolais One-Hit-Wonder „Die lustigen Weiber von Windsor“ leitete den zweiten Teil des auch immer wieder mit Szenenapplaus bedachten Konzerts ein, das mit Max Bruchs von Mischa Modelman göttlich intonierter Romanze seinen innigen, mitreißenden, brillanten Höhepunkt fand. („Max Bruch“, zog Rasmus Baumann mit ruhrpöttischer Schnoddrigkeit vom Leder, „dat hört sich an wie ’n Steinmetz aus Bottrop. Abber so schöne Mussik – und dat bei dem Naam!“)

Dann noch ein weiterer in Musik gesetzter Shakespeare: Mendelssohns Sommernachtstraum mit ebenjenem Hochzeitsmarsch. Und als i-Tüpfelchen die angekündigte Zugabe, Brahms Ungarischer Tanz, mit dem die Musiker die restlos überzeugten Zuhörer nach Hause schickten.

„Hach ja, die Romantiker!“, seufzte eine ältere Dame nach dem Schlussapplaus. Mehr muss man dazu nicht sagen. Oder vielleicht noch: „Danke für diesen schönen Abend!“

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